Lösungen für das städtische FM und die Stadtgestaltung
Während der EuroFM-Konferenz 2025 in Trondheim nahmen drei internationale Studententeams an der jährlichen Student Challenge teil, um zu untersuchen, wie das Facility Management aktiv zu einer nachhaltigeren Zukunft beitragen kann. Kamile Uikyte, Judith Bogema, Teun van Aalten und Isabelle Sigg konzentrierten sich auf ein Thema, das für den Berufsstand zunehmend an Bedeutung gewinnt: soziale Nachhaltigkeit.
Künstliche Intelligenz und digitale Technologien gewinnen im städtischen Facility Management zunehmend an Bedeutung, da Städte nach Wegen suchen, effizienter, nachhaltiger und sozial integrativer zu werden.Dieser Artikel untersucht, wie ethische und regulatorische Rahmenbedingungen für KI den verantwortungsvollen Einsatz dieser Technologien im städtischen Facility Management unterstützen. Außerdem wird die Rolle digitaler Werkzeuge bei der Förderung sozialer Nachhaltigkeit näher beleuchtet und es werden verschiedene Länder KI und städtisches Facility Management angehen. Insgesamt zeigt der Bericht, dass der erfolgreiche Einsatz von KI in Städten nicht nur von der Technologie abhängt, sondern auch von guter Regierungsführung und einem menschenzentrierten Ansatz.
Ethik-Richtlinien
Aktuelle ethische und regulatorische Rahmenbedingungen für künstliche Intelligenz zielen darauf ab, sicherzustellen, dass KI-Systeme sicher, transparent und verantwortungsvoll eingesetzt werden. Das EU-KI-Gesetz ist der erste große rechtliche Rahmen in Europa, der KI regelt. Es unterteilt KI-Systeme in verschiedene Risikostufen und schreibt strenge Vorschriften für Systeme mit hohem Risiko vor, wie beispielsweise gute Datenqualität, klare Dokumentation, Transparenz und menschliche Aufsicht (Europäisches Gesetz über künstliche Intelligenz, 2024). Das Gesetz betont zudem die Bedeutung des Schutzes der Grundrechte, der Vermeidung von Diskriminierung und der Verständlichkeit von KI-Entscheidungen. Diese Vorschriften gelten nicht nur für Organisationen innerhalb der EU, sondern auch für solche außerhalb der EU, sofern sie KI-Systeme auf dem europäischen Markt nutzen. Während das EU-KI-Gesetz ein verbindliches Gesetz ist, konzentrieren sich die ISO-Normen darauf, Organisationen dabei zu helfen, KI zu verstehen und zu verwalten. Die Norm ISO/IEC 22989 erläutert wichtige Begriffe, Definitionen und Grundkonzepte für vertrauenswürdige KI, wie Transparenz, Fairness, Sicherheit, Robustheit und Rechenschaftspflicht (Internationale Organisation für Normung, 2022). Diese einheitliche Terminologie hilft Organisationen und unterstützt die Entwicklung weiterer KI-Normen.
Die Norm ISO/IEC 42001 setzt diese ethischen Grundsätze in konkrete Anforderungen an ein KI-Managementsystem innerhalb von Organisationen um. Die Norm legt dar, wie Risiken identifiziert und reduziert werden sollten, wie Verantwortlichkeiten zugewiesen werden, wie Daten verantwortungsvoll genutzt werden und welche Maßnahmen erforderlich sind, um KI-Systeme zu überwachen und kontinuierlich zu verbessern (Standard Norge, 2024). Ein Schwerpunkt liegt auf Transparenz, Dokumentation und einer klaren menschlichen Aufsicht, um potenzielle Schäden frühzeitig zu erkennen und zu verhindern (Standard Norge, 2024).
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die drei Rahmenwerke gut miteinander harmonieren. ISO/IEC 22989 liefert die grundlegenden Definitionen, ISO/IEC 42001 erläutert, wie Organisationen KI verantwortungsvoll verwalten sollten, und das EU-KI-Gesetz legt die rechtlichen Vorschriften fest. Zusammen schaffen sie eine klare und einheitliche Struktur für den sicheren und verantwortungsvollen Einsatz von KI.
Technologien für das städtische FM und soziale Nachhaltigkeit
Das städtische Facility Management stützt sich zunehmend auf digitale Technologien, um Herausforderungen im Zusammenhang mit rascher Urbanisierung, Umweltzerstörung und sozialer Gerechtigkeit zu bewältigen. Technologien wie Künstliche Intelligenz (KI), Digital Twins, Building Information Modeling (BIM), Geografische Informationssysteme (GIS) und Internet-of-Things (IoT)-Plattformen ermöglichen datengestützte Planung, effizientes Ressourcenmanagement und eine widerstandsfähige städtische Infrastruktur (Batty, 2018; Bibri & Krogstie, 2017).
Städtische digitale Zwillinge integrieren Echtzeit-Sensordaten mit BIM und GIS, um dynamische Darstellungen städtischer Umgebungen zu erstellen. Diese Systeme unterstützen die Optimierung der Flächennutzung, die Überwachung der Infrastruktur, die Katastrophenvorsorge und ein energieeffizientes Gebäudemanagement (Dembski et al., 2020; Lu et al., 2020). BIM liefert detaillierte Informationen auf Gebäudeebene, während GIS räumliche Analysen auf Stadtebene ermöglicht, was gemeinsam eine nachhaltige Planung und die Widerstandsfähigkeit der Infrastruktur fördert (Noardo et al., 2020).
Über die betriebliche Effizienz hinaus spielen städtische Technologien eine bedeutende Rolle bei der Förderung der sozialen Nachhaltigkeit. Sozial nachhaltige Städte legen den Schwerpunkt auf Barrierefreiheit, Gerechtigkeit, Sicherheit und Bürgerbeteiligung (Dempsey et al., 2011). KI-gestützte Stadtgestaltung – einschließlich der Analyse von Bürgerfeedback, Social Mapping und Verhaltensanalysen – hilft dabei, benachteiligte Gemeinden zu identifizieren und Komfort, Mobilität sowie die öffentliche Sicherheit zu verbessern (Kandt & Batty, 2021). Neue Konzepte wie „Civic Digital Twins“ erweitern technische Modelle durch die Einbeziehung partizipativer Prozesse und ermöglichen es den Bewohnern, sich an Entscheidungsprozessen zu beteiligen und städtische Räume mitzugestalten (Dembski et al., 2020).
Technologiegetriebenes Stadtmanagement bringt jedoch Herausforderungen in Bezug auf Governance und Ethik mit sich. Fragen im Zusammenhang mit Datenschutz, Überwachung, ungleichem Zugang und algorithmischer Voreingenommenheit können die soziale Gerechtigkeit untergraben, wenn sie nicht angemessen angegangen werden (Kitchin, 2014). Wirksame Governance-Rahmenbedingungen, Transparenz und inklusive Beteiligung sind daher unerlässlich, um sicherzustellen, dass digitale Innovationen zum städtischen Wohlbefinden beitragen, anstatt bestehende Ungleichheiten zu verstärken.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass digitale Technologien leistungsstarke Werkzeuge zur Verbesserung des städtischen Facility Managements und der Nachhaltigkeit bieten. Ihr erfolgreicher Einsatz hängt davon ab, technologische Effizienz mit Prinzipien der sozialen Nachhaltigkeit zu verbinden, um sicherzustellen, dass städtische Räume nicht nur intelligent und widerstandsfähig sind, sondern auch inklusiv und menschenzentriert.
Vergleich zwischen Österreich, der Schweiz und den Niederlanden
Die Anwendung des „Urban FM Placemaking Framework“ auf nationaler Ebene verdeutlicht die unterschiedlichen Stärken von Österreich, der Schweiz und den Niederlanden. Die Schweiz schneidet insgesamt am besten ab, insbesondere in Bezug auf die Qualität der Infrastruktur, die Zuverlässigkeit der Dienstleistungen, die Sicherheit, die digitale Wettbewerbsfähigkeit und die Umweltleistung, unterstützt durch einen kohlenstoffarmen Strommix und ein hohes institutionelles Vertrauen (Europäische Kommission, 2023; Institute for Management Development [IMD], 2025; Internationale Energieagentur [IEA], 2023).
Die Niederlande zeichnen sich durch Stadtgestaltung, Erreichbarkeit, Mobilität und Stadtmanagement aus, insbesondere in den Bereichen Fahrradinfrastruktur, digitale öffentliche Dienste und datengestützte Stadtverwaltung. Allerdings weisen sie im Vergleich zu Österreich und der Schweiz weiterhin eine höhere Kohlenstoffintensität auf (Europäische Kommission, 2023; IMD, 2025; IEA, 2024).
Österreich weist ein ausgewogenes Profil auf, das eine hohe Lebensqualität in den Städten, starke öffentliche Dienstleistungen und einen hohen Anteil an Strom aus erneuerbaren Energien vereint. Zwar hinkt Österreich derzeit der Schweiz und den Niederlanden beim Einsatz fortschrittlicher KI und bei der Digitalisierung des Facility Managements hinterher, doch bieten die Qualität der Regierungsführung und die Nachhaltigkeitsleistung eine solide Grundlage für die künftige Integration (Europäische Umweltagentur [EEA], 2024).
Der Vergleich zeigt, dass die Schweiz aufgrund ihrer starken Infrastruktur, ihrer digitalen Leistung, des Vertrauens in die Institutionen und ihrer Umweltbilanz insgesamt führend ist. Die Niederlande zeichnen sich durch Stadtgestaltung, Mobilität und fortschrittliches digitales Stadtmanagement aus, weisen jedoch eine höhere Kohlenstoffintensität auf. Österreich bietet ein ausgewogenes und nachhaltiges Modell mit hoher Lebensqualität und starker Governance, das eine solide Grundlage für die künftige Integration von Digitalisierung und KI bildet. Die Beispiele verdeutlichen, dass unterschiedliche Ansätze erforderlich sind, um in sozial nachhaltigen städtischen Räumen erfolgreich zu sein.
Eine vergleichende Perspektive: von EU bis USA
Der europäische Ansatz im Bereich der KI steht in deutlichem Kontrast zum marktorientierten Modell der Vereinigten Staaten und zum in Malaysia zu beobachtenden Ansatz des Kapazitätsaufbaus. Die Vereinigten Staaten sind führend bei der Einführung von KI aufgrund starker Unternehmensinvestitionen, einer produktivitätsorientierten Umsetzung und eines wenig regulierenden, sektorspezifischen regulatorischen Umfelds, das schnelle Experimente und die Skalierung von KI-Lösungen für Unternehmen ermöglicht, auch im Facility Management (McKinsey & Company, 2025).
Malaysia verfolgt einen vorsichtigeren und schrittweisen Ansatz. Aus Sicht der Praktiker wird die KI-Implementierung durch begrenzte Basisdaten, traditionelle Arbeitspraktiken und sich entwickelnde Governance-Rahmenbedingungen eingeschränkt. Der Schwerpunkt liegt auf der Schaffung solider digitaler Grundlagen, wie BIM, Sensoren und digitale Zwillinge, bevor man zu einer ausgereiften KI-Nutzung übergeht, wobei gleichzeitig Transparenz, kulturelle Angleichung und ethische Verantwortung gewährleistet werden (Pavithran, Interviewzusammenfassung).
Insgesamt lassen sich bei diesem Vergleich drei unterschiedliche Entwicklungswege erkennen: Die EU räumt Regulierung und ethischer Governance Vorrang ein, die Vereinigten Staaten legen den Schwerpunkt auf Geschwindigkeit und Innovation, und Malaysia konzentriert sich auf die Schaffung der notwendigen Grundlagen und die soziale Nachhaltigkeit im KI-gestützten Facility Management.
Fazit
Künstliche Intelligenz und digitale Technologien bieten dem städtischen Facility Management erhebliche Potenziale für Effizienz, Nachhaltigkeit und bessere Lebensqualität. Entscheidend für ihren erfolgreichen Einsatz ist jedoch nicht allein die Technologie, sondern ein klarer ethischer und regulatorischer Rahmen. Nur wenn Aspekte wie Transparenz, Datenschutz und soziale Gerechtigkeit konsequent berücksichtigt werden, können digitale Lösungen einen echten Mehrwert für Städte und ihre Bewohner schaffen. Für das Facility Management bedeutet dies, technische Innovationen stets mit einem menschenzentrierten Ansatz zu verbinden und aktiv an einer verantwortungsvollen Stadtentwicklung mitzuwirken.
