FACILITY MANAGEMENT im Interview zur Conject-Übernahme durch Aconex

Einen Marktführer für Bau- und Immobilien-Software schaffen...

Mit Wirkung zum 31. März 2016 hat der australische Software-Hersteller Aconex die Conject Holding von den Venture Capital Unternehmen Earlybird und Seventure übernommen. Doch noch sind eher Fragen offen als geklärt, denn wie wird es mit dem deutschen Softwarehaus in dem deutlich größeren australischen Unternehmen weiter gehen? Hierzu haben wir Conject-CEO Dr. Ralf Händl und Henry Jones, Senior Vice President EMEA and Global Accounts bei Aconex befragt.

In Deutschland und Europa gibt es eine Reihe von leistungsfähigen Software-
Anbietern in der Bau- und Immobilienbranche.
Warum hat Aconex gerade Conject ausgewählt?

Henry Jones: Europa ist in unserem Segment für Bausoftware der zweitgrößte Markt weltweit und wir planen eine intensive Bearbeitung dieses Marktes. Dazu passt, dass Conject ein Marktführer für Collaboration-Tools im europäischen Markt ist.
Das Unternehmen hat die kritische
Größe und einen entsprechenden Kundenstamm. Zudem haben die Conject-Mitarbeiter sehr viel Erfahrung und schließlich passt die Unternehmens­kultur sehr gut zu unserer.

Dr. Ralf Händl: Die beiden Unternehmen zu verschweißen, schafft den weltweiten Marktführer für Software im Bau- und Immobiliensektor, insofern
ist es eine logische Konstellation.

Jones: Stimmt, mit Aconex decken wir ein breites Portfolio von der Entwurfsphase über Bau bis zum Gebäudemanagement ab, aber wir haben keine Facility Management-Lösung im Angebot.

Händl: Ja, das FM-Geschäft ist noch nicht Teil des Aconex-Portfolios, aber es wird für die Zukunft ein Benefit sein, diesen Bereich auch abdecken zu können.

Wie lange haben die
Verhandlungsgespräche
eigentlich gedauert?

Händl: Das kann ich ziemlich genau sagen. Den ersten Anruf erhielt ich am 15. September vergangenen Jahres, als mich Aconex-CEO Leigh Jasper im Urlaub anrief...

...was dann ein Running Gag ist, da Sie ja gerade wieder im Urlaub sind...

Händl: Stimmt, da bin ich gerade wieder. Und nach diesem ersten Telefonat im September haben wir die Gespräche Ende Oktober intensiviert. Dann waren verschiedene Due-Diligence-Aspekte zu klären, es kamen die Weihnachtsferien –wenn man das alles mit einbezieht, waren wir wirklich sehr schnell.

Jones: Tatsächlich haben wir im Kern weit weniger als ein halbes Jahr bis zur Unterschriftsreife benötigt.

Die Akquisition von Conject kostet Aconex 65 Millionen Euro. Das ist viel Geld. Ist es nicht zu viel Geld?

Jones: Sowohl mit Blick auf den
Um­satz als auch auf den EBITDA und ihre jeweils steigende Tendenz mit entsprechenden Perspektiven auch für die Amortisation denke ich, dass es ein
für beide Seiten guter Preis ist.

Das haben auch unsere Bewertungen
im Vorfeld schon gezeigt.

Händl: Auch mit Blick auf die Performance von Aconex an der australischen Börse ist es ein guter Preis, und wir werden bald außerordentlich wachsen.

Wird Aconex nur einige
Elemente der eigenen Software in das Conject-Produktportfolio integrieren oder ist mehr zu erwarten?

Jones: Es ist sicher noch zu früh, hierzu etwas zu sagen. Als nächstes müssen wir erst einmal in die Integrationsplanung einsteigen. Auf so detaillierte Fragen zu antworten, würde nur Verwirrung stiften.

Fragen wir anders: Wird Aconex die Marke Conject integrieren oder wird Conject mittelfristig als Player ganz aus dem Markt verschwinden?

Händl: Schauen Sie, wir haben hier zwei große Unternehmen, und unsere Strategie werden wir sehr sorgfältig und umsichtig entwickeln. Ab April, wenn die geschlossenen Verträge Gültigkeit haben, werden wir zunehmend im Detail arbeiten können und dann auch sehen, was für Aspekte wir für welche Aspekte einer Integration beachten müssen und was wir diesbezüglich unternehmen werden.

Jones: Zuerst schauen wir auf unsere Kunden, sie zu unterstützen ist weiterhin am wichtigsten.

Wie wird sich die Akquisition auf die Arbeitsplätze bei Conject auswirken?

Händl: Das erste und vorrangige Ziel
ist weiteres und profitables Wachstum. Wir wollen nicht Kosten drücken, sondern im Markt angreifen und unser Marktvolumen steigern.

Jones: Das ist der Grund, warum der Kauf von Conject so schlüssig ist: Die Marktabdeckung ist hervorragend und
Aconex hat bisher kein Team z. B. in Deutschland. Es geht
uns ganz klar um Wachstum.

Wird das Conject-Management dasselbe bleiben oder sind hier Änderungen zu erwarten?

Jones: Als Teil des Integrationsprozesses wird das aktuelle Conject- Managementteam Teil des Aconex-Managementteams, in einer Kombination aus regionalen und globalen
Managementpositionen.

Kann ich damit Herrn Dr. Händl als CEO der Conject Holding zum Aufstieg gratulieren?

Händl: Die erste Aufgabe ist, zwei Unternehmen zu integrieren. Das wird uns dieses Jahr vollauf beschäftigen, damit wir 2017 perfekt aufgestellt sind. Allein dieser Aufgabe gilt unser Augenmerk. Abgesehen davon sprechen wir im Moment auch überhaupt nicht über Posten. Wir haben viel zu viele Aufgaben zu bewältigen, um aus beiden Unternehmen einen globalen Player zu formen.

Aconex erwartet eine Steigerung des Conject-EBITDA von 11 bis 16 % in naher Zukunft bzw. mittelfristig sogar von 20 bis 25 %. Ist das nicht
zu hoch gegriffen?

Jones: Das denke ich nicht. Conject wächst ja bereits in diesem Volumen, und schauen wir auf die Aconex-Zahlen, sind die noch signifikant höher.

Händl: Die Angaben entsprechen unseren bisherigen Wachstumsraten, und wir werden auch weiterhin zweistellig wachsen. Die Zahlen sind vollkommen realistisch, und wir schauen und planen auch nicht konservativ.

Wird München als Hauptsitz von Conject diese Funktion behalten oder wird München perspek­tivisch zum Deutschland-Büro von Aconex?

Jones: Auch das ist sicher zu früh gefragt, aber wir werden auf jeden Fall unsere Büros erhalten.

Fehlt noch die Frage nach den Risiken und Nachteilen dieser Akquisition. Welche gibt es?

Händl: Ich kann Ihnen versichern, ich sehe da überhaupt keine Risiken. Und ich bin sicher, dass sich auch zukünftig keine zeigen werden.

Jones: Schon bei den ersten Gesprächen war die Atmosphäre durchgängig positiv, sehr offen und ehrlich, und das gibt uns ein sehr gutes Gefühl, dass wir gemeinsam viele erfolgreiche Lösungen entwickeln und im Markt anbieten werden.

Thomas Semmler, 30629 Hannover

Thematisch passende Artikel:

Ausgabe 03/2016

Nach Übernahme: Conject wird den Markt aggressiv bearbeiten

Großes vor hat der australische Software-Hersteller Aconex mit seinem neuen Unternehmen Conject: Gemeinsam mit den Münchnern wollen die Spezialisten für Bausoftware den europäischen Markt...

mehr
Ausgabe 04/2016

Aconex erwägt Verkauf der CAFM-Sparte von Conject

Der australische Bausoftware-Anbieter Aconex, der kürzlich die Conject AG übernommen hat, erwägt den Verkauf der CAFM-Sparte des Unternehmens. Das bestätigte Conject-CEO Ralf Händl. Verkauft...

mehr

Aconex übernimmt Conject

18.03.2016 - Aconex Limited (ASX: ACX), Anbieter einer führenden mobilen und cloud-basierten Projektplattform für die Bauwirtschaft weltweit, gab heute die Einigung bezüglich der Übernahme der...

mehr

Planon übernimmt CAFM-Sparte conjectFM

Planon, der weltweit führende Anbieter von Integrated Workplace Management Systemen (IWMS) und Computer Aided Facility Management Lösungen (CAFM) hat die Übernahme der CAFM-Sparte conjectFM von...

mehr

Conject übernimmt französischen Software-Experten Wapp6

Die Fusion mit dem 20-köpfigen führenden Anbieter für innovative Mängelmanagement-Lösungen aus Paris schafft für beide Unternehmen Synergien: Zum einen wird das Conject-Portfolio rund um das...

mehr