FACILITY MANAGEMENT im Interview

New Visions of Work

Unter dem Titel „New Visions of Work“ wird die Orgatec in Köln vom 25. bis 29. Oktober 2022 ihre Pforten öffnen. Schon längst ist die Messe nicht mehr nur eine Messe für die Einrichtung von Büros und Objektbereich. Vielmehr will die Orgatec Impulse geben und wichtige Weichen stellen für die fortschreitende Digitalisierung der Arbeitsumgebungen. Dabei geht es nicht nur darum, Arbeitsumgebungen einfach „nur digi­taler“ zu machen – das ist mittelfristig sicherlich keine Lösung.

So werden etwa neue Bürogebäude nicht nur smart, sondern auch nach dem Human Centric Building-Konzept geplant. Im Gespräch erläutert Jonathan Reinartz, Senior Associate Smart Buildings bei der evolutiq GmbH in Köln, worauf es ankommt damit die Menschen, die im Büro arbeiten sich wohl fühlen. 
Die Idee hinter dem Kölner Bürogebäude THE SHIP ist einfach: Eine digitalisierte Arbeitsumgebung, in der Menschen sich wohlfühlen. Die Umsetzung war allerdings um einiges komplexer. Der Bau wurde mit einer künstlichen Gebäudeintelligenz ausgestattet, die sich die Präferenzen der Nutzer merkt. Als „digitaler Superbau“ machte das Projekt bei der Eröffnung Schlagzeilen. Nun gehen die Betreiber noch einen Schritt weiter und planen den angrenzenden Bürobau „Vorum“ nach dem Human Centric Building-Konzept. Doch was macht die Bürogebäude so besonders und wie hat sich die smarte Arbeitsumgebung bislang bewährt. Eine Bestandsaufnahme mit Jonathan Reinartz, Senior Associate Smart Buildings bei der evolutiq GmbH, die beide Bürobauten betreibt.

Herr Reinartz, welche Intention verbinden Sie mit den Bürobauten THE SHIP und Vorum?

„Kurz gesagt möchten wir mit THE SHIP und dem angrenzend entstehenden Vorum lebenswerte Arbeitswelten schaffen. Die Menschen, die hier auf dem Campus arbeiten, sollen sich wohlfühlen. Dafür stellen wir ihre Bedürfnisse und ihre Ansprüche an ein modernes Arbeitsumfeld in den Mittelpunkt. Wir bieten Komfort, eine tolle Infrastruktur und eine kommunikative, lebendige Atmosphäre.“

Wie ermitteln Sie denn die Bedürfnisse und Ansprüche der Mitarbeitenden?

In der Planungsphase von THE SHIP, das vor etwa zwei Jahren eröffnet wurde, haben wir auf konkrete Bedarfsanalysen gesetzt und ein maßgeschneidertes Konzept entwickelt. Da sich diese Herangehensweise voll ausgezahlt hat, gehen wir beim Vorum genauso vor. Das Gebäude soll 2024 fertiggestellt werden. Neueste Forschungsergebnisse zum Thema Wohlbefinden und Gesundheit am Arbeitsplatz fließen hier in die Planung mit ein. Am Ende gehört für uns der Einsatz zukunftsweisender, intelligenter Gebäudetechnologien genauso dazu wie umfangreiche Mobilitäts- und Gastronomiekonzepte. Mit diesem ganzheitlichen Ansatz heben wir uns von einem Großteil der aktuellen Bauprojekte in Deutschland ab.

Die Infrastruktur ist am New-Work-Gedanken orientiert. Was bedeutet das konkret?

Mit THE SHIP haben wir bereits unsere Vorstellung einer zukunftsfähigen Arbeitswelt umgesetzt. Die Mitarbeiter im Gebäude profitieren zum Beispiel davon, dass sie ein Gym, ein gutes Restaurant und eine Kita direkt im Haus haben. Für das Vorum denken wir dieses Konzept noch etwas weiter. Es wird zum Beispiel einen Foodcourt, begrünte Außengastronomie, eine Barista-Bar mit Eisdiele und einen Bio-Hofladen geben.

Wie spiegelt sich New Work in der Büroorganisation wider?

Beide Gebäude zeichnet aus, dass die Büroflächen besonders flexibel gestaltet sind. Das heißt, für jede Aufgabe im ­Arbeitsalltag möchten wir die richtige Umgebung bieten: Think-Tanks für ein effektives Brainstorming oder Phone Capsules für einen wichtigen Anruf, bei dem man ungestört sein will. Gleichzeitig fördern wir, ganz im Zeichen von New Work, Kollaborationen. Dazu bieten wir viele kleine Orte auf dem Campus, an denen man sich ungezwungen austauschen kann – zum Beispiel auf der Dachterrasse von THE SHIP mit Blick über Köln. Wir glauben, dass eine angenehme, anregende Atmosphäre, in der man auch die Gelegenheit hat, zwischendrin Kraft zu tanken, die Konzen­tration und Leistungsfähigkeit fördert.

Was steckt hinter dem Human Centric Building-Konzept, mit dem das neue Bürogebäude Vorum entwickelt wurde?

In einem Human Centric Building sollen die Nutzererfahrungen am Arbeitsplatz verbessert werden. Eine Immobilie erfüllt diesen Anspruch, wenn sie konsequent aus der Nutzerperspektive geplant und umgesetzt wird. Das betrifft alle mit dem Bau verbundenen Entscheidungen: von der architektonischen Gestaltung, über die Infrastruktur und Ausstattung der Büroflächen, bis hin zur Gebäudedigitalisierung und der Optimierung von Licht, Schall und Klima. Generell ist es interessant, dass jetzt mit dem Human Centric Building-Konzept gesundheitliche und psychologische Themen in die traditionelle Bauindustrie einfließen. Dies wird in den nächsten Jahren sicherlich viel verändern.

Was macht die Gebäude zu Vorreitern im Hinblick auf Smart Offices?

Eine Gebäudedigitalisierung nach neuesten technologischen Standards ist unserer Meinung nach ein Muss. THE SHIP ist zum Beispiel mit zahlreichen smarten Features ausgestattet, die die Nutzererfahrung am Arbeitsplatz verbessern. So haben wir unter anderem ­eine Gebäude-App im Einsatz, die nützliche Funktionen wie Keyless-Entry, Workspace-Buchungen und kontaktloses Bezahlen im Restaurant ermöglicht. Eine Gebäudenavigation für externe Gäste gehört ebenfalls dazu. In THE SHIP sind über 2.500 Sensoren, 156 Zugangskontrollpunkte und 146 Beacons verbaut. Auf Basis von Bewegungsdaten sorgt die digitale Intelligenz für eine automatische und ressourcenfreundliche Steuerung von Klima und Beleuchtung im gesamten Gebäude. So smart die Immobilie auch ist, IT-Sicherheit und Datenschutz stehen für uns an oberster Stelle. Die Anonymität jedes Nutzers bleibt gemäß der DSGVO gewahrt.

Wird dieses smarte Design mit dem Neubau des Vorum weiterentwickelt?

Auch im Vorum werden wir eine umfassende Gebäudedigitalisierung umsetzen, die dann den neuesten technologischen Innovationen entsprechen wird. Dabei haben wir das Glück, ­direkt von den Erfahrungen zu profitieren, die wir tagtäglich im Umgang mit den digitalen Prozessen in THE SHIP machen. Für das Vorum denken wir an zusätzliche Features, wie zum Beispiel einen Digital-Concierge-Service und umfassende Digital-Signage-Lösungen. Vor ­allem aber sollen die smarten Funktionen zum Arbeitsalltag der Mieter passen.

Wie hat sich das Bürokonzept und die smarte Ausstattung von „THE SHIP“ in der Coronapandemie bewährt und welche Schlüsse wurden daraus für den Neubau Vorum gezogen?

In erster Linie haben sich mit der Pandemie ­natürlich die Ansprüche an die gesundheitliche Sicherheit am Arbeitsplatz verändert. Die neuen Anforderungen beantworten wir zum Beispiel mit dem Einbau modernster HEPA-Luftfilteranlagen. Für uns ist aber auch offensichtlich geworden, dass starre Raumplanungen mittlerweile ein Konstrukt der Vergangenheit sind. Das Konzept der „Activity based Workspaces“ mit den unterschiedlichen Bereichen für jede Situation im Arbeitsalltag, wird von den Nutzern in THE SHIP zum Beispiel sehr gut angenommen. Das zeigt: was ein Büro jetzt und in Zukunft ausmacht, ist, dass es einen sicheren Rahmen und gleichzeitig möglichst viel Freiraum für Kreativität und Austausch bietet. Denn das ist es ja auch, was man im Homeoffice vermisst. Das Wohlbefinden am Arbeitsplatz und die individuellen Bedürfnisse rücken in den Fokus. Wenn Unternehmen ihren Mitarbeitern solch zukunftsweisende Arbeitsumgebungen bieten, können sie auch in Sachen Mitarbeiterbindung und Employer Branding punkten.
 

Weitere Themen auf der Orgatec 2022:

Inspired Hybrid Office

Als Fortführung der erfolgreichen Sonderschau Inspired Collaboration, demonstriert die Orgatec in Kooperation mit der zgoll:GmbH mit der Sonderschau "Inspired Hybrid Office" eindrucksvoll, wie eine hybride Arbeitswelt Menschen begeistert, Teams zusammenbringt und Mitarbeiter befähigt von überall gemeinsam als Team arbeiten. Und das nicht in ferner Zukunft, sondern sofort und mit der Technik von heute, wenn man sie sinnvoll kombiniert und intelligent integriert.


Fraunhofer Symposium "Menschen in Räumen"

Mit dem Symposium Menschen in Räumen (MiR) bringt das Fraunhofer-Institut für Bauphysik IBP alljährlich Forschung und Praxis, Wissenschaftler*innen, Architekten, Planer, Unternehmen und Hersteller zusammen. In diesem Jahr widmet sich das MiR-Symposium den Herausforderungen der Gestaltung hybrider Arbeitswelten, mit neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen, inspirierende Keynotes und Best Practice Beispielen, mit spannenden Beiträgen aus Wissenschaft, Architektur und Unternehmenspraxis.


IBA Forum in Halle 6

In Zusammenarbeit mit der New Work SE, Frame und dem "Personalmagazin" macht sich das IBA Forum auf die Suche nach dem „Workspace of tomorrow“ und kombiniert dafür das Know-how von Experten mit Tipps aus der Praxis und Beispielen für gelungene Büroeinrichtungen.

Smart Building Arena

Mit einer innovativen Mischung aus einer Ausstellungsfläche für Start-ups und junge, innovative Unternehmen sowie einer Vortragsbühne bietet die ORGATEC mit der Smart Building Arena in Halle 10.1 die Gelegenheit Impulse und Innovationen für die Digitalisierung der Bau- und Immobilienbranche im Austausch mit der Immobilienwirtschaft zu bekommen.

Hier erwartet Sie beispielsweise am 26. Oktober 2022 der Inverstors Day mit spannenden Vorträgen von unseren Partnern mit den folgenden Themen:

- Büroimmobilie aus der Nutzerperspektive

- Hotelimmobilien und Co-Working

- Hightech, Proptech

- Nachhaltiges Bauen

Das ausführliche Programm aller Bühnen finden Sie unter www.orgatec.de

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