Neue Lichttechnik für die Rindermarkthalle Hamburg

Lichtsanierung im Bestand

Wie sich architektonische Identität, nachhaltiges Denken und moderne Lichttechnik verbinden, zeigt die Beleuchtungssanierung der Rindermarkthalle in Hamburg-St. Pauli. Der markante Bau mit seinem rauen Indus­triecharme ist ein fester Treffpunkt im Viertel und geprägt von seiner charakterstarken Beleuchtung. In Zusammenarbeit mit dem Lichtplanungsbüro Marc Nelson lichtdesign entwickelte Lichtwerk eine Lösung, die die prägenden Designleuchten erhält und zugleich mit zukunftsfähiger LED-Technik, hoher Lichtqualität und smarter Steuerung ausstattet.

Die Rindermarkthalle ist weit mehr als ein Nahversorgungszentrum – sie ist ein Ort der Begegnung im Herzen von St. Pauli. Das ursprüngliche Gestaltungskonzept mit industriellen Materialien, freiliegenden Installationen und hochwertigen Designleuchten prägt die Atmosphäre: Stählerne Tragwerke, rohe Estriche und offene Lüftungskanäle schaffen einen Raum, der von seinem rauen Charme lebt. Diese Authentizität bildet die Bühne für das Licht – reduziert, robust, bewusst inszeniert – und macht die Halle zu einem Statement zwischen Geschichte und Gegenwart.

Doch technisch war das Beleuchtungssystem aus dem Jahr 2015 überholt: Die Pendelleuchten arbeiteten mit T5-Lampen oder veralteten LEDs. Hinzu kamen heterogene Lichtfarben, unzureichende Beleuchtungsstärken und starkes Flickern. Ein Austausch der bestehenden Leuchten kam für den Lichtplaner Marc Nelson jedoch nicht infrage: „Das Konzept lebt von diesen Körpern im Raum. Es war unsere Verantwortung, eine Lösung zu finden, die Substanz bewahrt und dennoch technisch auf den neuesten Stand bringt.“

 

Individuelle Lösungen für ­unterschiedliche Leuchtentypen

Für drei Leuchtentypen entwickelte Lichtwerk nach den Lichtberechnungen und Empfehlungen von Marc Nelson individuelle Sanierungslösungen auf der Basis von Standardkomponenten: In das Aluminiumgehäuse des „Outsider“ wurde ein Einsatz mit vier 2x2-LED-Modulen aus der Serie beo integriert. Das „Luftschiff“ erhielt eine Einheit auf Basis des Systems clip, angepasst an die Geometrie und die ursprünglichen Lichtaustrittsflächen. Auch die abgependelten Doppelstrahler wurden mit einem LED-Strahler der Serie rotara erneuert, allerdings eingefasst in ein neu gefertigtes Gehäuse, das jedoch die ursprüngliche Formensprache beibehält.

Nicht nur technische, auch gestalterische und denkmalpflegerische Aspekte flossen ein. Da keine Originalzeichnungen vorlagen, rekonstruierte Marc Nelson lichtdesign die Geometrien anhand demontierter Leuchten. So ließen sich die Gehäuse vollständig erhalten, Aufhängepunkte wurden belassen und nur sicherheitsrelevante Bauteile wie Stahlseile erneuert. Vor der Serienumsetzung testete Lichtwerk Prototypen hinsichtlich Thermik, Lichtverteilung und Betriebssicherheit. Das Ergebnis: Die neue Beleuchtung erreicht über 600 Lux auf der gesamten Markthallenfläche, bei homogener Lichtfarbe von 3000 K und praktisch flickerfreier Abgabe. Das bedeutet eine Vervierfachung der Lichtleistung, verbunden mit hoher Energieeffizienz und längerer Lebensdauer.

Steuerung ohne Eingriff in die ­Infrastruktur

Die Anlage setzt auf ein Funksteuerungskonzept mit Casambi-Komponenten, das ohne neue Leitungen auskommt. Die ursprüngliche 3-adrige Zuleitung blieb erhalten. So lassen sich Leuchten via Bluetooth in Gruppen schalten, dimmen und szenisch steuern, etwa für Konzerte, Veranstaltungen oder temporäre Märkte. Auch im Eingangsbereich wurde die Beleuchtung optimiert: Hier ersetzen Leuchten vom Typ worker (von Re­giolux) die Altleuchten. Mit tief-breitstrahlender Optik, Lichtströmen bis 16.400 lm und differenzierter Lichtfarbwahl markieren sie den Eingang nun klar erkennbar. Eine besondere Wirkung zeigt sich am „Marktplatz“ im Zentrum der Halle. Der Bereich war zuvor dunkel und kaum genutzt. Seit der Sanierung mit neu bestückten Leuchten und zusätzlichen LED-Strahlern ist er belebt, der große Tisch stets besetzt, die Aufenthaltsqualität deutlich gestiegen. „Der Zugewinn an Lichtqualität und Funktionalität in dieser Halle, in der Beton, Cortenstahl und schwarze Raumtrenner wenig Reflexionsflächen bieten, ist enorm,“ bestätigt Marc Nelson.

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