FACILITY MANAGEMENT im Interview mit Daikin-Geschäftsführer Gunther Gamst

Die Branche vernetzen, inspirieren und informieren

Die Firma Daikin ist als Hersteller von Kälte-, Klima-, Lüftungs- und Wärmepumpentechnik sicher den meisten TGA-Fachingenieuren bekannt. Nicht allen dürfte hingegen geläufig sein, in welchem Umfang sich Daikin bei diversen branchenübergreifenden Initiativen und Themen wie Klimaschutz, Energieeffizienz und Fachkräftemangel engagiert.

Herr Gamst, Daikin unterstützt u.a. die Stiftung 2°, die Allianz für GebäudeEnergie-Effizienz (geea), die Deutsche Unternehmens­initiative Energieeffizienz (DENEFF), die Innovation
City Ruhr, die Kampagne des BMWi „Deutschland macht’s effizient“ und den DGNB.
Außerdem haben Sie „FOR F.R.E.E. – Förderprojekt Regenerative Energie-Effizienz“ initiiert und die Ausbildungsinitiative N.I.K.K.I. mit ins Leben gerufen. Habe ich noch etwas vergessen? Was treibt einen Hersteller an, sich mit derart großem Aufwand bei so vielen Initiativen einzubringen, die ja z.T. branchenübergreifende und gesellschafts­politische Ziele verfolgen?

Gamst: Wir sind es den nachfolgenden Generationen schuldig, endlich zu handeln. Es gibt einfach keine Ausreden mehr. Der bereits deutlich mess- und spürbare Anstieg der Erderwärmung erfordert, dass wir etwas tun und die Kräfte gebündelt werden. Deshalb unser vielseitiges Engagement in den Verbänden und Organisationen, die Sie aufgezählt haben. Jedes Unternehmen ebenso wie jeder einzelne ist hier gefordert. Und auch die Politik. Auf sie nehmen wir nur Einfluss, wenn wir in Verbänden gut organisiert sind. Sie muss die erforderlichen gesetzlichen Rahmenbedingungen schaffen.

Deshalb ist die Unterstützung der Stiftung 2° sehr wichtig für uns. Gemeinsam mit anderen führenden deutschen Unternehmen wollen wir als starkes Netzwerk aufzeigen, wie konkrete Wege zur Erreichung des 2-Grad-Klimaziels aussehen können – und das branchenübergreifend. Wir müssen als Vorbild handeln: pro Klimaschutz und als Wirtschaftsmotor. Dafür waren wir als Stiftung 2° im November 2015 bei unserer Bundeskanzlerin Frau Merkel und sind im Train to Paris mit zur Klimaschutzkonferenz nach Paris gefahren.

Wie wichtig ist es, im Rahmen der diversen Aktivitäten die Daikin-Firmeninteressen wahr­zunehmen?

Gamst: Als Unternehmen tragen wir eine gesellschaftliche Verantwortung. Das ist auch in unserer Daikin-Philosophie fest verankert. Und wer wie wir in der Kälte-/Klimabranche tätig ist, muss dafür sorgen, dass unsere Technologien und Lösungen Gebäude energieeffizient, CO2-neutral und umweltfreundlich kühlen, beheizen und belüften. Unsere Aufgabe ist es auch, das Unternehmen zukunftsfähig aufzustellen und dazu gehören Klimaschutz, Energieeffizienz und Vorbildcharakter. Das ist der Weg von Daikin. Seit über 90 Jahren entwickeln und produzieren wir dafür hochwertige Klimaanlagen und Wärmepumpen für den Privatmarkt, Gewerbe und Industrie. Und seit Jahrzehnten nutzt Daikin die Wärmeenergie der Luft in seinen Wärmepumpen und Klimaanlagen. Denn Luft ist eine erneuerbare Energie und für jeden kostenlos verfügbar. Strategien und Technologien ändern sich ebenso wie Marktbegebenheiten. Darauf müssen wir vorbereitet sein und vorrauschauend planen und handeln. Gleichzeitig bietet das für unser Unternehmen aber auch riesige Chancen.

Und wie bewerten Sie das Engagement anderer Hersteller in der Branche in diesem Zusammenhang? Wünschen Sie sich hier mehr Unterstützung? Oder freuen Sie sich über das Alleinstellungsmerkmal?

Gamst: Es gibt Themen, da freue ich mich selbstverständlich über unser All-einstellungsmerkmal. Aber bei Themen wie Klimaschutz, politische Wende oder Fachkräftemangel würde ich mir mehr Zusammenarbeit, Interesse und Engagement wünschen. Klimaschutz ist ja nicht nur die Aufgabe von Daikin, jedes Unternehmen muss da aktiv sein. Ich gehe davon aus, dass jeder tut, was er kann, beziehungsweise dort aktiv ist, wo seine Prioritäten liegen. Und die von Daikin sind nun mal breiter gestreut. Dafür muss es dann auch Ressourcen im Unternehmen geben, um diese Themen professionell zu bearbeiten und zu verfolgen. Bei Daikin ist das der Fall und langfristig eine enorm wichtige Richtung.

Welche der genannten Initiativen liegen Ihnen denn persönlich besonders am Herzen?

Gamst: Es ist schwer, eine Rangfolge zu erstellen. Denn alle Initiativen oder Verbände haben andere Ansatzpunkte und verfolgen unterschiedliche Ziele sowie Themen. Sei es der Fachkräftemangel und das Nachwuchsproblem oder ein fehlender Schulterschluss deutscher Unternehmen in Sachen Energieeffizienz. Was für mich enorm wichtig ist, ist der Austausch über die Grenzen unseres Unternehmens hinweg mit anderen wie den Großkonzernen Otto Group oder der Deutschen Bahn. Die Lernkurve für uns ist da sehr groß.

Mit dem Symposium Leading Air Convention (LAC), das von Daikin im April 2016 bereits zum zweiten Mal organisiert wurde, haben Sie ein Netzwerk-Treffen für die gesamte Bau- und TGA-Branche geschaffen, bei dem sich Daikin auffällig im Hintergrund hält und namhaften Referenten – Highlights waren hier Prof. Dr. Klaus Töpfer im vergangenen Jahr oder jüngst der Automobilexperte Prof. Dr. Ferdinand Dudenhöffer – das Feld und die Aufmerksamkeit überlässt. Was ist die Motivation, ein derart aufwändiges und sicher auch teures Event zu organisieren?

Gamst: Wir wollten den Austausch unterschiedlicher Zielgruppen intensivieren, denn wir brauchen diese Vernetzung verschiedener Branchen. Dafür haben wir mehrere Veranstaltungen zu einer großen bei uns im Haus gebündelt. Zum anderen ermöglicht uns ein großes Event auch, renommierte und inspirierende Persönlichkeiten einzuladen und eine Plattform zu schaffen, die zur Diskussion genutzt wird. Sie haben Klaus Töpfer und Ferdinand Dudenhöffer bereits genannt. Hierbei geht es uns insbesondere darum, dass wir über den Tellerrand hinausschauen, von anderen lernen, die vor ähnlichen oder größeren Herausforderungen stehen wie unsere Branche. Von Prof. Dr. Dudenhöffer haben wir von Herausforderungen für die Automobilindustrie gehört, wie Klimaschutz, Energieeffizienz und Qualitätsanforderungen. Als Lösung nannte er insbesondere die Standardisierung in Kombination mit Flexibilität. Daraus können wir auch für unsere Branche etwas lernen und mitnehmen. Ein großes Problem ist die Situation, dass uns qualifizierte Leute fehlen werden, die hochkomplexe Systeme planen, bauen und warten. Die Installationsbetriebe haben schon heute Engpässe genügend Fachkräfte einzustellen. Auch das müssen wir als Hersteller erkennen und unsere Strategie entsprechend danach ausrichten.

Und im letzten Jahr brachte Prof. Töpfer einen entscheidenden Punkt auf: die Umkehr der Energiewende als Stromerzeugerwende hin zu mehr Aufklärung auf der Nachfrageseite. Solche Inhalte und Impulse sind es, die uns motivieren den Blick von uns weg auf andere Branchen, Sichtweisen und Ansatzpunkte zu lenken.

Wie bewerten Sie die LAC-Symposien rückblickend und wird es eine Fortsetzung geben?

Gamst: Unsere Bewertung fällt sehr positiv aus. Und ja, es wird die dritte LAC geben. Sie findet vom 5. bis 7. April 2017 statt, das Estrel Berlin ist bereits wieder gebucht. Wie gesagt, die LAC ist für uns ein Erfolgskonzept. Gleichzeitig gibt es immer etwas zu verbessern, um die Teilnehmer inhaltlich noch mehr abzuholen. Wir hinterfragen uns da nach jeder LAC, was können wir besser machen, müssen wir ändern? Wie können wir noch mehr Austauschmöglichkeiten bieten? Das Angebot an Fachvorträgen und inspirierenden Themen muss auch in Zukunft so gewählt sein, dass für jeden etwas dabei ist. Als Plattform möchten wir mit dem Veranstaltungskonzept weiterhin die Branche vernetzen, inspirieren und informieren – das ist das Credo.

Im Rahmen der LAC wurde in einer Podiumsdiskussion erörtert, ob sich die Bau- und TGA-Branche im Dornröschenschlaf befindet und für die Herausforderungen der Zukunft ausreichend gerüstet ist. Was sind aus Ihrer Sicht die größten Herausforderungen? Ist die TGA-Branche fit für die Zukunft oder wo muss dringend nachgebessert werden?

Gamst: Das Fachwissen und die ausgereiften technischen Lösungen sind in der Baubranche vorhanden. Dieses Wissen muss aber noch stärker auf den Endnutzer übertragen werden. Nur so ist er überhaupt in der Lage die beste technische Lösung zu verstehen. Hier können wir noch viel von anderen Branchen lernen und unseren Blick weglenken von reinen Produktlösungen. Neue Sichtweisen, einfache Konzepte, mehr Standardisierung, Transparenz und ein partnerschaftliches Zusammenspiel sind wichtige Faktoren, um unsere Branche auch weiterhin zukunftsfähig aufzustellen. Auch nach der Podiumsdiskussion auf der LAC 2016 führen wir weiterhin Diskussionen, unter anderem mit Herrn Prof. Auer als Lehrstuhlleiter Gebäudetechnologie und Bauklimatik an der TU München. Wir diskutieren dabei gemeinsam, wie wir Themen vereinfachen können und die „Angst“ vor TGA zu reduzieren.

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