Neubau der Solarlux-Firmenzentrale in Melle

Nachhaltiger Industriebau

Solarlux, Hersteller von Glas-Faltwänden und Glasanbauten führte mit seinem neuen Firmensitz erstmalig alle Standorte unter einem Dach zusammen. Mit dem im September 2016 er­öffneten Neubau „Solarlux Campus“ im niedersächsischen Melle ist dem Unternehmen ein M­eisterstück in puncto modernem Industriebau gelungen. Das Gebäude verbindet sich durch seine ungewöhnliche Offenheit mit der Umgebung. Und mit seiner nachhaltigen Architektur setzt der Solarlux Campus Maßstäbe in Funktionalität, Gestaltung und Kommunikation.

Für die Gesamtplanung wurde der auf Industrie- und Gewerbebau spezia­lisierte Berliner Generalplaner DIA179 beauftragt. Umgesetzt wurde das Projekt in der rekordverdächtig kurzen Bauzeit von 18 Monaten. Die Mammutaufgabe wurde mit Erfolg gestemmt, doch zuvor galt es, 57.000 m² Betrieb mit Produk­tion, Forschung & Entwicklung sowie Hochregallager, Verwaltung, Schulungstrakt und Ausstellungsraum für über 600 Mitarbeiter zu planen und fertigzustellen. Die Zielvorgabe: Autonomie und Aufenthaltsqualität für die Arbeitsplätze aller Unternehmensbereiche zu schaffen, und mit hoher Gestaltungsqualität und Ästhetik zusammenzuführen und zu verbinden.

Nicht nur die Bauweise sollte nachhaltig sein, sondern auch das dort realisierte Arbeitsumfeld: Verwirklicht werden konnte dies mit eigenen Fassadensystemen sowie der Nutzung erneuerbarer Energien und Energierückgewinnungssystemen. Zusätzlich galt der Anspruch, den Neubau gestalterisch und sozial in die ländliche Umgebung einzubinden – all diese Anforderungen vereint und erfüllt der Solarlux Campus heute.

 

Topographisch ausgerichtet
und eingebettet

Der Solarlux Campus befindet sich im niedersächsischen Melle, direkt an der A30. Der Neubau besteht aus sechs Gebäuden. Gegliedert wird der Komplex durch zentrale Blick- und Landschaftsachsen in Nord-Süd sowie Ost-West Richtung. Dank der klaren geometrischen Ordnung der Einzelbauten fügen sich alle Gebäude zu einem organischen Ensemble, doch auch für sich genommen wirkt jedes in sich von Grund auf stimmig. Ergänzt wird die harmonische Struktur mit dem gekonnten Ausbalancieren der Bauten in das umliegende ­Geländeniveau. Mit seiner Lage am Hang besitzt das Grundstück einen ­Höhenunter­schied von 13 m von Nord nach West sowie innerhalb des Gebäudes einen Höhenunterschied von etwa 7 m. In allen Geschossebenen und Himmelsrichtungen generieren Rücksprünge überdachte, loggienartige Aufenthalts­bereiche.

 

Das Leitbild lautet
Transparenz und Offenheit

Die Visitenkarte des Campus ist das Hauptgebäude, das sogenannte „Foyer“. Das in Ortbetonbauweise erstellte Gebäude unterstreicht das Wechselspiel mit geschlossenen Beton- und offenen Glasflächen. Im Kontrast zu den bewusst massiven Betonflächen stehen im Außenbereich die transparenten Glasfas­saden mit Aluminiumprofilen sowie im Inneren die naturbelassenen Eichenholzrahmen. „Wir wollten ausdrücklich gute Architektur mit wertigen Materia­lien, die die Offenheit und Durchlässigkeit ausdrückt, für die auch die Solarlux-Produkte selbst stehen“, erläutert Wolfgang Herich, begleitender Architekt von Solarlux. Deshalb kommen die eigenen Glas-Faltwände fast überall zum Einsatz. Die Faltwände lassen nicht nur Tageslicht herein, sondern geben den Mitarbeitern die Möglichkeit, ihren Arbeitsplatz bei schönem Wetter mit dem Außen zu verknüpfen.

 

Multitalent Foyer

Die Glasfassade des Eingangs und das Vordach, das teilweise auf wenigen 12,50 m hohen Betonsäulen ruht, sind bereits von der nahen Autobahn sichtbar. Trotz der imposanten Größe sucht der Besucher den Industriebaucharakter zunächst jedoch vergeblich. Das Entree ähnelt mit einer Raumhöhe von rund
15 m, eleganten, farblich dimmbaren LED-Leuchtringen und dem skulptu­ralen, transparenten Folienkissendach eher dem eines Designhotels. Neben Empfang, Konferenz- und Schulungs­bereich, Café, Mitarbeiterrestaurant und Büros dient das Foyer gleichzeitig als Showroom für die Solarlux-Produkte. Dabei wurden die Einbau- und Praxisbeispiele perfekt simuliert. Hier lässt sich die nachgebaute Stadiontribüne live erleben inklusive Leinwand, auf der Spiele übertragen werden. Oder sich probeweise in das nachgebaute Wohnzimmer eines Einfamilienhauses setzen. Die Pavillons ruhen dabei auf stabilen Stahlkonstruktionen, die sich mit Hilfe beweglicher Luftkissen bei Bedarf verschieben lassen, sodass das charismatische Foyer für Veranstaltungen aller Art genutzt werden kann.

Im ersten bis dritten Stock des Foyers befindet sich ein Verwaltungstrakt. Außen wird dieser von einer Doppelfassade umschlossen. Sie besteht aus wärmegedämmten Schiebefenstern als Raumabschluss, davor befindet sich ein trans­patentes Schiebe-Dreh-System als ungedämmte Glasebene. Durch die doppelte Fassade entsteht ein begehbarer Fassadenkorridor, der das Gebäude umhüllt. Beide Fassadenebenen lassen sich individuell zur Natur öffnen, so dass sich je nach Witterung die Innenraumtemperatur manuell regeln lässt. So können die Mitarbeiter aktiv Einfluss auf ihr individuelles Wunschklima nehmen.

 

Gebauter Respekt
vor den Mitarbeitern

Luft und Licht sind bei Solarlux kein Privileg von Verwaltung und Chefetage. Dem familiengeführten Mittelstands­unternehmen war es deshalb besonders wichtig, für alle Mitarbeiter ein Arbeitsumfeld zu schaffen, das sich durch eine hohe Aufenthaltsqualität auszeichnet. Heute ist das Prinzip der flachen Hie­rarchie im gesamten Gebäude ablesbar. ­Unterstrichen wird dies durch die Verwendung identischer Bauteile und Materialien wie Eiche, Sichtbeton und Glas in Produktion und Verwaltung. Glas-­Faltwände aus der eigenen Produktion heben die Grenzen ­zwischen den Bereichen auf. Auch in der fast 10.000 m² großen Halle der Aluminiumfertigung und in der 6.750 m² großen Holzfertigung fanden die Glas-Faltwände Ver­wendung. In der Hallenmitte der Produk­tionsbereiche dringt zusätzliches Licht durch die traditionellen Sheddächer.

 

Innen und außen verschmelzen

Freiraumplanung spielt im Industriebau oft eine Nebenrolle. Ganz anders beim Solarlux Campus: Gemeinsam mit dem ­renommierten Büro für Garten- und Landschaftsarchitektur Lützow 7 haben die Planer eine parkähnliche Umgebung geschaffen, die sich durch topografische Sensibilität, Wertigkeit und Offenheit auszeichnet. Die Grenzen zu den Gebäudemodulen sind dabei fließend. Immer wieder reichen die grünen Zungen bis in die Innenhöfe und auf die extensiv begrünten Dächer hinauf. Dabei tragen die Gründächer zur positiven Energie­bilanz des Gebäudes bei. Sie schützen die Dachhaut und wirken schall- und wärmedämmend, bei Starkregen ent­lasten sie die Kanalisation. Durch Verdunstung und Regenrückhaltung sowie Bindung von Schall- und Luftschadstoffen beeinflussen sie das Mikroklima der Umgebung positiv und sind Ersatzlebensraum für Pflanzen und kleine Tiere.

 

Segelschiff statt Motorboot –
die Gebäudetechnik

Der gesamte Komplex ist mehr Segelschiff als Motorboot und macht sich auf sanfte Art die Kräfte der Natur zunutze. Die Gebäude- und Energietechnik agiert im Verborgenen und ist doch Kern des Konzeptes eines nachhaltigen Solarlux Campus. Ein wichtiger Eckpfeiler der Energieversorgung bildet die Geothermie. Basis dieser Technik ist ein Erdsondenfeld von 80 Sonden, die 80 m ins Erdreich reichen. Damit ist es das größte Geothermiefeld Norddeutschlands. ­
Die so gewonnene Energie von gut 230 kW dient sowohl zum Heizen im Winter als auch zum Kühlen im Sommer. Mit der Betonkernaktivierung wird sich die Fähigkeit des Betons zunutze gemacht, thermische Energie zu speichern. Das Kühlen erfolgt je nach Gebäude ergänzend oder ausschließlich über intelligente Nachtauskühlung mithilfe von Lüftungslamellen in den Fassaden und den Sheddächern.