FACILITY MANAGEMENT im Interview

Smarte Lichtlösung für eine optimierte Arbeitsplatzumgebung waren gesucht: In dem Pilotprojekt gemeinsam mit Nestlé in Vevey prüften die Experten von Zumtobel Group Services wie man die Arbeitsplatzumgebung verbessern kann. Im Interview erläutert Georg Terlecki-Zaniewicz, Project Manager IoT bei Zumtobel Group Services wie hier Gebäudetech und -automation sowie Internet zusammenwachsen.

Wie ist es zu diesem Pilot­projekt gekommen?

Terlecki-Zaniewicz: Nestlé hat sich an uns gewandt, um eine mögliche Unterstützung bei ihrem Arbeitsplatzkonzept zu erörtern. Ihre Vi­sion, unsere Ideen und der gemeinsame Ansporn, neue Lösungen zu finden, passten perfekt zusammen. So starteten wir ein so genanntes Proof-of-Concept-Projekt, in dem wir eine innovative Beleuchtungslösung entwickelt haben, die über eine Dauer von rund vier Monaten im Nestlé Office getestet wurde. Neben dem Nestlé-Projekt erforschen wir bei der Zumtobel Group kontinuierlich neue wertsteigernde Anwendungsfälle für ­Digital Services im
Büro-Sektor. Ge­mein­sam mit führenden Kunden ­validiert ein engagiertes Team Anwen­dungs­fälle, die weit über das reine Beleuchtungsthema hinaus gehen.

Stichwort Flächeneffizienz: Gibt es hier nach dem erfolgreichen Pilotprojekt Ansätze Büroflächen weiter zu optimieren bzw. zu verringern?

Nestlé ist ein innovativer Kunde, mit dem wir daher gerne zusammenarbeiten. Aufgeschlossen für neue Technologien und Ideen haben sie bereits ein sehr gut funktionierendes flexibles Arbeitsplatzkonzept eingeführt. Im Rahmen unseres Proof-of-Concept-Projekts konnten wir unter anderem die Raumnutzung detailliert analysieren. Die Ergebnisse unseres Projekts schufen völlig neue Erkenntnisse für Nestlé, und zwar quantitative Informationen über Raumnutzung, Luftqualität und Lärmpegel. So konnten wir für das bereits existierende flexible Arbeitsplatzkonzept Verbesserungspotenziale identifizieren – zur weiteren Optimierung der Flächennutzung und zur Steigerung der Produkti-vität und Zufriedenheit der Mitarbeiter. ­
Unsere Schlussfolgerungen und Empfehlungen haben wir mit Nestlé geteilt und diskutiert. Nestlé entscheidet nun, ob und wie sie die neuen Kenntnisse für Verbesserungsmaßnahmen einsetzen.

Wie haben die Mitarbeiter das Projekt bewertet?

Im Laufe des Projekts waren Büroangestellte nur eine von mehreren Stakeholder-Gruppen. Neben den Mitarbeitern haben wir eng mit den Teams aus den ­Bereichen Facility, Space & Change Management zusammengearbeitet. Letztere vertreten auch die Interessen der Büroangestellten. Ihre Aufgabe ist es, eine Büroumgebung zu schaffen, in der Kollegen zufrieden und produktiv arbeiten können.

Vor unserem Projekt wurden in einer Umfrage die wichtigsten Herausforderungen aus Sicht der Büroanwender gesammelt und anschließend priorisiert. Ergänzend wurden formelle und informelle Interviews mit Bürobenutzern und anderen wichtigen Stakeholdern ­geführt. Allein die Space- und Change-Manager haben unsere Auswertungen erhalten, da sie über die Verbesserungsmaßnahmen entscheiden. Sie haben sich besonders für die Erkenntnisse und Ergebnisse interessiert, weil sie so zum ersten Mal quantitative Einblicke in die Raumnutzung erhielten: Wir identifizierten mehrere Verbesserungspotenziale, so zum Beispiel ineffizient genutzte Schreibtische, ein ungünstiges Bürolayout, hohen Lärmpegel in einigen Bereichen, keine proaktive Steuerung von ­Belegungsspitzen oder Luftqualitätsanomalien. Das Feedback war insgesamt sehr positiv.

Welche technischen Voraussetzungen sollten Planer ­berücksichtigen, wenn die Beleuchtung mit Sensoren ausgestattet wird, um damit weitere Dienstleistungen im Büro zu verbinden?

Die Idee, Sensoren mit der Beleuchtung zu verbinden, gibt es schon seit einigen Jahren. Vor Jahrzehnten haben Leuchtenhersteller bereits damit begonnen, Bewegungsmelder in Leuchten zu integrieren. Die Sensoren wurden nur zum Ein- und Ausschalten des Lichts verwendet und speziell für Beleuchtungsanlagen entwickelt. Neue fortschrittliche Technologien und das zunehmende ­Interesse an der ­Gestaltung nutzerorientierter und kosteneffizienter Büroflächen lassen Gebäudeplaner und -be­trei­ber verstärkt über das große Potenzial von Synergien zwischen verschiedenen Gebäudesystemen nachdenken.

Die Lichtinfrastruktur wird als ideale Plattform gesehen, um Datenkonnektivität und Stromversorgung für Sensoren und Geräte – auch jenseits der Steuerung von Licht – bereitzustellen. Warum? Die Beleuchtung hat eine hohe Granularität an möglichen „Andockstationen“, die in der Regel in der Nähe von Nutzern liegen und einen bestehenden Anschluss an die Stromversorgung sowie potentiell an das Internet haben.

Eine Grundvoraussetzung ist, dass integrierte Sensoren auch zuverlässige Daten liefern – insbesondere verlässliche Luftqualitätsdaten. Wir haben in diesem ­Bereich umfassendes Wissen aufgebaut und im Rahmen des Proof-of-Concept-Projekts bewiesen, dass Zumtobel Group Services Umgebungs- und Raumnutzungsdaten sehr zuverlässig bereitstellen kann.

Für TGA-Planer bedeutet es, zu berücksichtigen, dass Sensoren in Leuchten ein großes Potenzial mit sich bringen, um die Effizienz des Planungs-, Installations- und Wartungsprozesses für inte­grierte ­Lösungen zu verbessern. In ein Beleuchtungssystem integrierte Sensoren erfassen Rohdaten. Diese Rohdaten werden von Zumtobel Group Services verarbeitet und über verschiedene Schnittstellen an Dritte weitergegeben – sowohl lokal (z.B. über BACNET) als auch online (z.B. über REST API). So können Facility Manager die relevanten Daten (z.B. Tem­peratur, ­relative Luftfeuchtigkeit, CO2, VOC, ­Bele­gungs­­informationen) für die HLK-An­lage nutzen und so ­die Betriebszyklen ­opti­mieren sowie die Luftqualität für Büro­anwender verbessern.

Schauen wir auf die Nutzerseite. Bekommen wir den ­gläsernen Mitarbeiter? Oder wird technisch dafür Vorsorge getroffen, dass nur notwendige Betriebsdaten gespeichert werden?

Datenschutz und Datensicherheit haben für die Zumtobel Gruppe einen sehr hohen Stellenwert. Im Proof-of-Concept-Projekt bei Nestlé ist es rein technisch unmöglich, persönliche Informationen durch die verwendeten Sensoren zu erkennen. Beispielsweise können unsere Präsenzmelder nur Informationen über die Tischnutzung (ja oder nein) erfassen, nicht aber personenbezogene Daten ermitteln.  Der Zugriff auf die gesammelten und ­verarbeiteten Daten ist auf mehreren Ebenen und in Übereinstimmung mit den einschlägigen Gesetzen und Vorschriften, einschließlich der DSGVO, gesichert. Der Kunde ist Eigentümer der gesammelten Daten an seinem Standort, Zumtobel Group Services fungiert rein als Daten-Verarbeiter. 

Künftig könnten über das Licht auch noch Internetdienste in Form von Visible Light Communication (VLC) angeboten werden. Man spricht schon von LiFi, dass das WiFi ablösen könnte. Gibt es auch in dieser Richtung Entwicklungen?

Zumtobel Group Services beobachtet, ­­testet und bewertet laufend neue Technologien, darunter auch LiFi und VLC. Grundsätzlich richten sich unsere Innovations­aktivitäten vor allem nach den Bedürfnissen der Kunden und Anwendern. Deshalb bewerten wir die Attraktivität und den potenziellen Nutzen neuer Technologien stets in einem anwendungsrelevanten Kontext. Die genannten Technologien sind aus technischer Sicht spannend. Aus Kundensicht scheinen derzeit allerdings alternative Technologien besser geeignet, um einfache Lösungen zu entwickeln, die den heutigen Anforderungen und der Zahlungsbereitschaft entsprechen.

Wenn ja, wachsen an dieser Stelle Gebäudetechnik und -automation sowie Internet zusammen?

Viele Kunden wünschen nach wie vor eine klare Trennung der IT- (Informationstechnologie) und der OT- (Betriebstechnik) Infrastruktur innerhalb eines Ge­­bäudes. Ein Grund dafür ist folgender: Eine Verschmelzung von Gebäudesystemen und IT-Netzwerken verändert die bestehenden Planungs-, Installations-, Betriebs- und Instandhaltungsprozesse radikal. Es besteht aber kein Zweifel, dass eine einheitliche Infrastruktur für IT und OT viele Synergien schafft und große Chancen für wirklich intelligente Gebäude eröffnet. Eine vollständige und skalierbare Umsetzung dieser spannenden Vision erfordert aber erhebliche Anstrengungen und branchenweite Kooperationen über verschiedene Betriebs- und Informationssysteme hinweg.

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