So nutzen Sie die ökonomische und ökologische Komponenten des Facility Managements

Nachhaltiges Facility Management

Nach dem Thema „Energiemanagement“ erobert nun das Schlagwort „Nachhaltigkeit“ die Tagesordnungen von Immobilieninvestoren und Eigennutzern. Ob Modeerscheinung oder nicht – das haben insbesondere Rendite getriebene Immobilieninvestoren erkannt – Nachhaltigkeit führt nicht nur dazu, das Mitniveau steigern zu können, sondern ermöglicht insgesamt wirtschaftliches Handeln, schont gleichzeitig Ressourcen und die Umwelt, und stellt langfristig wirtschaftlichen Erfolg sicher [7].

Zunächst ist das Thema „Nachhaltigkeit“ mit der Bauwerkserrichtung und der Revitalisierung/Modernisierung verbunden. Ausgehend von international etablierten Zertifikaten wie LEED [1] und BREEAM [2] hat die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen mit eigenem Label mittlerweile in einer dritten Runde Neubauprojekte auch über den deutschen Standard zertifiziert und die entsprechenden Anforderungen an die Bereiche

 Ökologische Qualität (Schutz der Umwelt, Schonung der natürlichen Ressourcen)

 Ökonomische Qualität (Senkung der Lebenszykluskosten, Erhalt der ökonomischen Werte)

 Soziokulturelle und funktionale Qualität (Sicherung von Gesundheit und Behaglichkeit im Gebäude, Menschengerechtes Umfeld, Erhalt sozialer und kultureller Werte)

 Querschnittskriterien: Technische Qualität, Prozessqualität, Standortqualität fixiert [3].

Nachhaltiges FM setzt darüber hinaus an zwei Stellen an:

Erstens auf Basis der Anforderungen an den Betrieb und die Lebenszykluskosten inklusive der Energieeffizienz, die im Rahmen des Neubaus definiert, und dann im Betrieb durch das Facility Management umgesetzt werden müssen. Dazu ist beispielsweise die Fortführung des in der Planung vorgezeichneten Energiemonitorings erforderlich und der Betrieb entsprechend den Kriteriensteckbriefen der DGNB zu führen [6].

Zweitens beim gewöhnlichen Betrieb ­einer üblichen Durchschnittsimmobilie. Und dies ist zu bedenken: Die meisten Immobilien sind Bestandsgebäude mit durchschnittlichem Standard und sind nicht „Green Building“ zertifiziert.

 

Wo kann man ansetzen?

An vielerlei Stellen, denn in allen Disziplinen des Facility Managements [4], wie beispielsweise der Wartung, der Reinigung oder einfach nur der Hausdienste, sind Nachhaltigkeitskriterien anwendbar, die über das reine Energiemanagement hinaus gehen.

Erste FM-Dienstleister haben entsprechende Ansätze bereits in ihr Leistungsspektrum integriert. So hat zum Beispiel die RGM Gebäudemanagement GmbH ihr vorhandenes Know-how für nachhaltiges Facility Management und dessen ökologischen, ökonomischen und sozio-kulturellen Komponenten unter der Dachmarke REAL GREEN verbunden und macht so die zugehörigen Leistungen im Rahmen des nachhaltigen Facility Managements am Markt verfügbar.

 

Einige Beispiele für Nachhaltigkeitsansätze

Wartung/Kleininstandsetzung [5]:

 Verwendung umweltverträglicher, abbaubarer Schmiermittel

 Anpassung von Inspektions- und Wartungsintervallen im Sinne einer optimalen Betriebsstabilität zur Minimierung des CO2 – Ausstoßes und für einen optimalen Werterhalt

 Vorausschauende oder prospektive Instandhaltungsstrategie / Inspektionsstrategie

 Verwendung von energieeffizienten Filtern

 Verwendung energieeffizienter Pumpentechnik

 etc.

Reinigung / Entsorgung:

 Verwendung umweltverträglicher, ökologisch abbaubarer Reinigungsmittel

 Optimierung von Reinigungsintervallen und -intensitäten auf das nötige Maß

 Reduzierung des Wasserverbrauchs

 Minimierung des Abfallaufkommens und Einführung einer geeigneten Mülltrennung

 etc.

Für die Instandsetzung, Umbauten und Modernisierungen können die gleichen Kriterien herangezogen werden wie für den Neubau:

 Welche Materialien werden genutzt?

 Weisen die umgebauten Flächen die nötige Flexibilität für die Nutzer aus?

 Sind die Flächen und Einbauten sowie die technische Ausführung behindertengerecht?

 Können soziokulturelle Aspekte verbessert werden (Umkleidemöglichkeiten und Duschen für Mitarbeiter, bewachte Fahrradunterbringung etc.)?

Grundsätze der Nachhaltigkeit können aber nicht nur technische, sondern ebenso kaufmännische Prozesse betreffen und optimieren helfen. So lässt sich im Rahmen des Property Managements eine nachhaltige Management Strategie verfolgen, die gezielt auf langfristigen Werterhalt und ggf. -steigerung bei stabiler laufender Rendite abhebt. Dies kann insbesondere bei der Bilanzierung nach IFRS vorteilhaft sein. Hier wird der bilanzielle Wert von Anlageimmobilien mit dem Marktwert bewertet. Eine entspre­­chende Steuerung erfolgt dabei durch die strategische Budgetplanung für die Instandhaltung inklusive einer laufenden Risikobetrachtung. Einige FM-Dienstleister haben mit entsprechenden Ansätzen diesen Grundgedanken bereits im Rahmen von Produkten für notleidende Immobilien Rechnung getragen. Hier, und im Rahmen der aktuellen Immobilienkrise zeigt sich, wie wichtig nachhaltiges Handeln gerade im kaufmännischen Bereich ist. 


Fazit

Durch die gezeigten Beispiele wird deutlich, dass das Facility Management mit ganzheitlichem Blick auf den Lebenszyklus von Immobilien prädestiniert ist, Nachhaltigkeit nicht nur punktuell zu schaffen, sondern langfristig sicher zu stellen. Dies gilt für Eigennutzer ebenso wie für Immobilieninvestoren, für die sich durch die Integration von Nachhaltigkeitsaspekten Vorteile im Bezug auf die jeweilige Zielsetzung ergeben. Immobilieneigentümer können daher nur ermutigt werden, sich mit den Grundsätzen der Nachhaltigkeit und den bereits dazu definierten Kriterien zu beschäftigen und am Markt nachzufragen, da die entsprechende Anwendung nicht nur der Umwelt hilft, sondern ebenso wirtschaftlich sinnvoll ist.

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