Nachhaltigkeit beim Planen, Bauen und Betreiben von Gebäuden

Hanseatischer FM-Tag 2015

Am 8. Mai fand im Rahmen des Fernstudiums Master Facility Management der Wings traditionell der „Hanseatische Facility Management Tag“ in Wismar statt. Referenten des GEFMA, des DGNB sowie des BBSR diskutierten mit ca. 80 Fernstudierenden sowie Experten aus der Praxis über das Thema „Nachhaltigkeit beim Planen, Bauen und Betreiben von Gebäuden“. Inhaltlich knüpfte die Veranstaltung an den „1. Sustainable Habitat Summit“ an, der im Jahr 2010 in Wismar stattfand.

Nachhaltigkeit in der Lebenszyklusbetrachtung von Gebäuden: Welche Entwicklungen gibt es? Welche Trends zeichnen sich ab? Das wollte Wings im Rahmen des Fernstudiengangs „Master Facility Management“ erörtern und hat gemeinsam mit dem Institut für Angewandte Informatik im Bauwesen e.V. (IAIB) und der GEFMA-Lounge Mecklenburg-Vorpommern zum 8. Hanseatischen Facility Management Tag in das geschichtsträchtige Zeughaus der Hansestadt Wismar eingeladen. Professor Klaus Uwe Fehlauer ist Studiengangsleiter. Er hat die Tagung am 8. Mai organisiert und um kritische Auseinandersetzung mit den aktuellen Zertifizierungssystemen und ihrer Anwendung in der Praxis gebeten.
 
Ein solches System ist das „Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen“ (BNB) des Bundesbauministeriums. Nicolas Kerz, Leiter der dazugehörigen Geschäftsstelle vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung, nannte Gründe, warum es sich gut in der Branche etablieren konnte: „Bewertungssysteme wie das BNB helfen, komplexe und möglichst ganzheitliche Planungsansätze in Projekten zu initiieren.“ Kerz sieht es primär als Orientierungshilfe und „Kompass für Nachhaltigkeitskriterien“. Aufbauend auf fünf Jahren Erfahrung im Bundesbau empfiehlt der Experte eine abschließende Bewertung und Überprüfung der durchgeführten Projekte als notwendige Qualitätssicherung. Sein Appell an die Ausbilder: „Teile der im BNB adressierten Nachhaltigkeitskriterien müssen nunmehr sukzessive in die Ausbildungen von Architekten und Ingenieuren integriert werden.“ Nur so werde Nachhaltigkeitswissen auch Allgemeinwissen, könne breite Anwendung finden und neue Standards setzen. Laut Kerz will sich der Bund zukünftig neben dem Neubau auch stärker auf den Gebäudebestand fokussieren.
 
Im vergangenen Jahr wurde mit der GEFMA-Richtlinie 160 ein neues Zertifizierungssystem am Markt platziert. Dieses schließt die Lücke hinsichtlich der nachhaltigen Gebäudebewirtschaftung in den bisherigen Systemen. Ein wichtiger Faktor: Denn durchschnittlich entfallen 87 % der Lebenszykluskosten auf den Gebäudebetrieb. Brigitte Bourscheidt von der GEFMA erklärte, dass mit der Richtlinie die Bewertung der FM-Leistung unabhängig von der Gebäudequalität möglich wird: „Mit der Richtlinie 160 werden nur die Serviceprozesse bewertet – bauliche Voraussetzungen spielen keine Rolle.“ Laut Bourscheidt bezieht sich die Bewertung insbesondere auf den nachhaltigen Betrieb von Bestandsimmobilien mit dem Fokus „Büro und Verwaltung“. Sie sagte: „Entlang der Richtlinie können wir einen Gebäudebetrieb einheitlich, strukturiert und objektiv bewerten und darüber hinaus die Ergebnisse in die Nachhaltigkeitsberichterstattung der Unternehmen einfließen lassen.“ Die Expertin betonte, dass Nachhaltigkeitsberichterstattungen zunehmend an Bedeutung gewinnen.
 
Ein greifbares Beispiel zum Thema Nachhaltigkeit beim Planen, Bauen und Betreiben lieferten die Ingenieure der MHB Planungsgesellschaft mbH Rostock. Auf der Vorgänger-Tagung zum Thema Nachhaltigkeit, dem „1. Sustainable Habitat Summit“ im Jahr 2010 in Wismar, waren sie noch zuhörende Teilnehmer. In diesem Jahr konnten sie bereits den Neubau der AIDA Firmenzentrale „AIDA Home“ in Rostock vorstellen – das erste Verwaltungsgebäude in Mecklenburg-Vorpommern, das nach den Richtlinien der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) zertifiziert wurde.
 
Studiengangsleiter Fehlauer resümierte: „Das effiziente Gebäudemanagement erfordert eine ganzheitliche Herangehensweise und gut ausgebildete Fachkräfte, die die Forderungen nach Nachhaltigkeit in die Praxis umsetzen können.“ Diese bildet Wings seit 2006 im berufsbegleitenden Fernstudium „Master Facility Management“ aus.
 
 
Infos unter www.wings-fernstudium.de/mfm


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