Die Reise geht weiter…
In den ersten Wochen des neuen Jahres haben wir uns gefragt, welche Entwicklungen in diesem Jahr auf uns zukommen werden. Was wird unsere Branche in 2026 maßgeblich beeinflussen? Und selten war dieser Blick so vielschichtig wie in diesem Jahr. Denn Immobilien professionell zu betreiben, wird zunehmend anspruchsvoller. Fachkräfte bleiben ein knappes Gut, Gebäude werden technisch komplexer und die regulatorischen Anforderungen nehmen zu. Gleichzeitig wächst der Erwartungsdruck: an Effizienz, an Transparenz – und an einen messbaren Beitrag zu Nachhaltigkeit, Nutzerzufriedenheit und Wertstabilität. Das FM allerdings rückt damit endgültig aus dem ‚Betrieb im Hintergrund‘ in eine strategische Rolle.
Was das konkret bedeutet, zeigt sich an mehreren Stellschrauben, die gerade gleichzeitig in Bewegung geraten. Daten und digitale Anwendungen werden zum zentralen Differenzierungsmerkmal im Gebäudebetrieb – nicht nur technisch, sondern auch im personell, etwa beim Thema KI: So hat eine aktuelle Auswertung des Handelsblatts ergeben, dass im Immobiliensektor zwischen Januar und November 2025 rund 110.000 Stellen ausgeschrieben waren, davon wiesen etwa 2650 Jobs explizite Digitalisierungskompetenz auf. Und die Nachfrage nach KI-Spezialisten stieg um rund 277 % gegenüber dem Vorjahr. Dennoch machen KI-Kompetenzen bisher nur einen kleinen Teil aller Stellenausschreibungen aus – es klafft also noch eine erhebliche Lücke zwischen technologischem Anspruch und der verfügbaren Expertise.
Aber was bedeutet das für das FM? Es zeigt, wie sehr Digitalisierung, KI-Anwendungen und datengetriebene Prozesse nicht nur technologieorientierte Aufgaben sind, sondern auch die Art und Weise verändern, wer in unserer Branche gefragt ist: Vom klassischen Techniker über den Datenanalysten bis zum digitalen Strategen. Wie solche Rollen zum Erfolg von Immobilienportfolios beitragen und welche Kompetenzen künftig gefragt sein werden, wird wohl auch auf dem World Workplace Europe 2026 in gut drei Wochen diskutiert werden.
Damit eng verknüpft sind nach wie vor die Bereiche Nachhaltigkeit und Dekarbonisierung. Hier verschiebt sich der Diskurs – weg von Absichtserklärungen, hin zur operativen Managementaufgabe. Energieeffizienz, CO₂-Reduktion und Kreislaufwirtschaft werden zur tatsächlichen operativen Herausforderung. Auch auf der MIPIM wird es in diesem Jahr nicht mehr nur um das Ob, sondern um das Wie gehen. Sprich welche Maßnahmen sind wirtschaftlich sinnvoll? Welche Daten werden künftig Pflicht? Und wie lassen sich CapEx- und OpEx-Entscheidungen sinnvoll verzahnen?
Parallel dazu verändern sich auch die Leistungsbilder im Facility Management. Integrierte, partnerschaftliche Modelle gewinnen an Bedeutung –nicht zuletzt, weil globale Ansätze und komplexe Portfolios ein neues Maß an Koordination verlangen. Mit der neuen Richtlinie GEFMA 140 liegt erstmals ein verbindlicher Rahmen für Integrated Facility Management vor, der Chancen, Risiken und Erfolgsfaktoren klar benennt – und die Basis für eine Zusammenarbeit schafft, die über klassische Servicegrenzen hinausreicht.
Doch wie immer geht es einmal mehr auch um die Menschen in der Branche. Der Fachkräftemangel bleibt eine der größten Herausforderungen – und macht deutlich, dass Diversität, Inklusion und Arbeitgeberattraktivität keine 'weichen' Themen sind. Vor diesem Hintergrund ist es ein deutliches Warnsignal, dass der Frauenanteil in den Vorständen großer deutscher Unternehmen zuletzt stagniert oder sogar gesunken ist. Gleichzeitig zeigen Initiativen wie das neue gefma Ladies Board, welches Potenzial in gezielter Vernetzung, Sichtbarkeit und Mitgestaltung steckt – und wie wichtig es ist, vorhandene Talente konsequent einzubinden.
All diese Entwicklungen haben eines gemeinsam: Sie verlangen nach Orientierung. Nach Einordnung statt Schlagworten. Nach Praxisbeispielen statt Visionen. In dieser ersten Ausgabe des Jahres haben wir darum für Sie Analysen, Marktbeobachtungen und Erfahrungen aus der Praxis zusammengestellt, die zeigen, dass Facility Management nicht nur eine Kostenstelle ist, sondern eine Gestaltungs- und Wertschöpfungsdisziplin.
Denn eines ist klar: Die Reise geht weiter! Und wir sollten sie aktiv mitgestalten.
Ihre
Kerstin Galenza
