Medienversorgung an der Schnittstelle zwischen FM und Produktionsprozess bei MTU

Störungsfreie Produktion

Oberste Aufgabe des Gebäudeservices in einem Produktionsbetrieb ist die störungsfreie Sicherstellung der Primärprozesse. Dafür muss der
Gebäudeservice die Verfügbarkeit der Anlagen jederzeit gewährleisten können. Die MTU Aero Engines AG hat am Standort Allach nach zehn Jahren einen Betreiberwechsel durchgeführt. Ein Praxisbericht…

Seit 1. Januar 2015 ist die Caverion Deutschland GmbH für die Belieferung des Produktionsprozesses mit den erforderlichen Medien verantwortlich. Es handelt sich dabei um Druckluft, Strom, technische Gase, Absaug-, Raumlüftungs-, Heizungs- und Klimatechnik, Kühlschmierstoffe und Kühlwasser sowie Betriebs- und Abwasser.

Die Produktion am Standort Allach ist seit Jahrzehnten stetig gewachsen, dabei haben sich die Anforderungen und Bedürfnisse der Produktionsprozesse immer wieder geändert. Da es sich um flexible Produktionsprozesse fernab einer klassischen Fließbandfertigung handelt, liegt die Herausforderung für den Gebäudeservice in einer klaren Abstimmung zwischen FM, Maschineninstandhaltung und Produktionsprozess. Um die einzelnen Verantwortungsbereiche an den unterschiedlichen Anlagen klar zu definieren, müssen vielerlei Parameter berücksichtig werden.

Somit entstehen Schnittstellen nicht nur im physischen Sinne an der Medienübergabe vom Gebäudenetz zur Anlage, sondern auch in der Informationsweitergabe und damit Kommunikation.

Stand der Technik                    

In knapp 70 Gebäuden am Standort Allach versorgen rund 2900 gebäudetechnische Anlagen die einzelnen Abteilungen und Maschinen mit den geforderten Medien.

Die am Standort vorhandenen Bestandsgebäude können baulich nicht angepasst werden. Für Umstellungen in der Produktion werden daher die Maschinen innerhalb der Gebäude flexibel versetzt. In der Konsequenz ergibt sich, dass auch die Anschlüsse für die Medienversorgung versetzt sowie Leitungen und Zuläufe neu gelegt werden müssen. So erklärt sich, dass in diesen Gebäuden die Medienversorgung über die Jahre ständig verändert und erweitert worden ist.

Insgesamt sieht sich der Gebäudedienstleister einem Werksgelände aus Neubauten und Bestandsgebäuden der verschiedensten Errichtungsjahre gegenüber, die eine komplexe Mischung unterschiedlichster Standards und Ausführungsarten mit sich bringt.

Die MTU hat aufgrund dieser Erfahrungen eine Systematik zur Festlegung der Medienübergabepunkte entwickelt. Zu Beginn der Betreuungszeit durch Caverion galt es, diese Systematik gemeinsam für das gesamte Werk umzusetzen.

Neue Lösungsansätze

Im Vorfeld der Betriebsphase mit Caverion als neuem Dienstleister wurde eine Startup-Phase von Juli bis Dezember 2014 vereinbart. In diesem Zeitraum wurden unter anderem wichtige Schnittstellen, Verantwortlichkeiten und Kommunikationsabläufe entworfen, getestet und implementiert. Diese Phase war für ein Projekt dieser Größe ausschlaggebend für den weiteren Erfolg. Durch die schon angesprochene Erfahrung mit unterschiedlichen Standards und Anforderungen entwickelte der Auftraggeber Konzepte, die die Serviceverantwortung regelten. Ein entscheidender Punkt, da Caverion für die Sicherstellung der unterbrechungsfreien Medienversorgung aller Produktionsanlagen verantwortlich ist. Der Betrieb der Produktionsanlagen – von der Inbetriebnahme über das Störungsmanagement bis hin zur Instandsetzung – wird von einem anderen externen Dienstleister übernommen.

Mit dem Dienstleisterwechsel setzte der Auftraggeber auch eine neue Organisationsstruktur ein, die eine Veränderung in der operativen Umsetzung nach sich zog. So ist der Auftragnehmer mit einem Objektleiter und 28 Mitarbeitern ständig am Werk vor Ort. Dabei ist jedes gebäudetechnische Gewerk mit qualifiziertem und erfahrenem Personal besetzt. Folglich können die operativen Arbeiten im Bereich des Betriebs und der Instandhaltung zu 90 % in Eigenleistung durch das eingesetzte Team ausgeführt werden. Auf Auftraggeberseite steht dem Dienstleister für jedes Gewerk ein eigens benannter Gewerkeverantwortlicher als Ansprechpartner zur Verfügung. Gegenseitiger Respekt und eine Begegnung auf Augenhöhe erleichtern die Zusammenarbeit. Dabei findet ein Austausch der langjährigen Erfahrungen im Umgang mit der jeweiligen Technik statt. Langfristig sichern Auftraggeber und Auftragnehmer durch die Umsetzung der Konzepte und die klare Abstimmung durch die Verantwortlichen  die Prozess- und Produktionsqualität des Werkes.

Medienübergabepunkte

Aus dem Konzept des Auftraggebers wurde eine Systematik für eine Definition der Medienübergabepunkte entwickelt. Würde dieser Definitionsprozess in der Errichtungsphase eines Gebäudes betrachtet, wäre er relativ einfach umzusetzen. Ganz anders die Situation in der vorhandenen Struktur. Aber wo genau liegt die Herausforderung?

Einerseits muss für die flexibel versetzbaren Maschinen in den Bestandsgebäuden für jede denkbare Verbausituation eine klare Abgrenzung der Verantwortungsbereiche gefunden werden. Dafür mussten alle Beteiligten einen gemeinsamen Prozess aufsetzen.

Andererseits musste der Dienstleister das sehr große Leitungsnetz zur Medienversorgung beherrschen. Die verschiedenen Medien am Standort werden über ein großzügiges unterirdisches Medienkanalnetz an die einzelnen Gebäude geführt. Wie zu vermuten ist, wurde das Kanalnetz stetig den veränderten Gegebenheiten angepasst und ausgebaut. Vor der Nutzung stand allerdings die Anlagenaufnahme des Bestandsnetzes, für das nur teilweise eine Dokumentation vorlag.

Wie die Schnittstellen abgegrenzt und gekennzeichnet werden sollen, hatte der Auftraggeber festgelegt: Während des laufenden Betriebs war jeder Absperrschieber zu erfassen und exakt zu beschriften. Anschließend wurden diese Übergabepunkte in Plänen erfasst. Auf diese Weise konnten die Beteiligten den Bestand sinnvoll erfassen und dokumentieren. Zusätzliche Kosten fielen nicht an. Vor allem in den Rohrleitungstrassen war diese Methode sehr gut anwendbar.

Die eigentlichen Übergabepunkte zwischen Gebäudeservice und Anlagenservice liegen jedoch in den Produktionshallen im Bereich der Maschinen und Anlagen. Auch hier ist das Leitungsnetz komplex, da es sich ständig verändert. Beispielsweise waren vor einigen Jahren aufgrund der Schadstoffemissionen noch große Abluftsysteme notwendig. Die verbesserten Standards neuerer Maschinen und Anlagen führten dazu, dass die Abluftsysteme dann zu groß dimensioniert waren und nicht mehr benötigt wurden – die Medienversorgung musste angepasst werden. Die MTU hat über das interne Qualitätsmanagement eine Verfahrensanweisung aufgesetzt, die im Zuge des Regelbetriebs umgesetzt wird. Sie stimmte die notwendigen Maßnahmen mit dem Gebäudeservice bereits in der Implementierungsphase ab.

Schnittstellen gibt es nicht nur an der Technik

Nicht nur an der Technik entstehen Schnittstellen. Ein wesentlicher Punkt für einen reibungslosen Ablauf im Tagesbetrieb sind die notwendigen Abstimmungsprozesse. Der Auftraggeber definierte diese Schnittstellen bereits in der Vorphase, da sie zur Erfüllung der vertraglichen Leistungen erforderlich sind. Die Medienversorgung ist in 12 Gewerke unterteilt. Das sichert einen optimalen Know-how-Transfer in den Gewerken und stellt eine geradlinige Kommunikation innerhalb der Schnittstellen sicher. 

Der Erfolg liegt hier in der Zuordnung des Fachpersonals zu den Gewerken. Die erforderlichen Kernkompetenzen werden dort gebündelt, wo Sie benötigt werden und vor allem wo Sie vorhanden sind. 

Kommunikation

Informationsaustausch zwischen den Beteiligten ist eine entscheidende Voraussetzung, um den herrschenden Anforderungen des Projekts gerecht zu werden. Dazu nutzt die MTU verschiedene Wege: In der Startup Phase wurde ein täglicher „Coffee Talk“ eingeführt. Dieser besteht auch in der Betriebsphase weiter. Die tägliche Kommunikation von Themen, Problemen und Lösungen stellte sicher, dass in der Startup Phase alle Informationen zeitnah gebündelt, verarbeitet und erfolgreich umgesetzt werden konnten.

Weiterhin werden wöchentlich Management Meetings durchgeführt, um die Prozesse erfassen und aufsetzen zu können. Dort werden auch die nach den verabschiedeten Prozessen definierten Schnittstellen festgelegt. Weiterhin findet dort die Abstimmung der Instandhaltungstermine, Planung von Instandsetzungen und Modernisierungen statt.

Als dritte „Schnittstelle“ dient ein CAFM System, das zur Terminierung von Tätigkeiten und Rückmeldung durchgeführter Maßnahmen genutzt wird. Die Gespräche und Abstimmungstermine trugen wesentlich zum Erfolg der Implementierungsphase bei. Das Kennen der jeweiligen Ansprechpartner und das Verstehen der komplexen Produktionsprozesse war der entscheidende Faktor, um die geforderte Qualität zu erreichen. Auch aus diesem Grund werden zwischen Caverion und Anlagenservice weiterhin regelmäßige Termine stattfinden. Hier werden unter anderem Auswertungen von Störmeldungen und die Terminierung von Instandhaltungsmaßnahmen besprochen.

Die Abstimmung von Wartungsterminen erfolgt zum einem über SAP, zum anderen zwischen den Fachverantwortlichen der Gewerke und dem Anlagenservice. Hier tritt eine besondere Konstellation ein: es treffen der Gewerkeverantwortliche der MTU,  der Fachverantwortliche von Caverion, ein Vertreter des Anlagenservice-Dienstleisters und der jeweils Verantwortliche des einzelnen Produktionsbereiches aufeinander.

Um in der Implementierungsphase eine geregelte Abstimmung zu ermöglichen, wurden gemeinsam Kommunikationsprozesse erarbeitet und entsprechende Verantwortliche benannt. So entstan­den in dieser Phase Kommunikations-Charts, die in der Betriebsphase entscheidend sind.

Erfahrungen

Die Implementierungsphase zwischen Juli und Dezember 2014 war eine wegweisende Phase, um den Start des Betriebs zum Jahresbeginn 2015 vorzubereiten. Eine der größten Herausforderungen dabei war es sicherlich, die nötige Orts- und Anlagenkenntnis zu erlangen um einen Betrieb ermöglichen zu können. Die Mitarbeiter des Dienstleisters waren frühzeitig am Standort und konnten sich so mit den Gegebenheiten auseinandersetzen und sich eingewöhnen. In diesem Zeitraum lernten sich Auftraggeber und Auftragnehmer kennen und erarbeiten täglich Themen für die Einarbeitung. Während dieses Zeitraums wurden auch die Verantwortungsbereiche bis zur Medienübergabe und die Beteiligten im Entscheidungsprozess der gesamten Betriebsführung festgelegt. Probleme konnten frühzeitig entdeckt und geklärt werden. Die Erfahrungen aus diesen Monaten erleichtern nun den Ablauf in der Betriebsphase.

Die Kommunikation in den täglichen Besprechungen ist ein entscheidender Faktor, um ein gemeinsames Verständnis für das Betreiben zu erarbeiten. Die klare Struktur und Festlegung von kommunikativen Schnittstellen macht es den handelnden Personen möglich, in ihrem Verantwortungsbereich notwendige Entscheidungen schnell und auf guter Grundlage treffen zu können. Eine gute Erfahrung, die in weitere Bereiche und neue Projekte übernommen werden kann.

Die Größe des Werkes und die Komplexität der dort vorhandenen technischen Anlagen stellte jedoch die größte Herausforderung für alle handelnden Personen dar – eine anstrengende Erfahrung.

Schlussfolgerung

Die konsequente Festlegung der Schnittstellen in allen Bereichen – dem technischen und dem kommunikativen – hat die Grundlagen für einen reibungslosen Produktionsbetrieb gelegt. Die entscheidende Phase war sicherlich die Implementierung. Hier hat der Auftraggeber mit dem festgelegten Zeitraum von einem halben Jahr eine wichtige Größe geschaffen um sicher in den Betrieb starten zu können. Beiden Seiten hat es gezeigt, wie wichtig es ist, in der Vorbereitung von Projekten ausreichend Zeit zur Verfügung zu haben.

Die ausführliche Implementierungsphase und die intensive Kommunikation sind ein Erfolgsmodell, das bei anderen Projekten sicher wieder zum Zuge kommt.

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