„Einfacher. Entschlossener. Schneller.“
Der „Tag der Immobilienwirtschaft“ des ZIA in Berlin stand 2026 unter dem Leitmotiv „Einfacher. Entschlossener. Schneller.“ – und genau dieses Motto zog sich durch nahezu alle Debatten. Im Mittelpunkt des Branchentreffens standen die anhaltende Neubaukrise, hohe Finanzierungskosten, schleppende Genehmigungsverfahren sowie der Ruf nach verlässlicheren politischen Rahmenbedingungen.
ZIA-Präsidentin Iris Schöberl machte bereits zur Eröffnung im Berliner Admiralspalast deutlich, wie groß der Handlungsdruck aus Sicht der Branche inzwischen ist. „Es braucht Strukturreformen, die diesen Namen auch verdienen“, sagte Schöberl und kritisierte zu zögerliche Maßnahmen bei Energiepreisen, Staatsmodernisierung und Bürokratieabbau. Die Immobilienwirtschaft fordere schnellere Planungs- und Genehmigungsprozesse sowie mehr Investitionssicherheit.
Unter dem Motto „Einfacher. Entschlossener. Schneller.“ standen zentrale Zukunftsfragen der Branche im Fokus – vom Wohnungsbau über die Ertüchtigung militärischer Liegenschaften bis hin zur digitalen Transformation der Immobilienwirtschaft. Besonders sichtbar war in diesem Jahr das Thema Sicherheit und Verteidigungsfähigkeit. Die sogenannte „Zeitenwende“ spiegelte sich auch im Kongressprogramm wider: Diskutiert wurde unter anderem, welche Rolle die Immobilienwirtschaft beim Ausbau sicherheitsrelevanter Infrastruktur und bei der Modernisierung von Bundeswehrstandorten übernehmen kann.
Ökonom Prof. Dr. Jens Südekum warb in diesem Zusammenhang für eine „strategische statt nostalgische Industriepolitik“. Energie, Infrastruktur, Digitalisierung, Verteidigung und Immobilienwirtschaft müssten stärker zusammengedacht werden. Gebäude seien heute weit mehr als reine Renditeobjekte – sie entwickelten sich zunehmend zu Bestandteilen kritischer Infrastruktur und damit zu einem wichtigen Faktor für die Resilienz des Landes.
Neben der Wohnungsbaupolitik rückten technologische und strategische Zukunftsfragen stärker in den Fokus. Digitalisierung, künstliche Intelligenz und datenbasierte Plattformlösungen wurden als zentrale Treiber der Transformation beschrieben. Viele Diskussionen drehten sich darum, wie digitale Prozesse Planung, Bau, Betrieb und Finanzierung von Immobilien effizienter machen können. Gleichzeitig wurde deutlich, dass ESG-Anforderungen und Energieeffizienz längst nicht mehr nur regulatorische Pflichten sind, sondern zunehmend wirtschaftliche Erfolgsfaktoren werden.
Auch das Facility Management spielte auf dem Kongress eine sichtbar größere Rolle als in den vergangenen Jahren. Vertreter des Branchenverbands gefma betonten vor Ort die strategische Bedeutung eines professionellen Gebäudebetriebs für Dekarbonisierung, Energieeffizienz und Betreiberverantwortung. Im Mittelpunkt standen nachhaltige Betriebsstrategien, digitale CAFM-Lösungen sowie die intelligente Nutzung von Gebäudedaten.
Dabei zeigte sich ein deutlicher Trend: weg von isolierten Einzellösungen hin zu interoperablen Daten-, Prozess- und Entscheidungsräumen zwischen ERP-Systemen, Gebäudedaten, ESG-Anwendungen, KI und Plattformökosystemen. Gerade vor dem Hintergrund steigender Energie- und Betriebskosten sehen viele Marktteilnehmer im Facility Management inzwischen einen entscheidenden Hebel für Wirtschaftlichkeit und Werterhalt von Immobilien.
Insgesamt vermittelte der Kongress das Bild einer Branche im Umbruch: zwischen wirtschaftlichem Druck, regulatorischen Anforderungen und technologischem Wandel. Der Tenor vieler Panels und Gespräche lautete, dass die Immobilienwirtschaft vor allem schnellere politische Entscheidungen, einfachere Prozesse und mehr Planungssicherheit benötigt, um wieder Wachstum und Neubauimpulse zu erzeugen. Gleichzeitig wurde deutlich, dass Digitalisierung, resiliente Infrastruktur und professionelles Facility Management zunehmend als Schlüssel gelten, um Klimaziele, Effizienz und wirtschaftliche Stabilität miteinander zu verbinden.
