So kann Raumakustik einen Beitrag zur Nachhaltigkeit von Gebäuden leisten

Auf dem Weg zur Klimaneutralität

Für 39 % der weltweiten Treibhausgas-Emissionen ist der Bausektor verantwortlich. Laut Recherchen der Global Alliance for Buildings and Cons­truction werden allein 11 % des CO2-Ausstoßes bei Produktion und Mon­tage der Baumaterialien freigesetzt, die restlichen 28 % fallen beim Betrieb der Gebäude an. Erschreckend? „Im Gegenteil“, sagt Dr. Achim Klein, ­Konzeptentwickler beim Raumakustik-Spezialisten Ecophon. Für ihn sind diese Zahlen die Chance, einen signifikanten Beitrag zur Klimawende zu leisten – wenn alle Bauprozess-Beteiligten an einem Strang ziehen.

Bereits beim Marktstart der Saint-Gobain Ecophon AB vor über 50 Jahren stand die Senkung von Emissionen im Fokus, genau genommen: von Geräusch-Emissionen. Mit seinen ästhetischen Akustikdecken und Wandabsorbern hilft das Unternehmen bis heute dabei, die innenraumtypischen Schallreflexionen zu reduzieren. Dank entsprechender Akustikdecken verstehen Lernende die Lehrkräfte, genesen Kranke in Ruhe, arbeiten Büroangestellte konzentrierter. Damit verfolgen die Schweden von Anfang an das Gesundheitsziel der UN-Nachhaltigkeits-Agenda. Und weil Ecophon das „Eco“ in seinem Namen sehr ernst nimmt, hat sich das Unternehmen seitdem ganz dem Ziel verschrieben, durch Transparenz und Innovation als Branchenerster bis spätestens 2050 eine Nettonull­bilanz zu erreichen.

 

Nachhaltigkeitsziele: Neue ­Prozesse, neuer Materialmix

Die Akustiksysteme aus Glaswolle verfügen über die Absorberklasse A. Doch CO2-Emissionen zu senken, ist eine ganz andere Herausforderung, weil Produktionsprozesse nun mal Energie verbrauchen und dabei Treibhausgase freisetzen. Mit der richtigen Strategie sei das bis 2050 machbar, verspricht Klein, der mit den bereits umgesetzten Schritten andere Unternehmen inspirieren möchte. „Unsere Nachhaltigkeitsstrategie setzt auf drei Säulen“, so Klein: „Optimierung unserer eigenen Prozesse, Transparenz und Einbindung aller Stakeholder.“

Dafür gab es im eigenen Haus zahlreiche Stellschrauben. Bereits seit 2018 betreibt Ecophon seine skandinavischen Produktionsstätten zu 100 % mit Ökostrom, bis 2025 werden weltweit alle Standorte komplett auf den Einsatz fossiler Brennstoffe verzichten. Gleichzeitig optimiert das Unternehmen den Materialmix seiner Produkte immer weiter. Bereits seit 1990 kommt bei den Absorbern Glaswolle zum Einsatz, die aus dem Altglas recycelter Gläser und Flaschen hergestellt wird. Denn das schont nicht nur die natürlichen Ressourcen, sondern senkt Energiebedarf und CO2-Ausstoß. Die Akustikdecke Master A besteht beispielsweise zu mindestens 59 % aus recyceltem Altglas und wird mit innovativen Bindemitteln hergestellt. Das spart jährlich rund 3,9 Mio. Liter Rohöl. Gleichzeitig konnte Ecophon das Treibhauspotenzial des Produkts damit über den gesamten Lebenszyklus betrachtet auf 3,7 kg CO2 äquiv/m2 senken.

Der Fahrplan für die nächsten Jahre steht. Bis 2030 will Ecophon seine direkten Treibhausgas-Emissionen und seine indirekten Emissionen aus eingekaufter Energie (Scope 1 und 2) gegenüber 2017 um 33 % reduzieren. Die indirekten Scope-3-Emissionen aus der Wertschöpfungskette, die beispielsweise in den Produktionsanlagen von Zulieferern anfallen, sollen im selben Zeitraum um 16 % gesenkt und alle nicht rezyklierbaren Abfälle in der eigenen Produktion um 80 % zurückgefahren werden. Schon heute gehören Ecophon-Produkte zu den emissionsärmsten am Markt.

 

Recycling trifft auf Rücknahme-Service

Den Anteil an Recyclingmaterial in der Glaswolle will Klein sukzessive ausbauen: „Glas kann ohne Qualitätsverluste immer wieder in den Stoffkreislauf zurückgeführt werden. Das ist seine große Stärke gegenüber fossilen Materialien, die bislang nach ihrem Lebensende auf den Müll wandern. Gleichzeitig ist das der Schlüssel zu einer geschlossenen Kreislaufwirtschaft, die natürliche Rohstoffquellen schont und den Energiebedarf drastisch senkt.“ Baustellenverschnitt und End-of-Life-Produkte seien die wichtigsten Rohstoffquellen der Zukunft und auf dem Weg in die Klimaneutralität unersetzlich.

Darum hat der Akustik 2021 den Rücknahme- und Verwertungsservice „SoundCircularity“ für Glaswollprodukte mit Farb- oder Vliesoberfläche eingeführt. Er ist bereits in Schweden, Finnland, Dänemark, Deutschland und Frankreich verfügbar und wird Schritt für Schritt in weiteren Ländern ausgerollt. Über das mehrfach prämierte Recyclingsystem können Verarbeiter den Verschnitt von der Baustelle und Verbraucher nicht mehr verwendete Ecophon-Produkte in speziellen Säcken sammeln, von Ecophon abholen lassen und damit zuverlässig in den Stoffkreislauf zurückführen. Verarbeiter, die diesen Service nutzen, erhalten ein Zertifikat, mit dem sie die Teilnahme am Recycling ihren Kunden gegenüber nachweisen können.

 

ReUse und ReFAB

Recycling stellt indes nur eine von vielen Möglichkeiten dar, Ressourcen und Energie zu sparen. Noch nachhaltiger sind Ansätze, die komplett auf die Glasschmelze verzichten. Besonders ressourcenschonend: das ReUse-Konzept, bei dem Ecophon-Akustikplatten einfach woanders weitergenutzt werden, wenn sie an ihrem ursprünglichen Einsatzort nicht mehr benötigt werden. Die Produkte, die mit durchschnittlich 50 Jahren deutlich länger leben als die meisten Inneneinrichtungskonzepte, lassen sich leicht demontieren, lagern, reinigen und wiederverwenden. Aktuell arbeitet das Unternehmen mit Kunden und Partnern an einer ReUse-Plattform, die diesen Prozess möglichst einfach und praxisgerecht gestalten soll.

Seit 2022 arbeitet Ecophon darüber hinaus mit anderen Innovatoren wie The Loop Factory, LINK Arkitektur, Decibel by Johanson, LogTrade Technology sowie der Universität Lund im Rahmen der ReFAB-Initiative an der Entwicklung neuer Technologien, die über die Bau-Wertschöpfungskette hinweg für mehr Ressourceneffizienz sorgen sollen.

 

Transparenz statt Greenwashing

Der Weg in die Nachhaltigkeit ist nur gemeinsam mit allen Prozessbeteiligten möglich sind – vom Hersteller über Planer, Händler und Verarbeiter bis hin zum Gebäudenutzer. Das setzt Transparenz voraus: Seriös nachhaltig kann nur bauen, wer die dafür benötigten Produkte hinsichtlich ihrer Gesundheits- und Umweltaspekte beurteilen und vergleichen kann. Dazu müssen leicht zugänglich verständlich aufbereitete, unabhängig geprüfte Angaben vorliegen. Deshalb bietet Ecophon mittlerweile für 85 % seiner Produkte zertifizierte Umwelt-Produktdeklarationen (EPD) zum kostenlosen Download an, die einen genauen Überblick über alle Umweltwirkungen von Beginn bis Ende des Produktlebenszyklus ermöglichen. Regelmäßig kommen weitere EPDs hinzu. Verifizierte Health Product Declarations (HPD), die alle chemischen Inhaltsstoffe bis auf 0,01 Prozent auflisten und mit einer Risikoliste vergleichen, beleuchten analog die gesundheitlichen Aspekte. Mit offiziell geprüften Zertifikaten über die Qualität der Innenraumluft wie Eurofins Indoor Air Comfort Gold und Indoor Air Comfort Gold weist Ecophon nach, dass über seine Produkte keine schädlichen Chemikalien in die Atemluft gelangen. Und Green Building Score Cards für LEED, BREEAM, WELL und DGNB erläutern, wie Ecophon-Produkte zu Gebäudezertifizierungen beitragen.

Eines ist klar: Über Jahrzehnte etablierte Beschaffungs- und Produktionsstrukturen auf Nachhaltigkeit umzustellen, bedeutet für jedes produzierende Unternehmen enorme Anstrengungen. Lieferketten müssen hinterfragt, Herstellungsprozesse und Materialrezepturen umgestellt und die lineare Wirtschaft auf geschlossene Stoffkreisläufe umprogrammiert werden – ohne Kompromisse bei der Produktqualität eingehen zu müssen. Das erfordert Mut zum Umdenken und Aufgeschlossenheit für einen ehrlichen Austausch. Dr. Achim Klein freut sich auf einen massiven Innovationsschub für die Branche: „Wir werden viele überraschende Neuerungen sehen. Für mich als Akustikspezialisten klingt das gut.“

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