Elektronische Zutrittslösung erlaubt Datensicherheit und Flexibilität

Neue Schließanlage für die Uni Greifswald

Die Verantwortlichen der Uni Greifswald waren den Aufwand und die Unsicherheit mit mechanischen Schließsystemen leid und wechseln nun schrittweise auf eine elek­tronische Zutrittslösung. Das neue System sollte höchste Ansprüche an Datensicherheit, Flexibilität bei der Berechtigungsvergabe und Vielseitigkeit bei den Türkomponenten erfüllen. Ein Erfahrungsbericht.

Die Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald befindet sich mitten in der Ablösung mehrerer mechanischer Schließsysteme durch eine einheitliche elektronische Zutrittssteuerung. Ausgangspunkt war eine für mechanische Schließanlagen typische Situation, erklärt Christian Tambach: „Es gab keine vollständige Übersicht darüber, wer ­welche Schlüssel besitzt und wo diese schließen. Erschwerend kam hinzu, dass wir verschiedene Schließanlagen verwalten mussten. Daher haben wir beschlossen, uns Schritt für Schritt von der Mechanik zu verabschieden. Wir wollen Schließrechte entziehen können, ohne auf die Rückgabe von Schlüsseln angewiesen zu sein.“

Schlüsselverlust kein Problem mehr

Mit der Umstellung auf ein elektronisches System verfolgt die Uni Greifswald mehrere Ziele, erläutert der Leiter des Referats Technik und Bau an der Hochschule: „Wir wollten in erster Linie, dass Schlüssel- bzw. Kartenverluste kein Problem mehr darstellen. Darüber hinaus möchten wir Zutrittsrechte zeitlich befristen und sperren können und die Schlüsselausgabe vereinfachen.“ Und weil die Institute der Hochschule über mehrere Liegenschaften verteilt sind, sollte eine schrittweise Umstellung möglich sein. Beauftragt wurde mit der Planung und Installation die Firma Schröter Sicherheitstechnik und Metallbau. Der ortsansässige Facherrichter betreute bereits Teile der mechanischen Anlage und überzeugte bei der Ausschreibung mit einer elektronischen Zutrittslösung auf Basis der „XS4“-Systemplattform von Salto. Mitinhaber und Geschäftsführer Frank Schröter erinnert sich: „Zunächst ging es um die Außensicherung und ­damit um die Ausstattung von Außen­türen, Zufahrten und Kellerzugängen. Hier spielt eine elektronische Lösung mit mehreren Öffnungsmodi ­ihre Vorteile aus.“

Die Ausrüstung der Innentüren begann im Institut für Biochemie, gefolgt vom Institut für Physik. „Grundsätzlich sind die Gebäude der Universität für Universitätsangehörige und Gäste frei zugänglich. Aber gerade in diesen beiden Instituten gibt es Bereiche mit Chemikalien und Ausrüstung, die eben nicht öffentlich zugänglich sein dürfen“, sagt Tambach.

Datensicherheit und kabellose Installation

Bei der Auswahl des Systems hatte die Datensicherheit oberste Priorität. Der Zugriff auf die Software sollte nur wenigen Berechtigten möglich sein und die gesamte Datenübertragung und Speicherung musste hochverschlüsselt er­folgen. Darüber hinaus spielte laut Tambach der Datenschutz eine wichtige Rolle: „Uns geht es nicht um die Kontrolle der Mitarbeiter. Daher musste die Protokollfunktion abschaltbar sein.“ ­Neben diesen Kriterien überzeugte der Anbieter Salto auch mit seinem kabel­losen Ansatz. „Dadurch können wir ­unsere Innentüren mit Intelligenz nach­rüsten, haben aber weniger Kosten und Aufwand, weil die Verkabelung entfällt. Für uns war außerdem wichtig, dass die Berechtigungen direkt am Online-Wandleser auf die Karten geschrieben werden und nicht über ein zusätzliches Update-Terminal“, erläutert der Refe­rats­leiter.

Das umfassende Produktportfolio war bei der Entscheidung ebenfalls Ausschlag gebend, ergänzt Frank Schröter: „Mit den elektronischen Zylindern und Beschlägen in diversen Modellversionen können wir praktisch alle Türen aus­statten. Und mit den unterschiedlichen Farbvarianten können wir je nach Bestand die passenden Oberflächen der Zylinder und Beschläge auswählen.“ Und nicht zuletzt spielte auch der Partner vor Ort eine maßgebliche Rolle bei der Vergabe. „Wir haben uns immer gut betreut gefühlt und dadurch Vertrauen in die Firma Schröter gefasst. Für uns ist eine zuverlässige Unterstützung und Beratung essentiell. Und der Errichter lässt sich immer etwas einfallen, egal wie knifflig die Ausgangslage ist“, lobt Christian Tambach.

Virtuelles Netzwerk

Technologisch basiert die Zutrittslösung auf dem Salto Virtual Network (SVN) mit patentierter Schreib-Lese-Funktionalität und verschlüsselter Datenübertragung. Im SVN werden die Informa­tionen zu den Schließberechtigungen auf dem Ident-Medium gespeichert, ­wodurch eine Verkabelung der elektronischen Beschläge und Zylinder entfällt. Gleichzeitig werden auch Informationen über gesperrte Ident-Medien oder beispielsweise Batteriestände in den Beschlägen und Zylindern auf die Ident-Medien geschrieben und somit weitergegeben. Die Online-Wandleser übertragen die ausgelesenen Daten an den zentralen Server und übermitteln gleichzeitig die aktuellen Schließberechtigungen auf die Ident-Medien.

Über 1000 Zutrittspunkte

Derzeit setzt die Uni Greifswald an über 1000 Zutrittspunkten die neue Lösung ein. An den Innentüren sind 720 elek­tronische „XS4“-Beschläge in der schmalen Version installiert. Diese ­finden sich auch an den Boxen für Fahr­räder, welche die Mitarbeiter der Hochschule für Fahrten zwischen den Gebäuden nutzen, und an den Müllboxen, um illegalen Ablagerungen vorzubeugen. Überdies sind sechs Beschläge in der DIN-Version an Brandschutz­türen montiert.

An Türen mit hohen architektonischen Anforderungen sowie an historischen Türen (die älteste Tür stammt aus dem 18. Jahrhundert) sind 80 Knauf- und Halbzylinder sowie 28 elektronische Doppelzylinder verbaut. In sensiblen Bereichen kommen zwei VdS-zertifizierte Zylinder zum Einsatz. Darüber hinaus sind 122 Spezialzylinder für Serverschranktüren an Racks installiert, die wegen der nicht veränderbaren historischen Bausubstanz in frei zugänglichen Bereichen stehen. Einige elektronische Locker-Spindschlösser sichern überdies die Medienschränke diverser Hörsäle.

Insgesamt 45 „XS4“-Original Online-Wandleser mit und ohne Code-Tastatur steuern im Rahmen der Außensicherung die Schranken an den Zufahrten und dienen an den Außentüren der Gebäude zugleich dem Scharf- und Unscharfschalten von Alarmanlagen. In den Foyers sind zusätzlich einige Online-Wandleser als reine Update-Terminals für das bequeme Aktualisieren von Berechtigungen installiert.

Neben der Anbindung an Alarmanlagen sind einige ­Online-Wandleser auch mit dem Fluchtwegsicherungssystem verknüpft. Als Identifikationstechnologie nutzt die Uni Greifswald „Mifare DESFire EV1“ mit 128-Bit-AES-Verschlüsselung.

Dezentrale Berechtigungsvergabe

Die Verwaltung der Zutrittslösung übernimmt die Managementsoftware Pro­Access. Die Karten werden damit zentral erstellt. Über die Mandantenfunktion „Department“ erfolgt die Berechtigungsvergabe für die Türen dezentral. „Die Software ist einfach zu bedienen, gerade auch für die Kolleginnen und Kollegen, für die die Berechtigungsvergabe nur eine unter vielen Aufgaben ist“, freut sich Tambach.

Momentan werden rund 700 Mitarbeiterkarten verwaltet. Hinzu kommen Gästekarten für studentische Mitarbeiter sowie für Mitarbeiter der Post, des Entsorgungsunternehmens sowie ausgewählter Lieferdienste.

Ausweitung

Christian Tambach schätzt die Funktionalitäten der elektronischen Zutrittslösung: „Vorher sind wir den Schlüsseln hinterhergelaufen, heute können wir Zutrittsberechtigungen aktiv vergeben und entziehen. Außerdem haben wir die Möglichkeit der kurzfristigen Öffnung von Räumen, z.B. von Hörsälen. Mittlerweile ist es sogar so, dass etliche Einrichtungen nach den Beschlägen verlangen wegen der einfachen Organisation ohne Schlüsselbünde und wegen der automatischen Schließung.“ Daher ist eine Ausweitung des Systems über die gesamte Universität das erklärte Ziel. Außerdem soll künftig ein elektronischer Studentenausweis für die knapp 11.000 Studenten eingeführt werden, womit Bibliothek, Mensa und Zutrittskontrolle über ein Medium abgedeckt werden sollen.

Uni Greifswald

Die Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald wurde 1456 gegründet und ist eine der ältesten Universitäten in Deutschland sowie im Ostseeraum. Sie teilt sich in fünf Fakultäten (Theologie, Rechts- und Staatswissenschaften, Medizin, Philosophische Fakultät, Mathematik-Naturwissenschaften). Die Hochschule beschäftigt rund 700 Mitarbeiter und hat etwa 11.000 eingeschriebene Studenten.
www.uni-greifswald.de

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