Nach Rekordumsätzen zurück zur Normalität: Sicherheitsdienstleister erwarten Ende des Booms

Die fetten Jahre sind (vorerst) vorbei

Die 25 führenden Sicherheitsdienstleister in Deutschland wuchsen in 2016 um 17,1 % und erreichten erneut den Rekordwert des Vorjahres ﴾2015: +17 %). Sie übertrafen damit nochmals ihre hohen Prognosen aus dem Vorjahr ﴾+13,3 %). Ausschlaggebend sind die auch in 2016 noch spürbaren Effekte durch den zusätzlichen Bewachungsbedarf von Erstaufnahmeeinrichtungen sowie eine stärkere Nachfrage nach integrierten Sicherheitslösungen, die Dienstleistungen und Technik vereinen.

Für die kommenden Jahre gehen die befragten Sicherheitsdienstleister von deutlich geringeren Zuwachsraten aus. Diese Umsatzveränderungen bei vielen Dienstleistern sind sowohl auf den kurzfristig hohen Bedarf zurückzuführen sowie auf die flächendeckende Beauftragung von Nachunternehmen. In vielen Regionen Deutschlands stehen die Anbieter vor der Herausforderung, kurzfristig ausreichend Personal zu rekrutieren. Zudem rechnen die Sicherheitsdienstleister mit einer befristeten Dauer der Sondereffekte.

Das Ranking im Überblick

Das Ranking ist traditionell nach Inlandsumsatz mit Sicherheitsdienstleistungen geordnet. Aus Gründen der Vergleichbarkeit werden nur diejenigen Dienstleister berücksichtigt, die mehr als die Hälfte ihres Umsatzes mit Sicherheitsdienstleistungen sowie mehr als 66 % des Geschäfts auf dem externen Markt erzielen.

Marktführer Securitas steigerte den Umsatz auf 800 Mio. € ﴾2015: 720 Mio. €﴿, gefolgt von Kötter mit Sitz in Essen mit 457 Mio. € ﴾+39 Mio. €﴿ Umsatz mit Sicherheitsdienstleistungen in Deutschland. Unter Berücksichtigung der übrigen Umsätze erreichte Kötter in 2016 einen Gesamtumsatz von 545 Mio. €.

Ebenfalls unverändert auf Rang 3 positioniert ist die Niedersächsische Wach- und Schließgesellschaft ﴾225 Mio. €﴿. In den Umsatzzahlen enthalten ist die Leistung der zur Unternehmensgruppe gehörenden VSU.

Pond verbessert sich auf Rang 4

Pond aus Erlensee erreicht die prozentual größte Umsatzsteigerung aller analysierten Unternehmen. Das Unternehmen steigerte den Umsatz um 67,3 % und verbesserte sich von 128,8 Mio. € in 2015 auf nun 215,5 Mio. €. Damit einher geht eine Verbesserung auf Rang vier der Lünendonk-Liste. Im Vorjahr war Pond noch auf Rang 6 gelistet. Die Kieler Wach- und Sicherheitsgesellschaft erreicht unter anderem auch aufgrund der Übernahme der DNZ Holding aus Dresden nun einen Umsatz von geschätzten 208 Mio. €. Im Vorjahr erreichte das Unternehmen noch geschätzte 135,6 Mio. €. Erstmals überschreiten nun fünf Unternehmen die Marke von 200 Mio. € Jahresumsatz – im Vorjahr gelang dies nur drei Dienstleistern.

Die Wisag Sicherheit und Service verliert trotz eines ebenfalls deutlichen Umsatzwachstums von 26 Mio. € auf nunmehr 199 Mio. € zwei Plätze im Ranking auf Rang 6. Das Frankfurter Unternehmen verzichtet erklärtermaßen – wie andere Unternehmen auch – auf Umsätze mit Flüchtlingsbewachung. Mit Klüh folgt eine weitere Sicherheitseinheit eines Facility-Service-Unternehmens auf Rang sieben. W.I.S. und die b.i.g.-Gruppe komplettieren die Gruppe der Unternehmen mit dreistelligem Millionen-Euro-Umsatz und jeweils rund 20 Mio. € Umsatzsteigerung. Dussmann Service vervollständigt mit geschätzten 94,0 Mio. € die Top 10 der führenden Sicherheitsdienstleister.

Stölting verbessert sich um vier Plätze

Die Stölting Unternehmensgruppe steigerte ihren Umsatz von 55,9 Mio. auf 84,1 Mio. € Jahresumsatz mit Sicherheitsdienstleistungen. Im Mittelfeld der Lünendonk-Liste resultiert dies in einer Verbesserung von vier Rängen im Vergleich zum Vorjahr. Gegenbauer steigert den Sicherheitsumsatz ebenfalls deutlich auf 73,6 Mio. €.

Die Nürnberger Wach-‐ und Schließgesellschaft verzeichnet nach mehreren Jahren mit in Summe stabilen Umsätzen erstmals wieder ein deutliches Umsatzwachstum von 8,7 % auf 57,5 Mio. €. ESD mit Sitz in Mühldorf am Inn gehört ebenfalls mit 44 % Zuwachs zu den Unternehmen mit der größten Umsatzveränderung und verbessert sich folglich um drei Ränge von 19 auf 16. Piepenbrock erreicht in 2016 einen Umsatz mit Sicherheitsdienstleistungen von 49 Mio. € und damit Platz 18 auf der Lünendonk-Liste. Die Unternehmensgruppe mit Sitz in Osnabrück steht unter Berücksichtigung der Umsätze mit Gebäudedienstleistungen und Instandhaltung für eine Jahresleistung von mehr als 500 Mio. €.

All Service ﴾Rang 19), Arndt ﴾22) sowie die Vollmergruppe ﴾23) steigerten ebenfalls ihren Jahresumsatz um eine zweistellige Prozentzahl. Wako Nord mit Sitz in Stade schließt die Lünendonk-Liste auf Rang 25 ab. Lünendonk schätzt den Unternehmensumsatz für die Gesellschaften Wako Nord GmbH, Wako Nord Hamburg GmbH, Wako Nord Hannover GmbH und Wako Nord Lübeck GmbH auf 30 Mio. € für 2016 und 2015. Nicht mehr in der Lünendonk-Liste enthalten ist die insolvente und von der Kieler Wach-‐ und Sicherheitsgesellschaft übernommene DNZ Holding.

Thomas Ball, Senior Consultant und Studienautor, kommentiert: „Die Sondereffekte durch die stark gestiegene Nachfrage nach Bewachungsleistungen für Erstaufnahmeeinrichtungen überdecken aktuell die darunter liegende Marktdynamik. Der Sicherheitsdienstleistungsmarkt in Deutschland unterliegt einer Konsolidierung und sich verändernden Kundenanforderungen. Hochwertige Sicherheitsdienstleistungen sowie integrierte Konzepte für Dienstleistungen und Sicherheitstechnik sind ein zentrales Zukunftsthema für die Branche.“