Videoüberwachung und Gebäudemanagement für mehr Sicherheit im Betrieb

Enhanced Video und Surveillance as a Service

Videoüberwachung vermittelt in jedem Fall ein Gefühl der Sicherheit – wie wirksam sie tatsächlich ist, hängt allerdings stark von der Art der Bildauswertung ab. Moderne IP-Technik und Computer können hier den Menschen von Routineaufgaben entlasten; Surveillance-as-a-Service ermöglicht kostensparendes Outsourcing. Dabei dürfen allerdings die Regeln des Persönlichkeits- und Datenschutzes nicht verletzt werden.

Betrachtet man die reine Bilderfassung, ist Videoüberwachung heute weder technisch noch finanziell ein großes Pro­blem: Die aufwändigen und teuren Analogkameras sind mitsamt ihrer Koaxialverkabelung modernen, digitalen Systemen gewichen. Hochauflösende Kameras, die auch im Infrarotbereich arbeiten, sind nicht zuletzt durch Skalierungseffekte deutlich preiswerter geworden. Datentransfer und -speicherung erfolgen über bewährte IP-Standardnetzwerke und -massenspeicher. Dabei ist die Datenfülle des Videostreams längst kein Problem mehr. Die HD-Aufzeichnungen bieten ­eine willkommene Auflösungsreserve für Ausschnittvergrößerungen.

So vermitteln denn auch die vielen installierten Überwachungseinheiten ein beruhigendes Gefühl der Sicherheit – das aber nicht selten trügt. Eine Studie aus dem öffentlichen Raum im Genfer Pâquis-Quartier belegte, dass sich im überwachten Gebiet immerhin ein Drittel der befragten Personen dank der Kameras nachts sicherer fühlten – obwohl die Technik keinerlei Einfluss auf die Kriminalitäts- oder Aufklärungsrate hatte [1].

 

Vorfilterung gegen

das Aufmerksamkeitsdefizit

Das eigentliche Problem der Videoüberwachung liegt am anderen Ende der Leitung, bei der Auswertung. Wer es verstehen will, braucht sich nur einmal in das Studium eines Testbildes zu vertiefen. Die völlige Gleichförmigkeit lässt die Aufmerksamkeit schon nach Minuten gegen Null tendieren. Andererseits ist es aber ­alles andere als einfach, zwanzig oder dreißig Monitore gleichzeitig im Auge zu behalten oder die Nummernschilder einfahrender Lastwagen auf Betriebshöfen oder Lagerhallen in Echtzeit mit einer ­bereitliegenden Liste abzugleichen.

Da ist es nur logisch, dass Kollege Computer die Sicherheitsleute von Routineaufgaben entlastet. Hier hat die rasant ansteigende Rechenleistung moderner Rechner völlig neue Möglichkeiten bei der automatischen Bildauswertung erschlossen. Intelligente Algorithmen filtern rund um die Uhr den Datenstrom und reduzieren die enorme Informationsmenge auf eventuell sicherheitsrelevante Ereignisse.

Enhanced Video kann heute zugestellte Notausgänge oder herrenlose Gegenstände ebenso zuverlässig erkennen wie Eindringlinge in vordefinierten Sperrzonen. Die Computer lesen in Sekundenbruchteilen die Nummernschilder einfahrender LKW oder verfolgen in Verbindung mit RFID-Tags sogar Warenströme.

Auf diese Weise lassen sich Einkaufszentren ebenso absichern wie Industrieanlagen oder kritische Infrastrukturen. Dabei gilt immer: Die automatische Auswertung übernimmt die Routineüberwachung und schlägt bei Abweichungen von vordefinierten Sollwerten Alarm. Erst dann tritt der Mensch in Aktion und beurteilt der Lage auf seiner Überwachungskonsole.

 

Integration mit der

Gebäudetechnik

Videoüberwachung entfaltet also ihre maximale Leistungsfähigkeit erst, wenn sie in ein ganzheitliches Gebäudemanagement- und -überwachungssystem eingebunden ist. Gebäudeautomationssysteme wie etwa das System „Metasys“ von Johnson Controls führt zum Beispiel die Haus-, Brandschutz, und Sicherheitstechnik zusammen. Meldet die Zugangskontrolle ­eine ungültige Keycard, kann das System sofort eine zusätzliche Beleuchtung aktivieren und die Sicherheitsverletzung auf einem Gebäudeplan anzeigen. Die Security kann dann den Alarm gleich per Video verifizieren. Meldet ein Detektor einen Entstehungsbrand, kann auch dieser Alarm sofort nachverfolgt werden. Gerade bei komplexen Strukturen bietet diese Methode einen deutlichen Zeit- und Sicherheitsgewinn. Untersuchungen zeigen, dass beispielsweise der Brand im Dachstuhl von Notre Dame bei der ersten Vor-Ort-Verifikation möglicherweise übersehen wurde [2]. Die sofortige Verifikation per Video erkennt aber auch viele Falschalarme, und das ohne lange und überflüssige Laufwege. Das reduziert die Belastung für das Sicherheitspersonal und vermeidet gefährliche Alarmmüdigkeit.

Dabei zeigt sich noch ein weiterer Vorteil der Videoüberwachung: Mit ihr lassen sich viele Face-to-face-Kontakte bei Sicherheitsüberprüfungen vermeiden. Gerade in einem Pandemiefall – wie wir ihn derzeit durch Corona erleben –  kann das System also sogar zur Unterbrechung von Infektionsketten beitragen.

 

Anonymisierung und

Persönlichkeitsrechte

So alt wie die Videosysteme selbst ist allerding auch die Diskussion um den Datenschutz. Eine Überwachung des öffentlichen Raumes durch Privatpersonen oder Firmen ist hierzulande in der Regel nicht zulässig. Aber selbst auf dem eigenen Betriebsgelände gilt es, die Sicherheitsinteressen des Unternehmens mit den Persönlichkeitsrechten der Belegschaft in Einklang zu bringen. Hier empfiehlt es sich, von vornherein in Abstimmung mit der Arbeitnehmervertretung zu agieren und zunächst nicht mehr Daten zu erheben als unbedingt erforderlich.

Hierzu ist eine Software zur automatischen Gesichtsverpixelung ein probates Mittel. Auf dem „gesichtslosen“ Stream lassen sich keine Persönlichkeitsprofile erstellen, aber sehr wohl verdächtige Aktivitäten erkennen. Die Anonymität wird erst dann aufgehoben, wenn bereits ein konkreter Anfangsverdacht erkennbar ist. Unverpixelt lässt sich die Aufnahme nur mit speziellen Keycards auslesen. Damit kann man unter anderem Auswertungs-Workflows organisieren, die eine Auswertung nur in Gegenwart ­eines Betriebsrats-Mitglieds zulassen.

 

Outsourcing rund um die Uhr

Die Digitalisierung und die Standardisierung der Übertragungsnormen auf die IT-Strukturen machen es unerheblich, ob die Aufnahme und die Auswertung beziehungsweise Verifikation durch geschulte Fachkräfte nun im selben Gebäude stattfinden oder viele Kilometer voneinander entfernt. Daher ist auch bei der Videoüberwachung Outsourcing ein probates Mittel zur Kosteinsparung. Das erforderliche hoch­qualifizierte Personal kann ein zentralisierter Dienstleister weitaus effektiver einsetzen, sogar im Schichtbetrieb. Video-Surveillance-as-a-Service (VSaaS) wird zum Beispiel von der TÜV- und VdS-zertifizierten Johnson Controls Notruf- und Service-Leitstelle in Ratingen angeboten oder vom Schweizer Pendant Swiss Alertis – an 365 Tagen im Jahr, rund um die Uhr.

Videoüberwachung, das ist heute weit mehr als nur ein Point-to-point-System aus Kamera und Monitor. Immer leistungsfähigere Digitalisierung und Integration ermöglichen die Videoeinbindung in Gebäudeautomations- und Sicherheitssysteme, die in der Summe um ein Vielfaches mehr leisten als ihre Einzelkomponenten. Dementsprechend wichtig ist es für Gebäudeerrichter und -betreiber aber auch, einen Lieferanten und Dienstleister zu wählen, der das komplette Programm im Portfolio hat – von der Planung über die Installation und Integration bis hin zum kostendämpfenden Outsourcing.

[1] Quelle: Neue Züricher Zeitung

[2] Quelle: Die Welt

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