Wisag Nachhaltigkeitsradar 2013 – Teil 2

Gemeinsam neue Wege gehen

Nachhaltige FM-Dienstleistungen stecken in einem engen Kostenkorsett: 5 bis 10 % finanziellen Mehraufwand dürfen sie mit sich bringen – mehr würde die Mehrheit der Kunden laut Wisag Nachhaltigkeitsradar 2013 nicht akzeptieren. Zugleich müssen sich Investitionen in Nachhaltigkeit aus Sicht der Befragten immer schneller rechnen und vor allem der strategischen Entwicklung der Immobilie dienen. Kunden erkennen dabei den Stellenwert von Expertenrat und Dialog mit dem FM-Dienstleister, doch bei ihren Entscheidungen in der Praxis gehen sie diesen gemeinsamen Weg bislang noch selten.

Auf der diesjährigen FM-Messe stellte die Wisag Facility Service Holding GmbH & Co. KG den zweiten Teil der Ergebnisse ihrer Onlinestudie vor.

Wie entwickelt sich die Bereitschaft zur Investition in nachhaltige Immobilien und Immobiliendienstleistungen?

Dieser Fragestellung widmete sich der zweite und abschließende Teil des Wisag Nachhaltigkeitsradars 2013. Die jährlich durchgeführte Onlinebefragung richtete sich 2013 an 1750 Führungskräfte und Experten aus der Immobilienwirtschaft; rund 200 Verantwortliche nahmen daran teil. Der erste, bereits im Herbst 2013 veröffentlichte Teil der Studie beleuchtete das Thema „Position des FM-Dienstleisters als strategische Ressource“ und zeigte den deutlichen Wunsch der Kunden nach mehr Austausch und Dialog – den sie im Alltag allerdings meist noch nicht verwirklichen.

2013 hat sich der Kostendruck weiter verschärft. Auftraggeber erwarten von FM-Dienstleistern bei Investitionen und Maßnahmen, auch für einen nachhaltigen Immobilienbetrieb, kurze Amortisationszyklen – dieser Einschätzung stimmten die Befragten weitaus deutlicher zu als noch in den Vorjahren. Auf einer Skala von 1 (ja) bis 5 (nein) lag der Wert 2013 bei 1,95 (im Vergleich zu 3,05 im Jahr 2011). Expertenwissen soll sich also rasch auszahlen. Zugleich sind aber laut Studie monetäre Vorteile für Kunden häufig schwer nachzuvollziehen. „Die Frage nach Lösungen wird drängender“, sagt Ralf Hempel, Vorsitzender der Geschäftsführung der Wisag Facility Service Holding. „Die Kunden erkennen die hohe Komplexität des Themas und wünschen sich Unterstützung durch den FM-Dienstleister, aber gleichzeitig ist das Kostenkorsett eng geschnürt.“ So liegt der akzeptable Mehraufwand für nachhaltige FM-Dienstleistungen für etwas mehr als die Hälfte der Kunden bei fünf bis 10 %. Andererseits erfordert die Bereitstellung von Fachwissen, etwa um Impulse bei der nachhaltigen Bewirtschaftung zu geben oder Potenziale zur Kostenoptimierung herauszuarbeiten, jedoch Investitionen. „Unsere Studie offenbart das Spannungsfeld, in dem wir uns derzeit gemeinsam mit den Kunden befinden: Kostendruck einerseits, aber andererseits auch die große Notwendigkeit, neue, strategisch tragfähige Lösungen zu finden“, so Hempel. Ein Dilemma? Nicht unbedingt: Die Protagonisten sind durchaus bereit, sich zu bewegen. Cashflowminderungen werden aus Sicht der Studienteilnehmer hingenommen, wenn es der strategischen Entwicklung der Immobilie dient.

Doch auch jenseits strategischer Handlungsfelder gibt es Ansatzpunkte, die für Kunden und Dienstleister Potenziale bieten. Das größte Potenzial (Skala von 1 für außergewöhnlich bis 4 für kaum) für eine nachhaltige Ausrichtung von Immobilien sehen die Befragten in der Energieoptimierung (1,75).

Der Grad der in der Praxis schon erfolgten Umsetzung liegt aber laut Studie erst bei 2,30. An zweiter Stelle sehen die Verantwortlichen die nutzungsorientierte und bedarfsgerechte Steuerung von Gebäudetechnik (1,99), schon erreichter Umsetzungsgrad 2,69. Dicht dahinter folgt die Sammlung und Pflege von Objektdaten (2,39) mit einem Umsetzungsgrad von 2,84.

An diesen Stellen werden konkrete Ansatzpunkte deutlich, wie und wo sich die frühzeitige strategische Einbindung des FM-Dienstleisters lohnen kann. Denn aus dem bestehenden Delta zwischen Potenzial und Umsetzungsgrad erwachsen Chancen für Kunden und Dienstleister gleichermaßen.

Wenn wir den Wunsch nach Miteinander erfüllen, das darin liegende Poten­zial ausschöpfen und als echtes Team agieren, können wir die genannten Stellschrauben gemeinsam wirkungsvoll bewegen“, erklärt Ralf Hempel.

Der Effekt: Bislang noch schlummernde Potenziale lassen sich so erfolgreich aktivieren sowie langfristig steuern und zahlen sich strategisch aus.

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