Cyberattacken aktiv abwehren
Datenklau, Erpressung und Identitätsdiebstahl durch Phishing-, Ransomware- und Deepfake-Attacken: Drei Beispiele für Cybercrime, das gemäß der europäischen Polizeibehörde Europol global Schäden von über 10,5 Billionen Euro verursacht. Umgerechnet als Bruttoinlandsprodukt (BIP) wären Cyberkriminelle damit die drittstärksten Volkswirtschafts-Akteure weltweit. Dabei steigen die Bedrohungen täglich weiter.
Ein Grund ist die kriminelle Nutzung von Künstlicher Intelligenz (KI). Sie ermöglicht z. B. massenhafte automatisierte Angriffe im Netz und setzt damit auch die deutsche Wirtschaft sowie hiesige Betreiber kritischer Infrastrukturen (KRITIS) immer stärker unter Druck. Ein professionelles Business Continuity Management (BCM) und integrierte Sicherheitslösungen sind daher das Gebot der Stunde – speziell für den Mittelstand, der diese Themen nach wie vor zu stark vernachlässigt.
Der Ausgangspunkt für den späteren Nahezu-Worst-Case war banal. Auf der e-Buchhaltungs-Plattform eines mittelständischen Produktionsunternehmens geht die digitale Rechnung eines (vermeintlichen) Lieferanten ein. Offenkundige Routinearbeit für das kaufmännische Team, weshalb angesichts der scheinbar seriös wirkenden E-Mail zunächst niemand Verdacht schöpfte – und das Rechnungs-PDF über den in der Mail enthaltenen Link so Einzug in das Unternehmenssystem erhielt.
Ein Vorgang, der dem Traditionsbetrieb fast die Existenz gekostet hätte, wie sich schon wenig später offenbaren sollte. Denn zu diesem Zeitpunkt hatte die IT-Abteilung mit Unterstützung eines externen Cybersecurity-Spezialisten und dessen 24/7 besetzten Security Operation Centers (SOC) erhebliche Anomalien in der eigenen IT-Infrastruktur diagnostiziert, entsprechend bewertet und kurzfristig umfassende Gegenmaßnahmen eingeleitet. Im Fokus stand dabei, die betroffenen Netzwerkbereiche – in diesem Fall die Laufwerke und Systeme der Buchhaltung – zu isolieren und damit eine Ausbreitung auf das gesamte Unternehmen zu verhindern. Denn das Ziel der Kriminellen war eindeutig: Sie wollten mittels Malware alle Systeme verschlüsseln, so den kompletten Betrieb lahmlegen und auf diese Weise hohes Lösegeld für die Datenfreigabe erpressen.
Womit gleichzeitig auch deutlich wird: Sämtliche Unternehmenssektoren – von Verwaltung über Betrieb und Logistik bis zur Forschung – mit ihrer gesamten Gebäude-, Sicherheits-, Produktions- und Backoffice-Technik sind potenziell gefährdet und daher umfassend zu schützen.
„Allein die professionelle Aufstellung in Sachen Cyber- und Unternehmensschutz hat diese Firma vor Schlimmerem bewahrt – ein positives Beispiel, das aber hier zu Lande längst nicht die Regel ist“, erklärt Dirk H. Bürhaus, Geschäftsführender Direktor in der Kötter Security Gruppe und Geschäftsführer von Kötter Cyber Security. „Acht von zehn Unternehmen, bei denen es etwa durch Cybercrime zur Großschadenslage gekommen ist, melden binnen spätestens zwei Jahren Insolvenz an. Solche Szenarien verdeutlichen, dass sich Unternehmen keinesfalls allein auf den in Deutschland so beliebten Versicherungsschutz verlassen dürfen.“ Denn: Auch, wenn die Versicherung nach einem Vorfall plus anschließendem Betriebsausfall zahlt, sind die Folgen für die betroffene Firma zumeist trotzdem gravierend. Wegen des langfristigen Produktionsausfalls suchen sich die Kunden einen anderen Lieferanten, die daraus resultierenden Auftrags- und Umsatzrückgänge sind kaum zu verkraften und führen nicht selten in die Insolvenz.
Ganzheitlich gegen unsichtbare Angreifer
Was ist angesichts der enormen Cyberrisiken somit Unternehmens- und KRITIS-seitig zu tun? „Cyberangriffe erfolgen heute dynamisch, mehrstufig und wie im angeführten Beispiel häufig unbemerkt. Klassische, rein reaktive Sicherheitsansätze reichen daher nicht mehr aus, um diesen Bedrohungen wirksam zu begegnen“, erläutert Bürhaus weiter. „Unser Spezialisten-Team verfolgt für Kunden mit Active Cyber Defense daher einen aktiven, risikobasierten Ansatz, der Bedrohungen frühzeitig erkennt, kontinuierlich bewertet und gezielt adressiert. Im Rahmen von Cyber Defense as a Service werden moderne Analysetechnologien mit unserem SOC kombiniert, um Sicherheitsereignisse ganzheitlich zu verarbeiten und im Fall der Fälle schnell zu reagieren.“
Die integrative Lösung inkludiert zudem eine noch weit darüber hinaus reichende Herangehensweise, wie Bürhaus darlegt: „Weil Cybersecurity heute mehr als der Einsatz einzelner Technologien ist, sondern Governance, Sicherheitsarchitektur und operative Wirksamkeit miteinander verzahnen muss, geht es gleichzeitig um den Aufbau einer strukturierten Sicherheitsstrategie. Diese beinhaltet u. a. regulatorische Anforderungen und das Thema Datenschutz.“
Risikoanalyse und BCM
Basis hierfür ist immer eine Asset-basierte Risikoanalyse. Diese bezieht sich nicht allein auf den Schutz von IT-Systemen gegen Angriffspotenziale aus dem Netz. Einhergehend mit neuen regulatorischen Vorgaben (speziell der EU-NIS2-Richtlinie und des KRITIS-Dachgesetzes) folgt diese, genau wie die daraus resultierenden Sicherheitsmaßnahmen, dem „Allgefahrenansatz“. Sie überwindet somit das bei zahlreichen Akteuren vorherrschende Silo-Denken, das Werkschutz, Gebäudetechnik und IT-Sicherheit immer noch getrennt voneinander betrachtet.
Heißt konkret: Im Rahmen integrierter Sicherheit bzw. von 360-Grad-Lösungen basiert der Unternehmensschutz auf den vier Säulen „Organisatorisches Sicherheitsmanagement“, „Cybersecurity“, „Sicherheitstechnik“ und „Personelle Sicherheitsdienste“. Diese Strategie berücksichtigt somit ebenfalls u. a. die Gefahren durch physische Angriffe, die nicht selten die Basis für spätere Cyberkriminalität bilden: etwa, indem Kriminelle unzureichende Zugangskontrollen zu Serverräumen ausnutzen und dort mit präparierten Sticks das Netzwerk manipulieren. Ein weiterer Fokus liegt auf der häufig vernachlässigten Kontrolle von Beschaffungsprozessen. Sie ist gerade bei IT-Komponenten von elementarer Relevanz, da diese meist aus dem Ausland kommen und damit Einfallstor für Spionage sind. Last, but not least sind regelmäßige Mitarbeiterschulungen im Umgang mit Phishing, Social Engineering und anderen Risiken aus dem Netz elementarer Bestandteil der Unternehmenssicherheit, wie die zu Beginn des Berichts angeführte Cyberattacke auf das Produktionsunternehmen nachhaltig vor Augen geführt hat.
Neben Prävention und Gefahrenabwehr steht zusätzlich die Vorbeugung für den Fall der Fälle im Mittelpunkt. Denn angesichts der exorbitanten hybriden Risiken und hier speziell Cybercrime geht es für Unternehmen und KRITIS-Betreiber längst nicht mehr allein um die Frage, ob sie Opfer solch eines Angriffs werden, sondern wann. Und damit einhergehend um die Implementierung eines funktionierenden Business-Continuity-Management(BCM)-Systems, das nachhaltige Strukturen zur Aufrechterhaltung des Betriebes in der Folge eines Notfalls bereithält.
Vielfältige Herausforderungen und Aufgaben somit, die primär die Verantwortung des Managements fordern und auf einem Bündel vielfältiger Praxismaßnahmen basieren (s. Infokasten).
Zentrale Tools für rechtskonforme Cybersecurity (NIS2-Richtlinie)
1. Organisation & Strategie
Risikoanalyse: Identifikation der eigenen kritischen Assets (IT, Gebäude, Gelände, Prozesse, Personal etc.) und Definition klarer Sicherheitsrichtlinien.
Business Continuity Management: Erstellung konkreter BCM-Pläne, um
im Ernstfall handlungsfähig zu bleiben sowie Implementierung von Incident-Response-Maßnahmen zur Bewältigung von Sicherheitsvorfällen.
Supply Chain: Gewährleistung der Sicherheit der Lieferkette.
Governance & Verantwortung: Umfassende Management-Verantwortung
für die Steuerung, Dokumentation und Kontrolle von Unternehmensschutz
und Risikomanagement (inkl. Haftungsrisiken für Geschäftsführungen bei Verstößen gegen die Sorgfaltspflicht).
2. Technische & operative Tools
Netzwerk- und Endpunktsicherheit: Segmentierung von Netzwerken, Einsatz von Firewalls sowie Schutz aller Endgeräte (PCs, Laptops, Smartphones) durch moderne Tools.
Patch- und Schwachstellenmanagement: Regelmäßige und automatisierte Updates von Hard- und Software, um bekannte Einfallstore für Angreifer schnell zu schließen.
SOC-Monitoring: Kontinuierliche Überwachung der IT-Infrastruktur durch ein Security Operations Center (SOC).
Ad-hoc-Reaktionsfähigkeit: Cyber Defense as a Service (CDaaS) für 24/7 Gegenmaßnahmen.
3. Personal & Prozesse
Schulungen & Awareness: Regelmäßige Schulungen der Belegschaft im Umgang mit Phishing, Social Engineering etc. sowie für Zugriffsmanagement und sichere eigene Prozesse.
Identitäts- und Zugriffsmanagement (IAM): Vergabe von Zugriffsrechten nach dem „Need-to-Know“-Prinzip, flankiert durch Multi-Faktor-Authentifizierung (MFA). Sichere interne Kommunikation.
Handlungssicherheit: Regelmäßige Durchführung von Notfallübungen, Reviews, internen Audits.
Unternehmensschutz ist Chefsache
„Sichere Zukunft – Unternehmensschutz im Zeitalter von KI“: Unter diesem Leitthema diskutierten rund 170 Experten aus Wirtschaft, Politik, Behörden, Sicherheitsbranche und Wissenschaft Anfang Juni 2026 bei der Sicherheitskonferenz ‚State of Security‘ von Kötter Security und German Business Protection (GBP) in Berlin. Im Fokus standen die Herausforderungen durch Künstliche Intelligenz und Cyberkriminalität.
„KI verändert Wirtschaft, Gesellschaft und Sicherheitsarchitekturen in rasanter Geschwindigkeit. Sie eröffnet enorme Chancen – zugleich entstehen neue Risiken, neue Abhängigkeiten und neue Verantwortlichkeiten“, so Friedrich P. Kötter, Verwaltungsrat der Kötter Security Gruppe, bei der Veranstaltung im Allianz Forum. „Wenn der Schutz unserer Unternehmen nicht schon länger eine strategische Führungsaufgabe war, ist er es spätestens jetzt – im Zeitalter Künstlicher Intelligenz.“
Der Schutz von Unternehmen erfordere deshalb eine proaktive Strategie, die neben der Infrastruktur auch technische Systeme, Datensicherheit, rechtliche Compliance, klare Verantwortlichkeiten und gezielte Mitarbeiterschulungen umfasse. Dabei biete Künstliche Intelligenz vielfältige Chancen, z. B. in Form KI-gestützter Security-Systeme, die Anomalien früher erkennen, Risiken priorisieren und Reaktionszeiten deutlich verkürzen. Und er verwies darauf, dass Unternehmensschutz und speziell Cybersecurity noch aus einem zweiten Grund zwingend „Chefsache“ sein müssen: So machen neue regulatorische Vorgaben wie speziell die seit Ende 2025 auch in Deutschland geltende EU-NIS2-Richtlinie, die Steuerung und Kontrolle von Sicherheit und Risikomanagement endgültig zur verpflichtenden Managementaufgabe – inklusive persönlichen Haftungsrisiken für Geschäftsführungen bei Verstößen gegen die Sorgfaltspflicht.
