Zukunftsfähige Personalentwicklung – aber wie?

Fabrikreinigung

Trotz des eminenten Stellenwerts von Digitalisierung und Automation in zukunftsfähigen Konzepten der Gebäudereinigung bleibt auf absehbare Zeit die personelle Leistung im ­Kolonnendienst unabdingbare Voraussetzung exzellenter Sauberkeitsstandards. Dies gilt ­insbesondere für das vielfältige Gewerk der Hallenreinigung in industriellen Produktions- ­und Logistikstätten.

Mit der selektiven Erweiterung des herkömmlichen Arbeitskontingents um Servicefunktionen für gebäudetechnische Ausrüstungen und Maschinenpark entwickelt sich die Reinigungskolonne faktisch zu einer Unterhaltsgruppe für die betriebliche Infrastruktur. Grund genug, Kompetenz und Motivation der Mitarbeiter auf Exzellenzniveau zu verankern.

Hochklassige Personalproduktivität beruht wesentlich auf präziser, ergebnisorientierter Arbeitsplanung. Diese ist nicht nur bei der Entwicklung und Einführung neuer Reinigungsmaßnahmen erforderlich, sondern auch im Rahmen des kontinuierlichen Verbesserungsprozesses sowie bei Rationalisierungskampagnen. In allen Fällen empfiehlt sich ein systematisches Prozedere, das je nach Planungsanlass auf folgende konzeptionelle Schritte abstellt:

Fixierung der Reinigungsmaßnahmen nach Objekt, Verfahren und Turnus

Prozessoptimierung mit Spezifizierung von Equipment, Verbrauchs­material und Handling

Feingliederung des Arbeitspensums und dessen Umsetzung in Arbeits­anweisungen

zeitwirtschaftliche Beplanung sämt­licher Tätigkeiten mit Ableitung des Personalbedarfs

Aufgabenteilung, Stellenbildung ­
und Organisationsgliederung des Kolonnendienstes

Konzeption des Workflow nach Maßgabe sicherer Servicequalität und hoher Effizienz

Nachweis der Arbeitsanforderungen sowie Fomulierung passgenauer Qualifikationsprofile

Eine Schlüsselposition fällt der konkreten Ausgestaltung der einzelnen Arbeitsplätze zu. Durch intelligente Kombina-tion von Aktivitäten zu ganzheitlichen, synergiestarken Aufgabenpaketen lässt sich sowohl die Produktivität als auch die Zufriedenheit der Beschäftigten steigern. Ein erfolgsorientiertes, auf Kompetenz und Eigenverantwortung basierendes Aufgabenprofil kann nachstehende Module umfassen:

Inspektion zur Beurteilung des ­Verschmutzungszustands

Wahl von Verfahren, Reinigungs-mitteln und Geräten

Bestimmung von Arbeitsablauf ­
und Prozessparametern

Routinewartung und Störungs­beseitigung am Gerät

Meldung technischer und organi­satorischer Probleme

Teilnahme an Vorschlagswesen ­
und Verbesserungsprozess

praktische Einweisung neu ein­gestellter Reinigungskräfte

Konsequent umgesetzt, trägt ein derart anspruchsvolles Pflichtenheft wesentlich dazu bei, Arbeitszeit und Sachressourcen zu sparen, die organisatorisch-technische Infrastruktur zu verschlanken sowie Rationalisierung und Innovation zu stimulieren.

Per Coaching Erfolgskurs halten

Unter den personalpolitischen Instrumenten, die auf Top-Performance des Reinigungsdienstes zielen, nimmt das Coaching die zentrale Stellung ein. Erfolgreiche Coaching-Konzepte orientieren sich streng am Schulungsbedarf, wie er aus Diskrepanzen zwischen tätigkeitsspezifischem Anforderungprofil und den bestehenden Qualifikationen resultiert. Unter dieser Prämisse wird man Inhalte und Methoden (Informationsmittel, Unterweisungsformen, Events etc.) sowie Intensität (Dauer und Häufigkeit von Schulungseinheiten) festlegen. Last, not least gilt es, das Zeitkontingent für Coach und Trainees zu kalkulieren, um die aufgewandte Personalkapazität und die implizierten Gemeinkosten im Griff zu behalten.

Eine maßgebliche Weichenstellung zu dauerhafter Arbeitszufriedenheit und erstklassigem Leistungsniveau erfolgt mit der systematischen Einarbeitung neuer Reinigungskräfte. Schlüsselmodule einschlägiger Instruktionsprogramme sind:

Darstellung und Begründung der gültigen Hygienestandards

Erläuterung der Reinigungsobjekte und ihrer Verschmutzungen

Erklärung des Reinigungsablaufs und der technischen Hilfsmittel

praktische Einübung des Umgangs mit Equipment 

Überwachung und Bewertung individueller Arbeitsergebnisse

Kritikgespräche und schwachstellenbezogene Nachschulungen.

Nach der Einarbeitungsphase hat das Coaching nicht nur das erreichte Kompetenzniveau zu stabilisieren, sondern auch die zunehmend wichtige Anpassungsqualifizierung hinsichtlich neuer Reinigungsobjekte, -vorschriften und -verfahren sicherzustellen. Als stärkste Herausforderung an das Personalmanagement gilt zurzeit die Zuweisung instandhaltungsorientierter Arbeiten an die Reinigungskolonne. Bereits die Übernahme der Maschinenreinigung (nicht selten inklusive anspruchsvoller De- und Remontagearbeiten), gegebenenfalls erweitert um einzelne Pflegemaßnahmen (Abdichten, Korrosionsbehandlungen, Ölservice etc.), stellt einen Quantensprung dar. Vielfach gewinnt das Tutorenkonzept Priorität: Jeder Neuling wird für die Einarbeitungsphase einem erfahrenen Kollegen als Hilfskraft zugeteilt, um durch Beobachtung und Assistenzarbeiten die Fähigkeit zur eigenständigen Betreuung des Aggregats zu entwickeln.

Leistungsfreundliches Arbeitsklima

Die Hauptgefahr für das Leistungsniveau von Reinigungskräften liegt in mangelndem Verständnis für den spezifischen Wertbeitrag der eigenen Arbeit. Gegen diese fatale Schwachstelle bewährt sich ein offensives Darstellungsprogramm, das den Nutzen adäquater Sauberkeit – und damit die Gefährdungspotenziale von Verschmutzungen – einprägsam verdeutlicht. Im Fokus steht der Zielkatalog der Werksreinigung.

Arbeitsschutz: Unfällen und sonstigen Gesundheitsrisiken von Mitarbeitern vorbeugen!

Qualitätsfähigkeit: Erzeugnisse und Einsatzmaterialien ­
vor Verschmutzung schützen!

Funktionssicherheit: Schmutzbedingte Störungen des ­Betriebsablaufs verhindern!

Werterhalt: Vorzeitigen Verschleiß von Gebäuden, ­Infrastruktur und Inventar ausschalten!

Betriebsklima: Zufriedenheit der Belegschaft durch ­gepflegtes Arbeitsumfeld fördern!

Image: Besuchern und Öffentlichkeit ein attraktives ­Erscheinungsbild des Betriebs bieten!

Anschaulich lassen sich diese Botschaften via Powerpoint- oder Folienpräsentation transportieren – sei es im Rahmen eines ­speziellen Schulungsmoduls oder bei den üblichen Mitarbeiterbesprechungen. Relevante Aspekte der Verschmutzungsproblematik sowie vorbildliche Reinigungsergebnisse und typische Qualitätsverstöße sollten durch Fotos dokumentiert werden. Vielfach bedeutet es für Reinigungskräfte ein eindrucksvolles Aha-Erlebnis, ihre Tätigkeit als integrales Element des Betriebsprozesses zu begreifen. Erst auf dieser Grundlage können Achtsamkeit, Engagement und nicht zuletzt die Lernbereitschaft nachhaltig gedeihen.

Als wertvolle Impulsgeber bestätigen sich soziale Events: Ein von der Firma finanziertes Arbeitsfrühstück oder der gemeinsame Fachmessebesuch festigen den kollegialen Zusammenhalt und regen bei entspanntem Gespräch so manche pragmatische Pro­blemlösung an. Auch ein plausibles, profilstarkes Abteilungsleitbild kann das Engagement erheblich fördern. Thematische Schwerpunkte sind die Ziele des Reinigungsdienstes sowie die produktiven Beiträge, die zur Realisierung des definierten Sauberkeitsgrads zu erbringen sind. Zudem werden Arbeitspensen, Leistungsanforderungen, Verhaltensregeln nachvollziehbar begründet – bester Nährboden zukunftsfähiger Servicementalität.

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