Aufbruch und Alltag

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber manchmal habe ich das Gefühl, dass die To-do-Liste unserer Branche von Jahr zu Jahr länger wird. Gebäude sollen energieeffizienter, nachhaltiger, intelligenter und sicherer werden. Ach, und wirtschaftlicher soll das Ganze am Ende natürlich auch noch sein. Am besten alles gleichzeitig und möglichst ohne zusätzliche Kosten. 

Dass die Realität mit den ambitionierten Zielen nicht immer Schritt hält, war in diesem Jahr überall deutlich zu spüren. Auf der Expo Real etwa traf vorsichtige Zuversicht auf eine gehörige Portion Ernüchterung. Die Gespräche waren zwar konstruktiv, die Herausforderungen allerdings nicht kleiner geworden: Hohe Kosten, schwierige Finanzierungsbedingungen und eine weiterhin abwartende Haltung prägten das Bild. Anders die Stimmung auf der security in Essen: Beim Thema Sicherheit war deutlich mehr Aufbruch zu spüren. Vernetzte Sicherheitssysteme, künstliche Intelligenz und der Schutz kritischer Infrastrukturen zeigten, wie dynamisch sich dieser Bereich entwickelt.

Doch dass technischer Fortschritt auch seine Tücken hat, führte uns die Sicherheitspanne rund um PHP vor Augen. Ein deutlicher Hinweis darauf, dass Digitalisierung und Sicherheit untrennbar zusammengehören – und dass selbst vermeintlich selbstverständliche Dinge manchmal schneller ins Wanken geraten, als uns lieb ist.

Und mittendrin das FM: Es soll all diese Entwicklungen zusammenbringen und aus großen Zielen praktikable Lösungen machen. Möglichst geräuschlos, versteht sich.

Die Verantwortung wächst dabei ziemlich zuverlässig – Personal, Budgets und Anerkennung halten allerdings nicht immer im gleichen Tempo Schritt. Das ist fast schon ein Paradox unserer Branche: Solange alles funktioniert, fällt kaum auf, wie viel Arbeit dahintersteckt. Doch wenn etwas nicht funktioniert, sieht es plötzlich jeder.

Dabei zeigt sich gerade jetzt, wie entscheidend ein professioneller Gebäudebetrieb geworden ist. Etwa beim Thema Energie, denn das neue Gebäudemodernisierungsgesetz macht deutlich, dass die Energiewende nicht allein auf dem Papier oder bei der Planung entschieden wird, sondern vor allem im Bestand. Oder beim Dauerbrenner KI, denn bei der künstlichen Intelligenz wäre es gelegentlich ganz hilfreich, zuerst über den konkreten Nutzen nachzudenken – und erst danach über das neueste Tool.

Ziemlich viele To-do's in 2026, oder? Ja, aber für mich vor allem die Erkenntnis, dass unsere Branche nicht nur vor gewaltigen Aufgaben steht, sondern längst ein wichtiger Teil der Lösung ist. Vielleicht wäre es an der Zeit, dass sich das auch in ihrer Wahrnehmung widerspiegelt. Und vielleicht müssen wir tatsächlich nicht immer alles neu erfinden, sondern häufiger das Beste aus dem machen, was bereits da ist.

2027 wird uns sicher nicht weniger abverlangen. Aber ich bin zuversichtlich, dass wir auch im kommenden Jahr wieder gute Lösungen finden werden. Und wer weiß, vielleicht wird die To-do-Liste ja tatsächlich einmal etwas kürzer. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

Ihre

Kerstin Galenza

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