CSMM

Zukunft der Arbeit: Home und Office

Nach einem Jahr im Homeoffice offenbart es sich immer mehr, dass die Arbeit von Zuhause den Arbeitnehmern nicht nur Vorteile bringt. Im Gegenteil: Mit zunehmender Dauer der Pandemie sehnen sich die Menschen nach dem Büro zurück. Die Unternehmen planen für die Zukunft weiter mit Büroflächen – jedoch in neuem Gewand und mit neuen Ansprüchen an die Arbeitswelt.

Nach mehr als einem Jahr Homeoffice und diversen Lockdowns steht für Timo Brehme, Geschäftsführer des Architektur- und Beratungsunternehmens CSMM, fest: „Auch wenn sich ein wichtiger Teil der Arbeitsleistung im Homeoffice gut erbringen lässt, funktioniert vieles andere nur zusammen. Viele Menschen vermissen die Interaktion. Gleichzeitig zeigen Studien, dass das ausschließliche Arbeiten im Homeoffice immer öfter negative Auswirkungen auf die Gesundheit hat. Deshalb sind wir überzeugt, dass sich Rolle und Bedeutung des Büros in Zukunft grundsätzlich ändern werden und es nicht mehr nur als Ort fungiert, an dem Mitarbeitende ihre täglichen Routineprozesse abarbeiten. Stattdessen wird sich das gemeinsame Büro durch die Pandemie noch schneller zu einem Hub & Home entwickeln.“ Die Entscheidung der Zukunft wird deshalb nicht zwischen Home und Office fallen müssen. Die Zukunft der Arbeit und des Arbeitsplatzes wird in der kreativen Ausarbeitung einer Hybridlösung bestehen, wo das Homeoffice als sinnvolle Ergänzung funktionieren kann.

Bereits zu Beginn der neuen Dekade hatte CSMM das Ende des klassischen Büros prognostiziert und einen fundamentalen Wandel vom Notwendigkeits- hin zum sogenannten Möglichkeitsraum gefordert. Zu einer Vision vom neuen Arbeiten, die mehr Platz für Empathie, Kreativität und Erfindergeist bietet. Gerade um wettbewerbsfähig zu sein, sollten neue Innovationsräume geschaffen werden. „Der Mensch als soziales Wesen sehnt sich in der Arbeitswelt nach einem Ort, der Identifikation stiftet. Eine inspirierende Arbeitsumgebung dient als emotionales Bindemittel ans Unternehmen und steigert das Wohlbefinden“, erklärt Arbeitswelt- und Architekturexperte Brehme. Und erhält dabei Rückendeckung von immer mehr aktuellen Studien.


Kein Vorteil ohne Nachteil – Gewinner und Verlierer

Eine ifo-Studie vom März dieses Jahres unterstreicht mit einer Homeoffice-Quote von rund 30 Prozent zwar, dass Arbeit zu Hause relativ gut funktionieren kann und Arbeitnehmern einen höheren Grad an Flexibilität verschafft. Untersuchungen zeigen jedoch auch, dass der heimische Arbeitsplatz auf Dauer müde und antriebslos machen kann. Laut einer Studie zur Belastung von Büroangestellten unter 1.000 Arbeitnehmern in Deutschland, die seit mindestens vier Monaten von zu Hause arbeiten, klagen Befragte verstärkt über physische Probleme wie Rücken-, Kopf- und Nackenschmerzen. Viele Arbeitnehmer spüren zudem einen Anstieg der psychischen Belastung. Mehrere Studien weisen deshalb auch einen Gegentrend aus, nach dem für viele der Gewinn von mehr Flexibilität mit gesundheitlichen Problemen und dem Verlust des sozialen Arbeitsumfeldes zu hoch bezahlt ist.

Laut Nicola Bötsch, Architekturspezialistin für Energieeffizientes und nachhaltiges Bauen bei CSMM erschwert das Homeoffice schlechter gestellten Mitarbeitenden das Leben nochmals. Denn nicht jeder hat eigenen Raum mit entsprechender Ausstattung zum Arbeiten. „Aber es sollte wirklich immer individuell und freiwillig gestaltet werden. Eine Pflicht zum Homeoffice sollte es nicht geben,“ meint Bötsch. Der Hans-Böckler-Stiftung zufolge wünscht sich mehr als die Hälfte der Befragten deshalb eine Rückkehr ins Büro, wenn die Pandemie vorüber ist. Im globalen Kontext spricht eine Studie sogar von 85 Prozent, die nach der Pandemie wieder in die Büros zurückkehren und dort den sozialen Aspekt ihres Arbeitslebens wieder aufnehmen wollen. Kerstin Littel, Architektin und Projektleiterin bei CSMM bewertet das Arbeiten zu Hause aus unterschiedlichen Blickwinkeln: „Im Homeoffice bin ich doppelt so produktiv, aber auch halb so kommunikativ. Meine Wohn- und Lebenssituation passt dazu ideal, denn ich muss mich um niemanden kümmern. Dafür fällt die soziale Komponente komplett weg und ich kenne die neuen Kollegen nicht mehr.“

Fazit: Büro braucht mehr Raum für Innovation

Die Pandemie hat mit hohen Anforderungen an die Flexibilität von Unternehmen und Mitarbeitern bewiesen, dass Homeoffice durchaus als Funktionsraum möglich ist. Das vergangene Ausnahme-Jahr hat aber auch aufgezeigt, wo die Probleme liegen. Einer Umfrage des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) zu Folge, bereiten sich aktuell etwa zwei Drittel der Unternehmen auf eine Zukunft mit neuen Homeoffice-Regelungen vor, nur sechs Prozent können sich eine Verkleinerung ihrer Büroflächen vorstellen. Wettbewerbsfähige Unternehmen müssen jetzt umdenken und den reinen Funktionsraum zum Möglichkeitsraum umgestalten. Für Timo Brehme steht fest: „Die Entwicklung vom Großraumbüro zum flexiblen Multispace als Möglichkeitsraum wird die Bürolandschaft in Zukunft prägen.“ Ein Möglichkeitsraum, der unser Denken, Kommunikation und unsere Kreativität auf eine neue Art und Weise zu beflügeln im Stande ist. Immer im Fokus: Mehr Raum für den persönlichen Austausch. „Mitarbeiter mit einem gesunden Arbeitsumfeld sind der Schlüssel für ein erfolgreiches Unternehmen. Gewinner sind alle, die das Wertschöpfungspotenzial ihrer Mitarbeiter erkennen und fördern – und die technischen und räumlichen Voraussetzungen für gesundes Arbeiten schaffen“, so Timo Brehme. Während die Flächen für persönlich zugeordnete Schreibtischplätze schrumpfen und durch Wechselarbeitsplätze ersetzt werden, wachsen die Flächen und Räume für Kommunikation und Innovation. Eine auf Gemeinschaftlichkeit ausgelegte Bürokultur einerseits – und eine höhere Flexibilität an Homeoffice-Zeiten andererseits – schaffen Identifikation mit dem Unternehmen. Timo Brehme fasst zusammen: „Die Gelegenheit, das Büro der Zukunft neu zu denken, ist jetzt günstig wie nie.“

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