Luftbefeuchtungssystem im Albrecht Dürer Airport Nürnberg

Energieeffizient und ­wartungsfreundlich

Seit 2019 gewährleistet eine Direkt-Raumluftbefeuchtung im Bereich der Sicherheitskontrolle des Flughafens Nürnberg eine konstant optimale Luftfeuchte von 40 %. Das zusätzlich zur Kanalbefeuchtung eingesetzte System schützt Mitarbeiter und abfliegende Passagiere vor elektrostatischen Entladungen und leistet gleichzeitig einen wertvollen Beitrag für mehr Wohlbefinden und Gesundheit.

Der Albrecht Dürer Airport Nürnberg zählt zu den Top 10 der internationalen deutschen Verkehrsflughäfen. Bis zu 4,5 Millionen Passagiere jährlich (2018) schätzen die gute Erreichbarkeit, die kurzen Wege und den persönlichen Service des mittelgroßen Flughafens für Urlaubs- und Geschäftsreisen. So wie sein Namensgeber Albrecht Dürer (1471-1524), der als Maler und berühmtester Sohn Nürnbergs mit seinen Initialen und Selbstbildnissen sowohl die erste Marke als auch das Selfie erfunden haben soll, versteht sich der Airport als Vorreiter und Pionier. „Dabei zeichnet uns besonders der ­familiäre Zusammenhalt und das En­gagement unserer Kolleginnen und Kollegen aus. Wir sind sehr agil und ­innovativ, wenn es darum geht neue Lösungen zu finden, um die Servicequalität für unsere Kunden weiter zu verbessern“, sagt Thomas Harrer, Leiter Betriebstechnik bei der Flughafen Nürnberg GmbH. Ein Beispiel dafür ist die Sicherheitskontrolle, die 2016 in einem neuen Gebäude für alle Terminals zentralisiert wurde, um die Schnelligkeit und den Komfort für die Passagiere zu erhöhen.

 

Elektrostatik im Neubau

Mit der Inbetriebnahme der neuen zen­tralen Sicherheitskontrolle entstanden allerdings bisher unbekannte Probleme mit elektrostatischen Entladungen. Insbesondere an den Rollentischen für die Gepäckbeförderung beschwerten sich die Mitarbeiter massiv über unangenehme Stromschläge. Nach intensiver Analyse möglicher Ursachen wurde eine zu geringe Luftfeuchte im neuen Gebäude als ausschlaggebender Grund festgestellt. Messungen ergaben, dass die Dampf-Luftbefeuchtung in der Zuluft der raumlufttechnischen Anlage mit geregelten 30 % relativer Luftfeuchte nicht ausreicht. Erst bei einer konstanten relativen Luftfeuchtigkeit ab 40 % bildet sich ein natürlicher, leitender Feuchtigkeitsfilm auf schwer leitenden Materialien wie z. B. Gummi oder Kunststoff. ­Dadurch werden auch die isolierenden Oberflächen der Rollentische leitfähiger. Bei Reibungskontakten durch die Gepäckbeförderung und anschließender Trennung ist dann ein vollständiger Ladungsaustausch zwischen den Materialien möglich, ohne dass es zu gefährlichen Aufladungen und schmerzhaften Stromschlägen kommt. „Nachdem wir wussten, wie wir die Elektrostatik-Probleme lösen können, haben wir uns 2018 entschieden, eine zusätzliche Luftbefeuchtung nachzurüsten. Die positiven Effekte auf das Wohlbefinden und die Gesundheit waren weitere Argumente dafür“, fasst Thomas Harrer die dama­lige Ausgangslage zusammen.

 

Weniger Energiekosten

Für die Betriebstechnik der Flughafen Nürnberg GmbH sollte das zusätzliche Luftbefeuchtungssystem zwingend drei Eigenschaften erfüllen: Neben einer möglichst hohen Energieeffizienz sollte auch der Aufwand für den nachträglichen Einbau gering und die Nachrüstung technisch einfach sein. Aufgrund der hohen Abwärme der Kontrollgeräte und der Passagierdichte in der Sicherheitskontrolle war es zusätzlich gewünscht, die Wärmelasten spürbar zu senken und ein angenehmes Raumklima zu schaffen. Die bestehende Elektroden-Dampfbefeuchtung im Luftkanal sollte als Fallback-Lösung betriebsbereit bleiben. Ein Ausbau kam deshalb für Thomas Harrer nicht in Frage: „Nicht zuletzt auch aufgrund der Energiekosten haben wir uns jedoch gegen eine erneute Dampf-Befeuchtung und für eine adiabate Direkt-Raumluftbefeuchtung mit Hochdruckdüsen entschieden. Durch bereits bestehende Geschäftsbeziehungen zur Condair GmbH und überzeugende Referenzbesuche in Nürnberg ist unsere Wahl auf ein Draabe Hochdrucksystem der Schwesterfirma Condair Systems gefallen.“

 

Zusatznutzen Kühlung

Seit 2019 sind in der Sicherheitskontrolle des Albrecht Dürer Airport Nürnberg 37 Hochdruckdüsen-Luftbefeuchter im Einsatz. Die von der Hallendecke abgehängten Systeme sind individuell über dem Anstellbereich und der Gepäckbeförderung positioniert. Die mikrofeine Vernebelung mit einer Tröpfchengröße von unter 15 μm wird durch eine Hochdrucktechnologie erreicht, die das Wasser mit einem Betriebsdruck von bis zu 85 bar durch Hochleistungsdüsen presst. Im Vergleich zu druckluftbetriebenen Düsen- oder Dampf-Luftbefeuchtern wird nur ein Bruchteil der Energiekosten verursacht. Zusätzlich sorgt der ­adiabatische Kühleffekt der Kaltwasser-Verdunstung für ein angenehmes Raumklima: 100 l Wasser einer Hochdruckdüsen-Luftbefeuchtung absorbieren rund 70 kW Wärme bei nur 0,6 kW Energieaufwand. Die gewünschte Mindestluftfeuchte von 40 % wird über Raumsen­soren geregelt, die permanent die Klimasituation im Bereich der Sicherheitskontrolle überwachen und ein gleichbleibend konstantes Feuchteniveau sicherstellen. Die Aktivierung der Hochdruck-Luftbefeuchter erfolgt punktgenau nach Unterschreitung des eingestellten Sollwertes. Das neue System wurde über Modbus auf die BACnet-Gebäudeleittechnik aufgeschaltet, so dass alle Betriebszustände jederzeit überwacht und die Luftfeuchten aufgezeichnet werden können.

 

Überzeugendes Wartungskonzept

Unverzichtbare Anforderung für die Betriebstechnik des Flughafens ist die hygienische und sichere Funktion der Luftbefeuchtung. Garant für die Qualität und die Hygiene der Direkt-Raumluftbefeuchtung ist dabei die mehrstufige Wasseraufbereitung bestehend aus ­Enthärter, Filterstufen, einer zentralen Umkehrosmose und einer zusätzlicher UV-C Entkeimung. Um präventiv vor einer Verkeimung wasserführender Elemente zu schützen, sind regelmäßige Kontrollen, Desinfektionen und der Austausch von stark beanspruchten Systembauteilen erforderlich. Sowohl die systemeigene Wasseraufbereitung als auch die Hochdruckpumpe des Systems sind dafür in tragbare Kleincontainer eingebaut, die zur Wartung ausgetauscht werden. Der Flughafen Nürnberg erhält im Rahmen eines automatisierten Wartungsplanes alle sechs Monate komplett gewartete und desinfizierte Austauschgeräte, die außerhalb des Sicherheitsbereiches in einer Technikzentrale installiert und einfach zugänglich sind. „Dieser Container-Austausch ist neben der adiabatischen High-End-Hochdrucktechnik eines der Alleinstellungsmerkmale bei Condair Systems. Für uns bedeutet dieser Service große Sicherheit, einfaches Handling und wenig Aufwand“, erläutert Thomas Harrer. Dass die Anlage auch im laufenden Betrieb hygienisch funktioniert und dem Stand der Technik entspricht, wird außerdem einmal jährlich durch VDI geprüfte Fachingenieure bestätigt. Da das Draabe System nach der VDI 6022 Blatt 6 zertifiziert ist, gehört diese jährliche Vor-Ort-Prüfung ebenfalls zum Regelservice des Herstellers.

 

Fazit

Nach über zwei Jahren Erfahrung ist
der Albrecht Dürer Airport Nürnberg zufrieden mit der Direkt-Raumluftbefeuchtung: „Wir hatten anfangs zwar ­etwas Probleme, das System in unsere Gebäudeleittechnik einzubinden. Das konnte aber mit Hilfe der kompetenten Ansprechpartner des Herstellers gut gelöst werden. Die Anlage läuft zuverlässig ohne Probleme – ich höre nichts Gegenteiliges und das ist immer das beste Zeichen“, freut sich Thomas Harrer. Aufgrund der hohen Zuverlässigkeit des neuen Luftbefeuchtungssystems wurde die vorhandene Dampfbefeuchtung seither nicht mehr benötigt. Beschwerden der Mitarbeiter über Elektrostatik gibt es ebenfalls keine mehr. „Unser wichtigstes Ziel haben wir damit erreicht“, so Harrer weiter: „Gleichzeitig leistet die zusätzliche Luftbefeuchtung einen wertvollen Beitrag für ein höheres Wohlbefinden und ein gesunderhaltendes Raumklima. Die Raumluft in der Sicherheitskontrolle wird generell frischer und angenehmer für die Atemwege, die Haut und die Augen wahrgenommen.“ Davon profitieren auch die Passagiere, die in Nürnberg seit 2019 nicht nur entspannt abheben, sondern auch ganz entspannt durchatmen können.

Direkt-Raumluftbefeuchtung

Weitere Informationen zur Direkt-Raumluftbefeuchtung mit Praxisbeispielen und einer Checkliste für die technische Gebäudeplanung erhalten Sie unter www.condair-­systems.de/tga

DIN EN 16798 Teil 1

Der im März erschienene nationale Anhang der DIN EN 16798 Teil 1 hat die Empfehlungen für die Mindestluftfeuchten in Gebäuden im Vergleich zur Europäischen Norm deutlich angehoben. Die Norm ist die in Deutschland wichtigste technische Regel zur Planung und Ausführung von Lüftungs- und Klimaanlagen.

Mit dem nationalen Anhang zur DIN EN 16798-1 sind für Deutschland höhere Aus­legungswerte für die Befeuchtung festgelegt worden, die berücksichtigen, welchen Einfluss die Luftfeuchte auf eine mögliche Übertragung von Atemwegsinfekten über Aerosole haben kann. Im Teil 1 der DIN EN 16798 „Energetische Bewertung von ­Gebäuden – Lüftung von Gebäuden: Eingangs-parameter für das Innenraumklima zur Auslegung und Bewertung der Energieeffizienz von Gebäuden bezüglich Raumluft­qualität, Temperatur, Licht und Akustik“ wird die Innenraumqualität neu in vier Kategorien eingeteilt.

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