Im Gespräch mit Dirk Otto
Seit vielen Jahren prägt Dirk Otto die Arbeit von RealFM, seit 2018 als Präsident des Berufsverbands. Im Interview blickt er auf zwei Jahrzehnte Verbandsarbeit zurück, spricht über den Wandel vom analogen Netzwerk zur digital vernetzten Community und darüber, warum persönlicher Austausch, Wissenstransfer und ein gemeinsames Verständnis von Facility Management bis heute den Kern von RealFM ausmachen.
Seit wann sind Sie Mitglied im Verband?
Ich bin bereits seit vielen Jahren im Verband engagiert, zunächst als reguläres Mitglied und auch schon im Vorgängerverband. Später wurde ich zum Leiter des Arbeitskreises Instandhaltung berufen, ein Themenfeld, das mich fachlich bis heute prägt. Im Anschluss übernahm ich die Leitung der Programmkommission. Seit 2018 darf ich RealFM e. V. als Präsident vertreten.
Welches Ereignis oder welche Begegnung innerhalb des Verbands ist Ihnen bis heute besonders lebendig in Erinnerung geblieben?
RealFM hat mich in den vergangenen zwei Jahrzehnten fachlich und persönlich stark geprägt. Ich habe viel gelernt, wertvolle Impulse erhalten und außergewöhnlich engagierte Persönlichkeiten kennengelernt. Wenn ich auf die Verbandsarbeit zurückblicke, steht für mich vor allem der kontinuierliche Wissenstransfer im Mittelpunkt. Wir haben früh Positionspapiere, Leitfäden und fachliche Impulse veröffentlicht, lange bevor Begriffe wie „Influencer“, Social Media oder Künstliche Intelligenz unseren Kommunikationsalltag bestimmt haben. Der Anspruch war damals wie heute: relevante Themen nicht nur zu diskutieren, sondern aktiv in die Branche zu tragen und gemeinsam weiterzuentwickeln.
Wenn Sie die FM-Welt von vor 20 Jahren mit der heutigen vergleichen – wie war sie damals, und was ist die positivste Veränderung, die Sie durch RealFM miterlebt haben?
Zur Gründungszeit 2005/2006 war die FM-Welt deutlich analoger geprägt. Digitalisierung, LinkedIn und Social Media spielten praktisch keine Rolle; Netzwerke wurden vielfach über persönliche Kontakte und Excel-Listen gepflegt. Unser Gründungspräsident Géza-Richard Horn hatte damals die klare Vision, Real Estate und Facility Manager enger miteinander zu vernetzen. Für Mitglieder bot RealFM damit Zugang zu einem fachlichen Netzwerk, das in dieser Form kaum an anderer Stelle verfügbar war. Heute sind die Möglichkeiten der Vernetzung digitaler und vielfältiger. Aber der persönliche Austausch bleibt ein zentraler Bestandteil des Verbandslebens. Die positivste Entwicklung sehe ich darin, dass Real Estate und Facility Management heute auf Geschäftsführungs- und Vorstandsebene deutlich stärker wahrgenommen werden. Nachhaltigkeit, New Work und Resilienz sind strategische Top-Management-Themen geworden, und viele davon sind eng mit unserem Berufsstand verbunden.
RealFM wird oft als „Familie“ oder enges Netzwerk beschrieben. Gibt es eine persönliche Verbindung, die weit über das Berufliche hinaus entstanden ist?
Ja, absolut. Wenn Menschen über viele Jahre intensiv zusammenarbeiten, erleben sie gemeinsam Erfolge, Herausforderungen und auch schwierige Phasen, sei es in Projekten, Arbeitskreisen oder Vorstandssitzungen. Solche Erfahrungen schaffen Vertrauen und verbinden. Daraus sind über die Jahre zahlreiche persönliche Beziehungen und echte Freundschaften entstanden, ohne dass dies jemals geplant gewesen wäre.
Welches Wort beschreibt für Sie das „RealFM-Gefühl“ am besten?
Gemeinsam. Oder, etwas weiter gefasst: Wir gemeinsam für Facility Management.
Inwiefern hat die Mitgliedschaft im Verband Ihnen geholfen, Trends frühzeitig zu erkennen und im eigenen Arbeitsleben umzusetzen?
Ein Verband wie RealFM hat aus meiner Sicht genau diese Aufgabe: Er hilft seinen Mitgliedern, Entwicklungen frühzeitig einzuordnen und daraus Orientierung für die eigene Praxis abzuleiten. Wir schauen kontinuierlich nach vorne: Welche Trends entstehen? Wo stehen unsere Mitglieder vor konkreten Herausforderungen? Und wo eröffnen sich daraus neue Lösungen und Chancen? Dieses vorausschauende Denken ist für mich immer wieder ein wertvoller Impuls. Der Austausch mit fachlich starken Menschen in der Community hilft, Themen früher zu erkennen und einen Schritt vorauszudenken.
Wenn Sie auf das Gründungsjahr zurückblicken – was würde das Gründungsteam wohl heute am meisten am „modernen“ RealFM überraschen?
Ich vermute, dass vor allem die Geschwindigkeit und Tiefe der Digitalisierung überraschen würden. 2005/2006 war vieles, was heute selbstverständlich ist, noch nicht absehbar. Gleichzeitig bin ich überzeugt, dass die Gründungsväter mit Stolz sehen würden, wie weit ihre damalige Vision getragen hat: Real Estate und Facility Management haben heute deutlich mehr strategische Sichtbarkeit und sind in vielen Unternehmen auf Geschäftsführungs- und Vorstandsebene angekommen.
