So können in Bürogebäuden die DGNB-Kriterien nachhaltig umgesetzt werden

Bauökologie im Praxistest

Die Implementierung von nachhaltigen Baupraktiken, wie sie von der Deutschen Gesellschaft für nachhaltiges Bauen (DGNB) vorgeschrieben sind, erfordert eine präzise Materialauswahl und Planung. Guss mit seiner Langlebigkeit und Recyclebarkeit spielt dabei eine nicht zu unterschätzende Rolle, damit Bauherren eine grüne Vision in die Realität umsetzen können. Mit seinen ökologischen Eigenschaften trägt etwa Guss dazu bei, dass Bürogebäude die DGNB-Kriterien erfüllt.

Obwohl im Kontext der Nachhaltigkeitsbewertung der DGNB ganze Gebäude und nicht die einzelnen Produkte zertifiziert werden, ist die Ökobilanz der Bauprodukte ein wichtiger Faktor. Das Zertifizierungssystem der DGNB als prominentes Beispiel nimmt verschiedene Aspekte in den Fokus: Von der Herstellung der Bauprodukte über den Betriebsenergieverbrauch bis hin zu Produktwechseln während der gesamten Lebensdauer eines Gebäudes. Auch das Lebensende eines Gebäudes und der darin verbauten Produkte, sei es durch Entsorgung oder Recycling, findet Beachtung. In diesem Kontext ist eine sorgfältige Planung in Bezug auf die Materialauswahl unerlässlich, um den hohen Anforderungen von DGNB-zertifizierten Projekten gerecht zu werden.

 

Ganzheitliche Betrachtung

Von den bekannten Zertifizierungssystemen verfolgt die DGNB den ganzheitlichsten Ansatz. Hierbei fließen vier große Themenbereiche zu je einem Viertel in die Gesamtbewertung ein: Ökologie, Ökonomie, Soziales sowie Technik-/Prozess- und Standortqualität. Für jeden einzelnen dieser Themenbereiche und in der Gesamtheit wird je ein Erfüllungsgrad in Prozent ermittelt. Erreichen Gebäude diesen mit 50, 65 oder 80 %, erhalten sie die Auszeichnungen Silber, Gold oder Platin. Zusätzlich gelten Mindestgrade in den einzelnen Kategorien und Mindestwerte für viele Einzelfragen. Die anvisierte Gebäudeauszeichnung wird meist nur dann erreicht, wenn jedes Detail Bestwerte aufweist. Schwächen in einem Bereich durch Übererfüllung in einem anderen auszugleichen, ist nur schwer möglich – vor allem dann nicht, wenn das Zertifikat in Gold oder Platin angestrebt wird. So können schon kleine Fehler im Rahmen des Baugeschehens fatale Folgen nach sich ziehen.

 

Klimaschutz und Energie als ­wichtigstes Kriterium

Unter den 29 Kriterien der DGNB für den Neubau ist ENV1.1 „Klimaschutz und Energie“ mit einem Anteil von 10,4 % am Gesamtergebnis am gewichtigsten. Hierbei wird eine Lebenszyklus-Ökobilanz, darunter eine CO2-Bilanz, des Gebäudes gefordert. Die Lebensdauer des Gebäudes wird dabei aus Gründen der Vergleichbarkeit standardmäßig mit 50 Jahren angenommen. Neben dem Energieverbrauch während des Betriebs bezieht sich die Bilanz auch auf CO2-Emissionen aus der Bauphase sowie der Herstellung der eingesetzten Bauprodukte.

In der Regel entstehen zwei Drittel der CO2-Belastung im Betrieb und ein Drittel beim Bau – daher ist dies nicht zu vernachlässigen. Daraus ergibt sich: Je energiesparender zukünftige Gebäude werden, desto größer wird der Einfluss des Baus und der Bauprodukte auf die Gebäudeökobilanz.

Berechnung der Ökobilanz

Bauherren sollten daher mit Produkten planen, deren vollständige Ökobilanzen – verifiziert durch ein unabhängiges Institut – vorliegen. Eine solche Environmental Product Declaration (EPD) erhalten Produkte in Deutschland meist durch das Institut Bauen und Umwelt (IBU). Allerdings sind dabei nicht immer auch Aussagen über den Verbleib der verwendeten Materialien an deren „End of Life“ enthalten, was die Verwendbarkeit der Ökobilanz in Frage stellt. Stellen die Hersteller der Bauprodukte keine EPDs zur Verfügung, müssen sich Planer und Auditoren von DGNB-Projekten mit Angaben aus Datenbanken behelfen, die generische Ökobilanzen für viele Produktgruppen beinhalten. Es versteht sich von selbst, dass eine herstellerspezifische EPD aber immer aussagekräftiger ist. Einen Mehrwert haben Planer von DGNB-Projekten dann, wenn sie Materialien – etwa Gussrohre eines erfahrenen Spezialisten für gusseiserne Entwässerungssysteme – wählen, für die es komplette und durch IBU verifizierte EPDs gibt. Im DGNB-Navigator sind alle erforderlichen Daten hinterlegt und frei zugänglich.

 

Risiken für die lokale Umwelt

Das Kapitel ENV 1.2 aus dem DGNB-Kriterienkatalog beschreibt das Kriterium „Risiken für die lokale Umwelt“, welches mit 5,2 % in das Gesamtergebnis einfließt. „Ziel ist es, alle gefährdenden oder schädigenden Werkstoffe, (Bau-)Produkte sowie Zubereitungen, die Mensch, Flora und Fauna beeinträchtigen bzw. kurz-, mittel- und/oder langfristig schädigen können, zu reduzieren, zu vermeiden oder zu substituieren.“ [1]

1. Giftigkeit von Produkten:

Deshalb hinterfragt die DGNB alle Materialien und Stoffgruppen kritisch. Aufgrund der konkreten Mindestanforderungen für die angestrebte Gebäudeauszeichnung können schon wenige als giftig geltende Produkte, etwa Dichtungsmittel wie Silikon, die gesamte Zertifizierung gefährden. Eine engmaschige Kontrolle seitens der Planer und der Bauleitung stellt die Einhaltung der Vorgaben – von der Ausschreibung bis zur Baustellenkontrolle ­– sicher. Aufgrund der stabilen metallischen Legierungen und hochwertigen Beschichtungen bei Gussrohrsystemen geht von ihnen keine Gefahr aus, schädliche Substanzen an ihre Umgebung abzugeben.

2. Belastungen der Raumluft

Neben der allgemeinen Giftigkeit von Produkten legt die DGNB großen Wert auf den Verzicht auf Volatile Organic Compounds (VOC). Dies sind flüchtige organische Verbindungen, die bei Raumtemperatur leicht verdampfen und aus unterschiedlichen Quellen stammen können. Eine etwaige Belastung der Raumluft wird vor Inbetriebnahme über Messungen geprüft und entscheidet über die erfolgreiche Zertifizierung. Deshalb gilt es, besonders bei Farben, Lacken, Klebstoffen und Dichtungsmaterialien, die auf der Baustelle verarbeitet werden, deren Potenzial für VOC zu prüfen. Da selbst gängigste Baumaterialien ausdünsten können, müssen die VOC-Grenzwerte für jedes einzelne Produkt bestimmt werden. Von Gussrohren geht in Bezug auf VOC keine Gefahr aus. Auch wenn im Fertigungsprozess solche Verbindungen durchaus im Spiel sind, etwa bei Lösemitteln für die Beschichtungen, werden diese in europäischen Fertigungsstandorten fachgerecht und gesetzeskonform ausgefiltert. Zum Zeitpunkt der Auslieferung sind die Beschichtungen komplett ausgehärtet und geben keine relevanten VOC mehr ab.

3. Besorgniserregende chemische ­Eigenschaften

Neben den flüchtigen organischen Verbindungen in der Raumluft legt die DGNB zudem ein besonderes Augenmerk auf Substances of Very High Concern (SVHC). Gemeint sind Stoffe, die wegen ihrer besonders besorgniserregenden Eigenschaften schwerwiegende Auswirkungen auf Mensch und Umwelt haben können. Die Bezeichnung stammt aus der Europäischen Chemikalienverordnung REACH (Registration, Evaluation, Authorisation and Restriction of Chemicals). Finden sich SVHC-Stoffe in mehr als 0,1-prozentiger Konzentration in Baumaterialien wieder, ist dies innerhalb von Europa von den entsprechenden Lieferanten zu deklarieren. Für das Material Guss trifft diese Gefahr nicht zu, wie der DGNB-Navigator es Planern und Auditoren transparent darstellt.

Auf der sicheren Seite sind Anwender auf der Suche nach geeigneten Materialien ohnehin immer dann, wenn diese das DGNB-Navigator Label tragen. Damit wissen sie, dass im DGNB-Navigator alle benötigten Informationen transparent hinterlegt sind. Dies vereinfacht die Produktwahl insofern, als dass im Rahmen von DGNB-Projekten die Informationen für ENV 1.1 und ENV 1.2 im Allgemeinen schon in der Angebotsphase mitgeliefert werden müssen. Eine spätere Änderung des Fabrikats kann zu Problemen führen, wenn die DGNB-relevanten Produkteigenschaften vom vorgesehenen Fabrikat abweichen oder nicht entsprechend nachgewiesen werden können.

 

Zirkuläres Bauen wird belohnt

Das Thema Wiederverwendbarkeit von Materialien am Produktlebensende und die Verwendung recycelter Stoffe ziehen sich wie ein roter Faden durch den gesamten DGNB-Zertifizierungsprozess. Bereits im Kriterienkatalog „Gebäude Neubau“ von 2018 legt die DGNB großen Wert auf das Thema Rückbau und Recyclingfreundlichkeit. Der Kriterienkatalog 2023 führt dies konsequent fort und verlagert den Fokus darauf, möglichst bereits recycelte Produkte einzusetzen. Es geht um „…Lösungen, die es erlauben, bereits geschaffene Werte möglichst ohne Einbußen wiederverwendbar zu machen, (…) eine Strategie zur Steigerung der aktuellen Materialeffektivität: für eine so gut wie verlustfreie Kreislaufführung von Stoffen“.[2] Da dieses Kriterium mit 3 % auf die Gesamtperformance des Beispiels Bürogebäude einzahlt, punktet der Planer hier zusätzlich, wenn er Bauteile, Produkte oder Werk- und Baustoffe, die aus der Kreislaufwirtschaft stammen, verwendet. Abflussrohrkomponenten aus Guss kommen nachhaltigen Bauprojekten besonders zugute, da sie vollständig auf Metallwerkstoffen aus der Kreislaufwirtschaft basieren und kein Roheisen bei der Herstellung einfließt. Am Ende ihrer Lebensdauer werden sie zu 100 % recycelt, und dem Markt wieder zugänglich gemacht. Neben dem Kriterium des zirkulären Bauens lohnt es sich für Planer, auf mögliche Bonuspunkte des DGNB für den Einsatz wiederverwendeter oder recycelter Produkte nicht zu verzichten.

 

Nachhaltiger durch Flexibilität

Nun endet das Leben eines Gebäudes nicht zwangsläufig nach einer gewissen Anzahl an Jahren. Im Laufe der Zeit können Zweckentfremdungen oder Umnutzungen diverse Anpassungen nötig machen. Auch dies ist ein wiederkehrendes Thema bei der DBNB-Zertifizierung. Verwendete Ressourcen werden bei kontinuierlich genutzten Gebäuden bestmöglich erhalten und verwertet. Hier gewährleisten entscheidende Materialeigenschaften wie Nichtbrennbarkeit und Schallkomfort eine reibungslose zukünftige Umnutzung, etwa bei baulichen Erweiterungen wie Grundrissänderungen oder Aufstockungen. Dank des einfachen und leistungsfähigen Brand- und Schallschutzes von Gussrohrsystemen ist es ohne Probleme möglich, schallschutztechnisch schutzbedürftige Räume auch sehr nah an der Haustechnik anzusiedeln. Zudem sind etwaige neue Brandschutzanforderungen mit Guss einfacher zu erfüllen.

 

Fazit

Materialien wie beispielsweise Guss, durch seine Langlebigkeit und Recyclebarkeit, spielen bei der Verwirklichung nachhaltiger Bauvorhaben und der Erfüllung der DGNB-Kriterien eine wichtige Rolle. Durch ihre vorbildliche Datentransparenz, den konsequenten Verzicht auf gesundheitsgefährdende Stoffe und eine tief verwurzelte Recycling-Philosophie, kombiniert mit hohen technischen Reserven, repräsentieren sie einen exemplarischen Ansatz für verantwortungsbewusste Baupraktiken.




[1] DGNB System – Kriterienkatalog ­Gebäude Neubau Version 2023, S. 63. ­Verfügbar unter: dgnb-kriterium-env-1-2-­gebaeude-neubau-version-2023.pdf

[2] dgnb-kriterium-tec-1-6-gebaeude-neubau-version-2023.pdf (dgnb-navigator.de)

Zertifizierungssysteme

In Deutschland ist die DGNB-Zertifizierung für nachhaltiges Bauen vorherrschend, obwohl auch Systeme wie LEED (Leadership in Energy and Environmental Design) aus den USA und BREEAM (Building Research ­Establishment Environmental Assessment Methodology) aus Großbri­tannien bekannt sind. Diese Zertifizierungen bewerten den Energie- und Ressourcenverbrauch eines Gebäudes sowie gesundheitliche Aspekte für die Nutzer. Es ist zu betonen, dass die Gesamtperformance von Gebäuden und nicht die Bauprodukte, Maßnahmen und Konstruktionen zertifiziert werden, wobei die genaue Bewertung und Gewichtung der Bereiche je nach System variiert.

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