Solarelektrisches Firmengebäude von my-PV: Wartungsfrei und energieautark

Hier bekommt der Betreiber Geld zurück!

Nach der ersten Heizsaison kann my-PV aus der Bauherrensicht die Erfahrungen und Ergebnisse des solarelektrischen Betriebsgebäudes präsentieren: Ohne erhöhte Investitionskosten wurde schon im ersten Betreibsjahr eine bilanzielle Autarkie über alle Sektoren (Strom, Wärme, Mobilität) erreicht! Ein Vorteil zu wassergeführten Heizungssystemen, mit denen bisher Betriebsgebäude geheizt werden.

Ende September 2021 wurde das neue Firmengebäude von my-PV im oberösterreichischen Neuzeug (www.my-pv.com/de/ueber-uns/neuer-firmenstandort) in Betrieb genommen. Als Hersteller für solarelektrische Haustechnik stand für das Unternehmen von Beginn an fest, auch beim neuen Standort die eigene Philosophie von Photovoltaikwärme ­konsequent umzusetzen. Der Planungsgrundsatz lautete entsprechend „Kabel statt Rohre“. Die 100 kWp Photovoltaikanlage, die auf dem Pultdach und in der Fassade des Gebäudes angebracht wird, stellt massiv Überschussenergie bereit, die optimal mit der im Gebäude vorhandenen thermischen Speichermasse genutzt werden kann. Dass solarelektrische Haustechnik kostengünstig und nachhaltig betrieben werden kann, hat my-PV in der Vergangenheit bereits mehrfach für Ein- und Mehrfamilienhäuser dargelegt. Neu ist, dass nun aber auch in Gewerbeobjekten Photovoltaikwärme gegenüber Wärmepumpen deutlich geringere Investitions- und Betriebskosten aufweist.

 

Energiebilanz der ­Photovoltaikwärme

Bereits von Beginn der Gebäudenutzung an, wurden alle Energiemengen erfasst, um eine aussagekräftige Datenbasis für detaillierte Auswertungen zu schaffen. Entsprechende Messtechnik ist neben dem Netzanschlusspunkt auch für die Photovoltaikanlage, die elektrischen Raumheizungen, die Warmwasserbereitung, die Lüftungs- und Klimaanlage sowie den Ladesäulen installiert worden. Für alle Besucher und Mitarbeiter von my-PV werden diese Energieflüsse anschaulich in der Haustechnikvisualisierung im Foyer des Firmengebäudes dargestellt. Grafik 1 auf der folgenden Seite zeigt als Momentaufnahme einen frühen Vormittag Anfang Mai. Bereits zu diesem Zeitpunkt sind alle Bedarfe im Haus durch die Photovoltaik überkompensiert und Energie wird in das Stromnetz eingespeist.

Diese Datenaufzeichnung ist die Basis für die Auswertung der ersten Heizsaison 2021/22. Betrachtet werden dabei die Monate November bis April. Die Energiebedarfe der vier Sektoren (Strom, ­Heizung, Warmwasser und Mobilität), die Herkunft der Energie und der PV-Überschuss sind in Grafik 2 dargestellt.

Während dieser sechs Monate wurden ca. 3.600 kWh zum Beladen der E-Autos von my-PV aufgewendet. Das entspricht umgerechnet 360 Liter Diesel, was wiederrum etwa sechs Tankfüllungen entspricht. Bei einer Tankfüllung pro Monat würde man normalerweise von einem unterdurchschnittlichen Mobilitätsgrad sprechen, durch den hohen Wirkungsgrad von Elektrofahrzeugen konnten aber über 20.000 km mit dieser Energie zurückgelegt worden.

Für die elektrischen Raumheizungen wurden ca. 17.400 kWh aufgewendet. Gerade hier zeigt sich der energieeffiziente Baustandard, denn bei 858 m² Geschossfläche bedeutet das, dass neben den passiven solaren und den internen Gewinnen, lediglich noch 20 kWh pro Quadratmeter notwendig waren, um ein behagliches Raumklima aufrecht zu ­erhalten.

Einen marginalen Anteil bei der Wärmebereitstellung in einem Gewerbeobjekt nimmt meist der Warmwasserbedarf ein. Zwar gibt es eine Dusche für die Mitarbeiter, jedoch beschränken sich Warmwasserverbräuche in der Regel auf das Händewaschen, wodurch lediglich 270 kWh an Energie zugeführt werden mussten.

Die reguläre Strommenge beinhaltet neben der Beleuchtung, den Produktionsmaschinen und den Bürogeräten, auch die Klima- und die Lüftungsanlage. In den sechs Wintermonaten sind dafür rund 11.350 kWh aufgewendet worden.

Mehr als die Hälfte der Energie für diese vier Sektoren sind dank der 100 kWp Photovoltaikanlage vor Ort selbst erzeugt worden. Mit einem PV-Eigenverbrauch von 17.344 kWh und einem Netzbezug von 15.251 kWh bedeutet das einen ­Autarkiegrad von 53,2 % im Winter!

Dabei gilt es besonders zu erwähnen, dass die Solarerträge in den „Problemmonaten“ Dezember und Jänner gegenüber den langjährigen Mittelwerten hinter den Prognosen zurückgeblieben sind und die Autarkie in einem durchschnittlichen Jahr sogar noch höher liegen würde.

Nicht vor Ort verwendet werden konnten ca. 15.300 kWh, die entsprechend in das öffentliche Netz zurückgespeist worden sind. Daraus resultiert ein PV-Eigenverbrauch von 53,4 %.

Bei der Betrachtung von Netzbezug und Netzeinspeisung fällt auf, dass im Betrachtungszeitraum mehr Strom in das Netz eingespeist wurde, als daraus bezogen wurde. Somit ist das Gebäude im Winter bilanziell komplett energieautark. Dabei betrachtet my-PV aber nicht einfach nur die elektrischen Verbraucher, sondern bezieht immer auch Wärme und Mobilität in seine Auswertung mit ein.

Was die österreichische Bundesregierung erst bis 2030 bei der elektrischen Energie anstrebt – nämlich eine bilanzielle Autarkie – hat das Unternehmen mit dem eigenen solarelektrischen Betriebsgebäude sogar in der Heizsaison geschafft und das gleich über alle Sektoren (Strom, Wärme, Mobilität)!

 

Kostenvergleich im solar­elektrischen Betriebsgebäude

Vor der Realisierung wurden natürlich auch Vergleichsangebote für konventionelle Haustechnikvarianten eingeholt. Daher liegen zum Projekt auch genaue Zahlen der alternativen Investitionskosten vor. Nachdem schlussendlich das solarelektrische Konzept umgesetzt wurde, steht fest, dass die Installation von „Kabel statt Rohre“ in Verbindung mit einer leistungsstarken Photovoltaikanlage und den entsprechenden Steuergeräten von my-PV keine Mehrkosten verursacht hat. Die Preise ­liegen ziemlich genau auf gleicher Höhe, wobei bei keiner Variante etwaige Förderungen beim Vergleich berücksichtigt worden sind. Außerdem macht solarelek­trische Haustechnik zudem einen traditionellen Heizraum obsolet, was beim Bau wiederrum eine Einsparung von weiteren 20.000 Euro bewirkt hat.

Neben den Investitionskosten kann bei entsprechend dimensionierter PV-Anlage aber auch im Betrieb signifikant gespart werden. Nicht nur auf Grund des generell geringen Bedarfs von Netzstrom, sondern auch wegen der Erlöse für eingespeiste PV-Überschüsse. Denn diese reduzieren natürlich die laufenden Kosten ebenfalls unmittelbar. In einer früheren Planung ging my-PV bereits davon aus, dass diese mit 2.100 Euro pro Jahr verschwindend gering sein könnten. Heute zeichnet sich jedoch ab, dass die Betriebskosten sogar negativ ausfallen werden. Und dabei werden nicht nur die Kosten für Strom aus dem öffentlichen Netz kompensiert, sondern sogar noch die weiteren Aufwände für Wasser, Kanal, Versicherung und Grundsteuer aufgehoben. Als Gebäudeeigentümer ist es somit ein Geschäft, seine Haustechnik solarelektrisch umzusetzen!

 

Fazit

Im Haus der Zukunft ist alles rein elek­trisch, größtenteils solarelektrisch. Das gilt von nun an auch für die Heizung in Gewerbeobjekten. Das Firmengebäude von my-PV hatte gegenüber konventioneller Haustechnik mit Wärmepumpe niedrigere Investitionskosten und erwirtschaftet im Jahresverlauf sogar negative Betriebskosten. Sprich: Der Betreiber bekommt Geld zurück! Und Wärmeerzeugung, die ohne bewegliche Teile auskommt, ist dazu nicht nur komplett wartungsfrei, sondern auch völlig geräuschlos. „Kabel statt Rohre“ vereinfachen die Installation und den Betrieb. Das Konzept ist bei entsprechender Dimensionierung der Photovoltaikanlage außerdem sauber und nachhaltig!

 

Reinhard Hofstätter MSc, my-PV GmbH, A-4523 Neuzeug

Gebäudedaten

Geschossfläche: 858 m²

Bauweise: Holzleichtbau

PV-Leistung und Ausrichtung: 100 kWp, davon 70 kWp am Pultdach, 30 kWp an der Fassade

Heizlast: 14 kW

Heizregelleistung: 40 kW

Kühllast: 30 kW

Fensterfläche: 100 m²

HWB Standortklima: 34 kWh/m²a

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Ausgabe 2022-05

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