Internationales Stimmungsbild in komprimierter Form
Wenn sich im März die internationale Immobilienwelt in Cannes trifft, geht es auf der MIPIM längst nicht mehr nur um architektonisch aufwändige Neubauvisionen und spektakuläre Quartiersentwicklungen. Die Messe hat sich zu einem globalen Marktplatz entwickelt, auf dem Kapital, Städte, Entwickler, Betreiber, Dienstleister und PropTechs darüber sprechen, wie Immobilien in einem herausfordernden Umfeld funktionieren müssen: wirtschaftlich, energieeffizient, resilient – und zunehmend datengetrieben.
Für Unternehmensimmobilien und Facility Management ist die MIPIM vor allem deshalb spannend, weil hier die großen Linien sichtbar werden, bevor sie in Budgets, Ausschreibungen und Betriebsmodelle übersetzt werden: Welche Assetklassen ziehen noch Investitionen an? Wo verschiebt sich die Nachfrage? Welche Anforderungen an Energie, Technik und Nutzung setzen sich durch? Und: Was davon ist „Trend“, was wird innerhalb der nächsten 12 bis 24 Monate operative Realität?
Gerade in Zeiten, in denen Bestandsportfolios gleichzeitig unter Kostendruck, ESG-Anforderungen und Transformationszwang stehen, kann ein Besuch in Cannes helfen, die eigene Strategie einzuordnen – und sich einen Vorsprung beim Verständnis kommender Standards und Marktbewegungen zu sichern.
Dekarbonisierung: Weg von der Absichtserklärung, hin zur Machbarkeit
Ein zentrales Thema der MIPIM 2026 ist die „Road to Net Zero“ – und damit der Übergang von strategischen Klimazielen zu umsetzbaren Maßnahmen. Für Facility Manager und Immobilienverantwortliche ist genau das der Punkt, an dem Entscheidungen schwierig werden: Sanieren oder umnutzen? Welche Reihenfolge bei Maßnahmen ist wirtschaftlich sinnvoll? Wie lassen sich Energieversorgung, Nutzeranforderungen und Investitionsplanung zusammenbringen? Und welche Kennzahlen werden künftig wirklich relevant – in der Kommunikation mit Eigentümern, Investoren, Banken und Mietern?
Die MIPIM bündelt hier unterschiedliche Perspektiven: von Finanzierung und Regulierung bis hin zu Technologien und Betriebsansätzen. Wer Verantwortung für Bestände trägt, kann daraus wertvolle Impulse ziehen – etwa für realistische Dekarbonisierungsfahrpläne, CapEx/OpEx-Abwägungen oder die Frage, welche Gebäudedaten künftig „Pflicht“ werden.
KI und Daten: Der Gebäudebetrieb wird zur Managementaufgabe
Ein zweites Feld, das 2026 deutlich stärker im Fokus steht, ist der Einfluss von KI auf Immobilien. Das betrifft keineswegs nur „smarte“ Leuchtturmprojekte. In vielen Portfolios rücken konkrete Anwendungen in Reichweite: automatische Anomalie-Erkennung in technischen Anlagen, besseres Störungsmanagement, vorausschauende Wartung, energieoptimierter Betrieb oder datenbasierte Flächenplanung.
Für FM-Teams stellt sich dabei weniger die Frage, ob KI kommt, sondern wie man sie sauber in bestehende Prozesse integriert: Welche Datenqualität ist notwendig? Welche Sensorik ergibt Sinn – und was ist nur Spielerei? Wie werden Cybersecurity und Datenschutz berücksichtigt? Und welche Kompetenzen müssen intern aufgebaut werden, damit man nicht von einzelnen Dienstleistern abhängig wird? Wer in Cannes die richtigen Gespräche führt, kommt mit einem realistischeren Bild zurück, was kurzfristig machbar ist und welche Investitionen sich lohnen.
Data Centers und digitale Infrastruktur
Ein besonders dynamisches Thema sind Rechenzentren und digitale Infrastruktur. Sie gelten vielerorts als Wachstumstreiber – und zugleich als Prüfstein für Energieverfügbarkeit, Genehmigungsfähigkeit und technische Betriebsqualität. Selbst wenn Facility Manager nicht direkt Data-Center-Flächen betreiben, lohnt sich der Blick: Rechenzentren setzen neue Maßstäbe bei Resilienz, Redundanzen, Kühlung, Energiebezug und Monitoring.
Was hier entsteht, strahlt in andere Assetklassen aus – etwa über Anforderungen an Stromanschlüsse, Notfallkonzepte, Gebäudeautomation, Wartungsstrategien oder die Diskussion um Abwärmenutzung. Für Corporate Real Estate kann das zudem bei Standortentscheidungen relevant werden: Wo ist Energie in ausreichender Qualität und Menge verfügbar? Welche Regionen entwickeln sich zu Hotspots? Wie verändern sich Miet- und Betreiberkonzepte?
Marktüberblick und Benchmarking
Der größte praktische Nutzen einer internationalen Leitveranstaltung liegt oft im „Reality Check“. Auf der MIPIM lassen sich Strategien anderer Unternehmen, Kommunen und Betreiber schnell vergleichen: Welche Retrofit-Ansätze werden skaliert? Welche Vertragsmodelle gewinnen an Bedeutung (Performance-orientierte Services, datenbasierte Betreibervereinbarungen, neue KPI-Systeme)? Wo sind Nutzeranforderungen härter geworden – und wie reagieren Eigentümer?
Für Immobilienverantwortliche mit Budget- und Investitionsentscheidungen liefert das ein wichtiges Benchmarking: Was ist marktüblich, was ist ambitioniert – und welche Lösungen wirken in der Praxis bereits belastbar?
Netzwerk: Schnittstellen, die im Alltag schwer zusammenkommen
Die MIPIM ist auch eine Messe der Schnittstellen. Wer in Deutschland primär im FM- oder CRE-Ökosystem unterwegs ist, trifft in Cannes gebündelt auf Akteure, die in Projekten oft entscheidend sind, aber selten an einem Ort: Städte und Regionen, Kapitalgeber, Entwickler, große Betreiber, Technologieanbieter und Beratungen. Das kann sich lohnen, wenn es um Partnerschaften, Standortthemen, Sanierungsprogramme oder die Suche nach Lösungen für komplexe Bestände geht – von gemischt genutzten Portfolios bis zu energetisch schwierigen Objekten.
