Smartes FM trifft Biotechnologie
Das Frankfurter Innovationszentrum Biotechnologie (FIZ) gilt als Leuchtturmprojekt an der Schnittstelle von Forschung und Wirtschaft. Das erfolgreiche Innovationsökosystem bietet hochflexible Infrastruktur, moderne Büro- und Laborflächen sowie internationale Netzwerke – und setzt darüber hinaus Maßstäbe in Betrieb, Instandhaltung und CO2-Reduktion.
Ein Blick hinter die Kulissen der technischen Gebäudeausstattung macht sichtbar, wie der FIZ-Campus als zukunftsfähiger Life-Science-Standort gestaltet wird.
Das FIZ gilt als zentrale Plattform für Unternehmen der Life-Sciences-Branche in der Rhein-Main-Region. Als marktorientiertes Technologiezentrum bietet es kleinen und mittleren Unternehmen passgenaue Infrastrukturen, um innovative Forschungsergebnisse effizient in marktfähige Produkte und Dienstleistungen zu überführen. Ergänzend bietet das FIZ seinen Mietern bedarfsgerecht Zugang zu internationalen Kooperationsnetzwerken, interdisziplinären Partnerschaften und globalen Märkten.
Das FIZ versammelt eine lebendige und dynamische Gemeinschaft von Unternehmen aus unterschiedlichsten Fachbereichen wie Digital Health, KI-gestützter Wirkstoffentwicklung, klinischer Forschung und moderner Diagnostik. Mit seiner fortschrittlichen Infrastruktur und der günstigen Lage im Wissenschaftscampus Frankfurt-Riedberg fungiert das FIZ als Motor für Innovation und nachhaltiges Wachstum – mit klarer Ausrichtung auf die Zukunftsfähigkeit der Region und ihrer Life-Sciences-Branche.
Architektur, Wachstum und Innovationskraft
Das FIZ wurde im Jahr 2002 als GmbH vom Land Hessen, der Stadt Frankfurt und der Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main gegründet. Die Gründung basierte auf einer Machbarkeitsstudie der Fraunhofer-Gesellschaft, die den Bedarf an flexibler und leistungsfähiger Infrastruktur für Biotech-Unternehmen im Rhein-Main-Gebiet bestätigte.
Das architektonische Konzept stammt vom international tätigen Architekturbüro Henn GmbH mit über 75 Jahren Erfahrung in der Gestaltung innovativer Arbeitsumgebungen in den Bereichen Büro, Wissenschaft, Gesundheitswesen, Industrie, Bildung und Kultur.
Der Gebäudekomplex zeichnet sich durch seine modulare und flexible Bauweise aus, die gezielt auf die wechselnden Anforderungen der Life Sciences-Branche abgestimmt ist. Die moderne Laborinfrastruktur mit Reinraumtechnik und hochspezialisierten Einrichtungen schafft ideale Bedingungen für innovative Forschungs- und Produktionsprozesse. Nachhaltige Bauprinzipien und energieeffiziente Gebäudetechnik ergänzen dies und unterstützen einen klimafreundlichen Betrieb.
Der erste Bauabschnitt mit rund 6.500 m² wurde 2004 eröffnet, gefolgt von einer Erweiterung 2008 um weitere 8.500 m² Büro- und Laborflächen. Aufgrund der hohen Nachfrage und des Erfolgs wuchs der Campus in drei Phasen (2004, 2008, 2014) auf über 19.000 m². Die Erweiterung 2014 folgte nach Vollauslastung der vorherigen Bauabschnitte, um den steigenden Bedarf an modernen Forschungseinrichtungen zu decken.
Heute bietet das FIZ-Raum für über 800 hochspezialisierte Arbeitsplätze und hat sich als zentrales Innovationszentrum für Biotechnologie und Life Sciences etabliert. Es fungiert als wichtiger Technologietransferort zwischen Forschung und Industrie und zieht international renommierte Unternehmen wie Merz Pharma, Cyntegrity, Octapharma Biopharmaceuticals oder Proteome Sciences an.
Erfolgsmodell: Gebäudebetrieb, Instandhaltung und Nachhaltigkeit
Der Betrieb des FIZ ist geprägt von hohen Anforderungen sowohl an die technische Infrastruktur als auch an nachhaltige Gebäude- und Umweltstandards. Das Facility Management stellt einen zuverlässigen 24/7-Betrieb sicher, der speziell auf die komplexen Bedürfnisse eines Life-Sciences-Campus abgestimmt ist. Dazu gehören nicht zuletzt anspruchsvolle Klimatisierungs- und Sicherheitskonzepte, die optimalen Bedingungen für Labore und Reinräume garantieren.
Im Bereich der Gebäudeinstandhaltung verfolgt das FIZ einen ganzheitlichen und proaktiven Ansatz. Regelmäßige Wartungen, modernste Messtechnik und vorausschauende Instandhaltungsmaßnahmen sowie der CO2-Fahrplan von Kieback&Peter sorgen für Werterhalt und Verfügbarkeit der Immobilie. Ausfallzeiten werden so minimiert und die Betriebssicherheit dauerhaft gewährleistet.
Hohe Ansprüche an die TGA
Das FIZ ist mit einer hochmodernen technischen Gebäudeausstattung (TGA) versehen, die den speziellen Anforderungen eines Life-Sciences-Campus gerecht wird. Die Energieversorgung des Campus erfolgt zentral über Fernwärme, ergänzt durch effiziente Wärmetauscher und Wärmemengenzähler, die eine präzise Verbrauchserfassung auf Mietbereichsebene ermöglichen.
Eine durchdachte Kälteversorgung nutzt Rückkühler auf dem Dach, eine Kaltwasserverteilung mit definierten Temperaturniveaus sowie eine Prozesskühlung; zudem erlaubt die freie Kühlung bei Außentemperaturen unter 10 °C eine deutliche Senkung des Energiebedarfs.
Für die Klimatisierung sorgen raumlufttechnische Anlagen mit individuell variablen Luftwechselraten, integrierter Wärmerückgewinnung und Sonderabluftoptionen, die speziell auf die sensiblen Laborumgebungen und Reinräume abgestimmt sind.
Die Gebäudeleittechnik (GLT) basiert auf einem digitalen DDC-System, das Fernzugriffe, Visualisierung, Störmeldungen und Datenarchivierung ermöglicht und sicherheitsrelevante Anlagen wie Brandschutzklappen und Kühlzellen direkt integriert.
Die Elektroversorgung umfasst eine Mittelspannungsschaltanlage mit leistungsstarken Transformatoren (je 800 kVA), ein TN-S-Netz sowie Notstromaggregate, die in kritischen Situationen den Betrieb sichern. Sicherheitsbeleuchtung und ein Blitzschutzsystem gewährleisten zusätzlichen Schutz der Personen und der technischen Infrastruktur. Die eingesetzte Nachrichtentechnik beinhaltet umfassende Zutrittskontrollsysteme (Kartenleser), eine Brandmeldeanlage mit Ringleitung, Evakuierungsanlagen sowie eine strukturierte IT-Verkabelung und unterstützt somit den sicheren und reibungslosen Betrieb.
Notfallmanagement im Störfall
Das FIZ verfügt u.a. über S3-Labore, die besonders hohe Sicherheitsanforderungen erfüllen müssen. S3-Labore sind für den Umgang mit Krankheitserregern der Risikogruppe 3 ausgelegt, die schwere Krankheiten verursachen können und daher besondere Schutzmaßnahmen erfordern. Zu den Anforderungen gehören bauliche Abtrennung, Zugangskontrollen mit Schleusen, ein ständiger Unterdruck zur Verhinderung der Erregerausbreitung sowie hochwirksame Luftfilter. Ebenso sind Autoklaven zur Sterilisation und spezielle Schutzkleidung verpflichtend. Verbindliche Verfahren zur Notfall- und Dekontaminationsversorgung müssen streng befolgt werden.
Angesichts dieser hohen Sicherheitsanforderungen ist ein zuverlässiges Notfallmanagement unverzichtbar. Entsprechend verfügt das FIZ über eine robuste Notfallinfrastruktur, die bei technischen Störungen, Stromausfällen oder Brandschutzereignissen schnell und effektiv greift. In kritischen Bereichen ist eine Notstromversorgung über Dieselaggregate realisiert, deren Lastbegrenzung individuell je Mietbereich eingestellt werden kann. Die Sicherheitsbeleuchtung wird über eine Zentralbatterieanlage im Untergeschoss versorgt, und alle Verkabelungen erfüllen Anforderungen an den Funktionserhalt bis zum Eintritt in den jeweiligen Brandabschnitt (E30).
Sämtliche sicherheitsrelevanten Anlagen wie Brandschutzklappen, Lüftungsausfall oder Zutrittskontrollen sind in die zentrale Gebäudeleittechnik (GLT) integriert. Das System ermöglicht die kontinuierliche Überwachung, Visualisierung und Störmeldungsweiterleitung – auch außerhalb der normalen Betriebszeiten an bis zu vier externe Meldelinien.
Der Brandschutz wird durch eine umfassende Brandmeldeanlage gewährleistet, die Rauch- und Wärmemelder in Laboren, Fluren, Technikräumen und Kellerbereichen umfasst. Zusätzlich sind Druckknopfmelder an allen Fluchtwegen installiert. Die Anlage verfügt über ein Feuerwehrbedienfeld, Blitzleuchte und Laufkarten - eine automatische Alarmweiterleitung an die Feuerwehr ist implementiert.
CO2-Fahrplan für Nachhaltigkeit
Zu den zentralen Akteuren der Nachhaltigkeit zählen neben Politik und Wirtschaft auch die Wissenschaft. Die kommunale Wärmeplanung bildet die übergeordnete städtische Strategie zur klimafreundlichen Wärmeversorgung und Dekarbonisierung des Gebäudebestands in Frankfurt. Als Teil des Wissenschaftsstandorts integriert das FIZ diese Strategie in sein nachhaltiges Facility Management und plant, gemeinsam mit dem Gebäudeautomationsspezialisten Kieback&Peter, die Umsetzung eines CO2-Fahrplans, ein Lösungspaket zur Reduzierung der CO2-Emissionen von Gebäuden. Das FIZ stellt sich damit den Herausforderungen der Zeit wie Klimaschutz, Digitalisierung und Nachhaltigkeit. Durch smarte technische Maßnahmen sichert das FIZ nicht nur den Werterhalt seiner Liegenschaften, es minimiert auch seine Betriebs-Kosten.
Als Basis hierfür erstellt ICM Technologies aus Hamburg, eine Tochtergesellschaft von Kieback&Peter, aktuell den Rahmen mit dem Messkonzept bzw. der Bestandsanalyse für das FIZ. Anschließend folgt die Einrichtung der passenden Messstellen und digitalen Infrastruktur. Mit dieser Verbrauchserfassung wird der CO2-Fahrplan angestoßen und kann dann in weiteren Schritten umgesetzt werden.
Mit Umsetzung des CO2-Fahrplans wird das Frankfurter Innovationszentrum Biotechnologie seine nachhaltige und wirtschaftliche Betriebsweise weiter stärken. Der Fahrplan trägt dazu bei, Ausfälle und Wartungsaufwand deutlich weiter zu minimieren und gleichzeitig die langfristige Dekarbonisierung des Gebäudebestands sicherzustellen. Damit wird die führende Rolle als zukunftsfähiger Life-Science-Campus auch in Bezug auf Energieeffizienz und Umweltverantwortung konsequent ausgebaut.
Zukunftsperspektiven und Erweiterungen
Das FIZ ist aktuell zu 100% ausgelastet. Angesichts steigender Flächennachfrage plant das Innovationszentrum kontinuierliche Anpassungen seiner bestehenden Flächen und Services. Dabei werden aktuelle Trends im Facility Management sowie technologische Innovationen gezielt eingesetzt, um die Campus-Infrastruktur nachhaltig zukunftssicher zu gestalten und die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts weiter zu stärken. Die erfolgreiche Kombination aus moderner Infrastruktur, flexiblem Gebäudemanagement und nachhaltiger Betriebsführung, digital unterstützt durch einen CO2-Minderungsfahrplan, macht das FIZ zu einem wegweisenden Innovationszentrum im Life-Science-Sektor und festigt seine Rolle als exzellentem Forschungs- und Wirtschaftsstandort im Rhein-Main-Gebiet.
Der CO2-Fahrplan in drei Phasen:
Bestandsanalyse: Detaillierte Erfassung und Auswertung der Energiefluss- und CO2-Bilanzen, Datenqualität sowie kaufmännischer und technischer Rahmenbedingungen. Auf dieser Basis werden konkrete Einsparziele vereinbart.
Technische Optimierung: Untersuchung der energetischen Infrastruktur inklusive Verbrauchserfassung mit Sensoren und Zählern, Aufnahme des hydraulischen Schemas, Optimierung der Schnittstellen und Implementierung digitaler Regelsysteme. Bei Bedarf sollen innovative Regelmethoden wie modellprädiktive Steuerung (MPC) zum Einsatz kommen, um den Energieverbrauch bei komplexen Anlagen um bis zu 30 % zu senken.
CO2-Minderung: Kontinuierliche Echtzeitüberwachung, Fernsteuerung und Justierung der Anlagenparameter, die bereits nach wenigen Monaten spürbar zu deutlichen CO2- und Kosteneinsparungen führen werden. Transparente Verbrauchs- und Zustandsberichte ermöglichen eine umfassende Dokumentation und erleichtern das ESG-Reporting. Mit der Erstellung des Messkonzeptes werden gleichzeitig die Anforderungen des GEG überprüft.
Durch die Optimierungsschritte, unter anderem auch die Digitalisierung, Sammlung und Aufbereitung der Realtime-Messungen, das Monitoring und die Fernwartung wird im letzten Part des Klimakonzeptes bereits eine erste CO2-Minderung erreicht – und das bereits nach nur rund drei Monaten. Basis des CO2-Fahrplans ist das cloud-basierte BEMS (Building Energy Management System) Qanteon von Kieback&Peter. Seine anlagenzentrierte Darstellung hilft den Nutzern, alle Betriebszustände und Energieflüsse schnell zu erfassen. Mit seiner übersichtlichen Darstellung können Energieeinsparpotenziale per Verbrauchsanalysen identifiziert und so der Energieverbrauch und die CO2-Emissionen des Gebäudes reduziert werden.
