2. FACILITY MANAGEMENT-Fachforum Gebäudesicherheit

Architektur, Brandschutz und Cyber Security

Flughafensicherheit, Zutrittssysteme und -kontrolle oder Gebäude-Entrauchung – die Themenpalette war breit gefächert bei der zweiten Auflage des Fachforums Gebäudesicherheit des Fachmagazins FACILITY MANAGEMENT am Münchener Flughafen.

„Das Thema Gebäudesicherheit begleitet Facility Management, Brandschützer und die technischen Gebäudeausstatter gleichermaßen“, sagte Achim Roggendorf, Chefredakteur der Facility Management, zur Eröffnung des zweiten Fachforums Gebäudesicherheit. Und sie betreffe die verschiedensten Gewerke, von der Planung über die Ausführung bis zum Betrieb. Diese Palette bildeten auch die sechs Referenten in ihren Beiträgen ab.

 

Welche Rolle Transparenz für die Flughafensicherheit spielt und warum Zoll und Bundespolizei mit planen, erläuterte Michael Nahr, Geschäftsführer des Architekturbüros Koch+Partner Architekten aus München, in seiner Keynote „Planerische Aspekte der Sicherheitsvorgaben für einen Flughafen“. Und Nahrs Objekt war gleich nebenan: Das Satellitengebäude von Terminal 2 des Münchner Flughafens.

„Für Flughafen-Planer ist wichtig, dem Passagier Orientierung geben“, sagte Nahr. Darum bieten Glasflächen im wahrsten Sinne Durchblick, nämlich auf das Ziel des Reisenden, der auch durch klare Wegführung und Ausschilderung verlässlich und zügig geführt wird. Und die Sicherheit?

„Für die vielfältigen Sicherheitskontrollen muss die Fläche möglichst flexibel sein, da sich die gesetzlichen Vorgaben häufig ändern“, berichtete Nahr. Bei diesen Planungen reden auch Polizei und Zoll ein Wort mit. „Die Kernfrage ist immer: Was ist zu verhindern“, erklärte Nahr und nannte ein Beispiel: „Passagiergruppen dürfen sich nicht mischen.“ Kommen also Reisende aus Schengen-Ländern auf Ebene 4 an, und Reisende aus Non-Schengen-Ländern auf Ebene 5 sowie Reisende aus Ländern, die ihre Kontrollverfahren nicht offenlegen und im Flughafen-Sprech „Unclean“ sind, auf Ebene 6 - dann steuert Architektur die Sicherheit – Türen inklusive.

 

Türen als Alleskönner

Was Türen alles für die Sicherheit eines Bauwerks leisten, erläuterte Jörn Lohmann, Produktmanager Rohrrahmentüren bei Novoferm. „Früher zählten bei einer Tür einzelne Faktoren, sie bot also Schallschutz oder Sicherheit oder Brandschutz. Heute ist die Tür ein Alleskönner“, fasst er knapp zusammen, was Kunden sich so wünschen. Wie Novoferm diese Wünsche erfüllt, zeigte er im Anschluss:

Der Anbieter hat seine Türen so gestaltet, dass sie je nach Wunsch ausgestattet werden können – Türdesign aus dem Baukasten, quasi. Und das Angebot ist in der Weise gestrafft, dass ein Türrahmen für jedes Türmodell genutzt werden kann. „Nutzen Sie einen Raum um und eine höhere Brandschutzklasse ist gefordert, können Sie einfach das Türblatt austauschen, da die Beschläge über die gesamte Modellpalette identisch sind.“ Besonders stolz ist man darauf, derzeit der einzige Anbieter zu sein, der Türen nach der europäischen Norm EI2 anbieten kann.

 

Bei Denkmalschutz hilft reden

Welche Rolle Zutrittslösungen für die Gebäudesicherheit spielen, erfuhren die Teilnehmer von Axel Schmidt, Geschäftsführer von Salto Systems. Er machte anhand von Kundenprojekten deutlich, in welcher Spanne sich die Begriffe „Zutrittslösung“ und „Tür“ bewegen können: „Im Evangelischen Krankenhaus Mühlheim haben wird unter anderem Türen, Patientenschränke, Personalspinde, Arzneimittel- und Materialwagen mit elektronischen Schließsystemen ausgestattet, insgesamt rund 2000 Zutritts- oder Zugriffspunkte“, berichtet Schmidt. Zugriffsrechte und Protokollierung laufen zentral über eine Plattform.

An der Uni Greifswald (lesen Sie hierzu auch FACILITY MANAGEMENT 5|2018, S. 46 ff) ist die Mischung ähnlich bunt, aber mit einem wichtigen Unterschied: Denkmalschutz. „Hierfür haben wir teilweise messing-farbene Zylinder in die Blenden oder Zutrittsleser in der Farbe der Seitenwand neben Tür verwendet“, berichtet Schmid. Ins Regal greifen kann der Hersteller in solchen Fällen aber nicht einfach. „Bei Denkmalschutz sind Gespräche und dokumentierte Vereinbarungen wesentlich“, sagt der Fachmann. Oft ließen sich die Verantwortlichen in Städten und Gemeinden überzeugen, wenn ein großes Plus an Sicherheit zu erhalten ist.

 

Freie Sicht und gute Luft

Einem ganz anderen Feld widmete sich Siegfried Stammler, Verkaufsleiter Brandschutz bei Colt International. „Maschinelle Entrauchungsanlagen“ war sein Beitrag überschrieben und was die Geräte können, zeigte eine imposante Rauchsäule in seiner Präsentation. „Das ist kein Photoshop“, betonte Stammler. Tatsächlich zeige die Aufnahme mit Feuerwehr im Einsatz einen echten Vorfall wenige Wochen vorher, bei dem ein Lagerbereich bei einem Kunden in Brand geraten war. Die Colt-Entrauchung saugte den Rauch zügig ab, so dass die Brandbekämpfer schnell vordringen konnten. Der Kunde überlegt noch, wie er den betroffenen Bereich verfährt – sanieren oder neu bauen. „Die benachbarten Bereiche sind allerdings schon wieder in Betrieb“, verweist Stammler im Nebensatz auf die Wirkung effektiver Entrauchung.

Um in der Vielfalt der Regelungen den Überblick zu behalten, rät Stammler, immer zuerst auf das Schutzziel zu schauen. Musterindustriebau-Richtlinie, Musterversammlungsstätten-Verordnung (MVer, Musterverkaufsstätten-Verordnung, Garagen- und Stellplatz-Verordnung – sie alle formulieren Anforderungen. „Und greifen diese Regularien nicht, gibt es das Fire Reserach Technical Paper No. 10, das eine Ermittlung der Risiken über das Material und dessen Brandverhalten ermöglicht“, gibt der Profi einen wichtigen Tipp.

 

Betreiberpflichten und Mini-CAFM

Wie die Betreiberpflichten sicher wahrgenommen, überwacht, dokumentiert und gesteuert werden können, erläuterte Christoph Knöll, Abteilungsleiter System Dienstleistungen Real Estate beim TÜV Süd, in seiner Präsentation „Betreiberpflichten für technische Anlagen – digitalisiert und vereinfacht“. Was sich dahinter verbarg, hört auf den Namen TÜV Süd Objektbrief und ist eine Software, die grundlegende Bereiche des technischen Facility Managements begleiten will. Der besondere Charme der Lösung: Für ein Gebäude ist sie mit allen Funktionen vollständig kostenlos.

„Digitalisierung hilft, die eigenen technischen Anlagen zu kennen, ebenso die dazu gehörigen Pflichten und Anforderungen und über die Software Transparenz über alle Dienstleister hinweg zu erhalten“, nennt Knöll Vorteile von CAFM. Der Lösungs-Ansatz aus Bayern bietet zugleich Zugang zu rund 2000 Gesetzen, Verordnungen und Regelwerken, die der TÜV-Kunde im TÜV Objektbrief einsehen und bei Bedarf aktivieren kann. Ob Bedarf besteht, lässt sich dem Prüfbericht entnehmen, den der TÜV nach der Prüfung einer Anlage als XML-Datei zur Verfügung stellt. „Betreiberpflichten zu kennen und wahr zu nehmen ist wichtig“, so Knöll, denn: „Haftend ist der Geschäftsführer.“

 

Verschlüsselt IT-Systeme

Vor der Rundfahrt über das Flughafengelände stand noch der Beitrag von Stephan Engel, Head IT Security bei Siemens Building Technology, aus. Und der hatte es in sich. Unter dem Titel „Industrial Cyber Security“ fuhr er die Sicherheitsrisiken in der immer enger zusammenwachsenden IT-Landschaft auf. Ein Paradebeispiel: Wannacry. Die Ransomware verschlüsselt IT-Systeme und erpresst Lösegeld für den Entschlüsselungs-Key.

„Die Urheber von Wannacry haben etwa 80.000 Euro eingenommen, allein FedEx als ein Betroffener senkte die Gewinnprognose um 300 Millionen US-Dollar – solche Täter zeigen die Bereitschaft, hohen Schaden für relativ kleinen Gewinn anzurichten“, warnt Engel vor Sorglosigkeit. Denn die Täter kommen nicht durch die Tür oder den Router, sie nutzen lieber Seitenwege wie die ungeschützte Steuerung der Klimaanlage.

Der Weg zum sicheren gebäudetechnischen System führt über eine Reihe von Analysen:

·Was muss ich schützen (Krankenhaus, Flughafen, Bank, ...)

·Definition der Anforderungen (Was will ich?)

·Planung der Lösung

·Risiko-Bewertung (Verfügbarkeit, Integrität, ...)

·Sichere Implementierung

·Das Ergebnis testen

·Regelmäßig warten (Patches einspielen, Belastungstests machen, Hardware tauschen...)

 

Sind alle Fragen beantwortet und die Arbeiten fach- und sachgerecht ausgeführt, wird es sicherer. Aber: „Ein Restrisiko bleibt“, so Engel. Daher empfiehlt er als Handwerkszeug drei Normenwerke: Die ISO-Reihe 27001, 27002 und 27005 für die theoretische Definition der Anforderungen, den BSI-Grundschutz für die praktische Umsetzung und die IEC 62443 als Ergänzung.

 

 

„Wir freuen uns, dass auch das diesjährige Fachforum Gebäudesicherheit wieder so hochkarätig besetzt war und bei den Besuchern eine positive Resonanz erhalten hat“, freut sich Chefredakteur Achim Roggendorf. „Mal sehen, wo das kommende Fachforum stattfinden wird, nach Fußball-Stadion und Flughafen liegt die Latte jetzt hoch – aber wir werden mit Sicherheit eine ungewöhnliche Location finden“, verspricht Roggendorf.


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