360-Grad-Studie zu den größten europaweiten FM-Trends

Drees & Sommer hat, wie auch in den letzten Jahren, eine umfassende internationale Marktstudie zu unterschiedlichen Themen rund um die Immobilie durchgeführt. Im Fokus der Studie standen Themen wie Sourcing- und Vergabestrategien, Betreiberverantwortung, Human Resources, Nachhaltigkeit und internationale Trends.

Um ein möglichst umfassendes Bild zu erhalten, wurden sowohl Eigentümer und Nutzer als auch Immobilienbetreiber befragt. Diese standen bei der Onlineumfrage und zum Teil auch in individuellen Gesprächen Rede und Antwort. Insgesamt wurden knapp 400 deutsche und europäische Unternehmen befragt. Ein Auszug der Studienergebnisse zeigt folgende Knackpunkte auf.


Vertrauen in FM-Dienstleister ist ausbaufähig

Die Marktstudie macht deutlich, dass nach wie vor Skepsis gegenüber Outsourcing von Dienstleistungen herrscht. Besonders kritisch sehen 81 % der Auftraggeber und Nutzervertreter dabei die steigende Abhängigkeit von den FM-Anbietern und den Know-how-Verlust im eigenen Hause. Hintergründe hierfür sind unter anderem zu gering besetzte interne Abteilungen als Controlling-Organ sowie die oft vom Dienstleister nicht zugelieferten steuerungsrelevanten Immobiliendaten.

Großes Outsourcingpotenzial besteht insbesondere bei stark servicegetriebenen Themen wie beispielsweise Post- und Logistikleistungen oder Kantinenbetrieb/Catering. Diese werden durch die Auftraggeber häufig noch in Eigenregie erbracht.

 

Wer hat die Gesamtbetreiberverantwortung?

Beim Thema Betreiberverantwortung zeigen die Studienergebnisse eine Veränderung. Während bei der letzten Marktstudie noch 80 % der Befragten die Gesamtverantwortung bei unterschiedlichen Beteiligten und nicht, wie klar definiert, beim Immobilieneigentümer sahen, sind es diesmal rund 40 %. Dennoch bedeuten die Zahlen, dass bei diesem Thema noch großer Nachholbedarf besteht. Praxistaugliche Hintergrundinformationen und das Wissen, bei wem die konkrete gesetzliche Bertreiberverantwortung liegt, scheinen nicht flächendeckend bekannt zu sein.

Erstaunlich ist zudem, dass nur 50 % der Auftraggeber der Meinung sind, dass sie ihre Verpflichtungen hinsichtlich der Betreiberverantwortung vollumfänglich erfüllen. Im Hinblick auf potenzielle Konsequenzen lässt dies auf massive Haftungsrisiken auf persönlicher und Unternehmensebene schließen.

 

Mitarbeiter mit technischem Background sind Mangelware

Beim Thema Personal bemängeln sowohl Auftragnehmer (83 %) als auch Auftraggeber (74 %) vor allem das Fehlen von Arbeitskräften im technischen Bereich. Dies deutet darauf hin, dass haftungsrelevante Themen bei Betreiberpflichten häufig nicht vollumfänglich abgedeckt werden. Einig sind sich die Teilnehmer zudem darüber, dass ein bunter Mix an fachlichem und persönlichem Know-how im Unternehmen beziehungsweise im Team notwendig ist, um die Vielschichtigkeit der Immobilienthemen abdecken zu können.

 

FM-Markt für nachhaltige Betreibermodelle noch in der Entwicklungsphase

Wie auch bei der letzten Marktstudie, geben die Auftragnehmer und die Auftraggeber fast übereinstimmend zu, dass sich der FM-Markt für nachhaltige Betreibermodelle und -produkte noch in der Entwicklungsphase befindet. Das Thema Nachhaltigkeit ist auf Seiten der Auftraggeber deutlich präsenter als auf Seiten der Auftragnehmer. Während den Auftraggebern die unterschiedlichen Zertifizierungssysteme und deren Inhalte nahezu durchgängig bekannt sind, ist der Anbietermarkt hier noch auf der Suche nach internen Mehrwerten durch Zertifizierungssysteme und den daraus resultierenden eigenen Leistungsbereichen. So gehören zu den größten Hindernissen, die gegen eine Zertifizierung sprechen, aus Sicht der Auftragnehmer das Preis-/Leistungsverhältnis (72 %) und der zu geringe Nutzen für die operative und administrative Praxis (72 %).

 

Die FM-Branche in Deutschland ist gut aufgestellt

Im internationalen Vergleich sehen 80 % der Auftragnehmer und 70 % der Auftraggeber die deutsche FM-Branche als gut aufgestellt. Nichtdestotrotz finden beide Parteien, dass die jeweils andere Seite in diversen Themen noch deutlichen Entwicklungsbedarf hat. Die Auftraggeber sehen das Thema Internationalisierung bzw. Gesamtvergaben über mehrere Länder (Total FM) aktuell noch nicht übergreifend als zielführend an. Die Anforderungen an systemgestützte länderübergreifende Benchmarking-Systeme und Balanced Score Cards nahmen aber auf Auftraggeberseite in den vergangenen Jahren deutlich zu.

Auf die Frage, welche Innovationen aktuell auf dem Markt fehlen, lauten die Antworten der Teilnehmer ähnlich wie auch bei der letzten Drees & Sommer-Studie. Zum einen sind sie der Ansicht, dass die FM-Branche mehr Standards und Richtlinien benötigt. Zum anderen bemängeln sie das Fehlen konkreter Lösungen für einen nachhaltigen Betrieb und wünschen professionellere Softwaremodule (IT/CAFM).

Die erweiterten Studienergebnisse sind unter www.facilitymanagementconsulting.de abrufbar.

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