Immobilienwirtschaft drängt auf Strukturreformen
Das ZIA-Frühjahrsgutachten 2026 zeichnet ein klares Bild: Die Immobilienwirtschaft sieht die aktuelle Lage nicht als kurze Schwächephase, sondern als strukturelle Krise – und fordert deshalb „echte Strukturreformen“ statt einzelner, kleinteiliger Maßnahmen. ZIA-Präsidentin Iris Schöberl betont, die wirtschaftlichen Signale seien „keine kleine Delle“, sondern Ausdruck grundlegender Probleme, die Investitionen und Wachstum bremsen.
Besonders deutlich wird das am Bau: Die Bauwirtschaft zählt laut Gutachten zu den am stärksten belasteten Sektoren, die Bruttowertschöpfung liegt rund ein Viertel unter dem Niveau von 2022. Gleichzeitig bleibt der Wohnungsbau im Krisenmodus: Für 2025 werden nur knapp 235.000 fertiggestellte Wohnungen erwartet, für 2026 sogar nur rund 215.000 – jeweils deutlich unter dem Bedarf. Vor diesem Hintergrund verlangt die Branche vor allem schnellere und vereinfachte Genehmigungsprozesse, niedrigere Erwerbsnebenkosten (insbesondere bei der Grunderwerbsteuer) sowie eine strukturelle Überprüfung der Mietregulierung.
Für Betreiber und Facility Manager ist die Stoßrichtung des Gutachtens besonders relevant, weil sich der Schwerpunkt weiter in Richtung Bestand verschiebt: Wenn Neubau aus Kostendruck, Unsicherheit und langen Verfahren heraus stockt, gewinnen Sanierung, Revitalisierung und Umnutzungen an Gewicht – häufig bei laufendem Betrieb. Das bedeutet in der Praxis mehr Anforderungen an technische Betriebsführung, Instandhaltungs- und Modernisierungsplanung, Betreiberpflichten sowie ein professionelles Schnittstellenmanagement zwischen Eigentümer, Planung, Ausführung und Nutzer. Gleichzeitig benennt das Gutachten auch stabilisierende Faktoren wie eine Beruhigung bei Inflation und Zinsen, was wieder mehr Planbarkeit schaffen kann – allerdings ohne die strukturellen Bremsen zu lösen. Insgesamt ist die Botschaft an die Branche damit doppelt: Wer Gebäude wirtschaftlich betreiben will, muss noch stärker auf effiziente Bestandsstrategien setzen – und hofft parallel auf Rahmenbedingungen, die Umbau, Sanierung und Investitionen schneller und verlässlicher möglich machen.
