FACILITY MANAGEMENT-Special „Gebäudetechnik“
Anfang Juli 2009 eröffnete die neue Nationale Technische Bibliothek (NTK) ihre Räumlichkeiten für die Öffentlichkeit. Das Gebäude wurde in weniger als drei Jahren auf dem Campus der technischen Hochschule in Prag errichtet. Die Siemens-Division Building Technologies hatte beim Bau des modernen, technisch interessanten Gebäudes ihren Anteil: So wurde unter anderem die Datenintegration verschiedener betriebskritischer Technologien sichergestellt.
Sechs oberirdische Stockwerke bieten Regale mit frei zirkulierenden Büchern und bibliothekarische Dienstleistungen. Besucher haben auch eine Cafeteria mit 150 Plätzen, verstreute Erholungszonen mit 272 Plätzen, vier Computerlabore sowie 18 Team- und 27 Einzelstudienräume zur Verfügung, von denen zwei rollstuhlgängig und weitere zwei für Menschen mit Sehbehinderung geeignet sind. Ein spezieller Nachtstudienraum hat täglich auch außerhalb der normalen Geschäftszeiten geöffnet. Weiter bietet das NTK eine Vorlesungshalle mit 232 Plätzen und einen Ausstellungsraum. In den drei unterirdischen Geschossen ist neben dem Büchermagazin und den technischen Installationen auch eine Tiefgarage untergebracht, in der 299 Autos sowie 200 Fahrräder Platz finden.
Im östlichen Teil der Bibliothek arbeiten rund 180 Angestellte in offenen Großraumbüros, während das Management der NTK in einigen kleineren Büros seinen Aufgaben nachgeht. Den rund 900.000 Besuchern pro Jahr stehen 1224 Studienplätze und über 250 PCs mit Internet-Anschluss zur Verfügung. Das ganze Gebäude ist mit einem kabellosen Netzwerk (WiFi) ausgestattet. Für einen schnellen Service der Bibliothekare und zur Diebstahlsicherung kommen außerdem RFID-Tags (Radio Frequency Identification) zum Einsatz.
Ein intelligentes, kostensparendes Gebäude
Das NTK-Gebäude ist mit vielen modernen Technologien ausgerüstet, die den Besuchern einen möglichst angenehmen Aufenthalt bereiten sollen. Gleichzeitig wurde ein spezielles Augenmerk auf den wirtschaftlichen Betrieb und einen möglichst geringen Energiebedarf des Gebäudes gelegt. Dafür kamen im Gebäude unübliche Materialien und technisch einzigartige Lösungen zum Einsatz. Ein typisches Beispiel ist etwa die Fassade, die stellenweise mit einer äußeren Hülle aus Spezialglas versehen ist. Sogar das Brandlöschsystem ist ungewöhnlich: Es arbeitet mit Wassernebel. Damit verbraucht es bei gleicher Löscheffizienz nicht nur zehn Mal weniger Wasser als traditionelle Sprinkler-Systeme, sondern ist auch wesentlich weniger schädlich für das Papier der Bücher.
Eine andere moderne und technisch einzigartige Lösung ist das Heiz- und Kühlsystem, das direkt in die Stahlbetonstruktur eingebettet ist. Dieses so genannte thermoaktive Bauteilsystem (TABS) funktioniert wie folgt: Während der Nacht wird heißes Wasser durch die Rohre geleitet und heizt so den Beton auf, der die Wärme später langsam wieder abgibt. Im Sommer, wenn die Kühlung des Gebäudes notwendig ist, geschieht dasselbe – mit dem Unterschied, dass nun kaltes Wasser durch die Rohre fließt.
Indem Kälte während der Nacht in den Strukturen des Gebäudes gesammelt wird, ist es möglich, die Leistung der installierten Kühlgewerke signifikant zu reduzieren und gleichzeitig den nachts günstigeren Strom zu nutzen. Das Gebäudeautomationssystem verhindert im Kühlmodus die Kondensation von Feuchtigkeit an den Deckenoberflächen. Wenn die Oberflächentemperatur unter den erforderlichen Wert fällt, wird das Kaltwasserventil des Systems geschlossen. Des Weiteren überwacht das System das Temperaturgefälle im TABS-Kreislauf – wenn die minimale Temperaturdifferenz erreicht wird, schließt das Regelventil im Vorlauf. In der NTK sind insgesamt 19 voneinander unabhängige TABS-Kreisläufe installiert, was den unabhängigen und auf die jeweiligen Bedürfnisse optimierten Betrieb der einzelnen Gebäudeteile (Zirkulationsbereiche, Büros, Ausstellungshalle etc.) ermöglicht.
Ähnlich intelligent ist das System der so genannten natürlichen Ventilation. Es umfasst 500 Fenster, von denen 200 mit einem elektrischen Antrieb ausgestattet sind, sowie ein ausgeklügeltes System von Fühlern, die das System kontinuierlich über die CO2-Konzentration in den Gebäudeteilen informieren. Wird der CO2-Anteil in einem Gebäudeteil zu hoch, öffnen die Antriebe automatisch die Fenster. Deshalb gibt es üblicherweise keinen Grund, die Räumlichkeiten per Klimaanlage zu belüften, was den Stromverbrauch des Gebäudes weiter senkt. Die Klimaanlagen wird nur dann genutzt, wenn das System der natürlichen Ventilation das Gebäude von selber nicht mehr genügend belüften kann.
All diese Technologien werden automatisch vom Kontrollraum aus gesteuert; allerdings gibt es in den Büros und den offenen Räumen zusätzliche Heizkörper, die manuell eingestellt werden können. Auch lassen sich die nicht mit einem Antrieb versehenen Fenster nach Wunsch ganz normal öffnen. Dabei regelt das System die Leistung der unter den Fenstern platzierten Heizkörper automatisch herunter, um keine unnötige Wärme zu produzieren.
Siemens war beim Bau der NTK mit dem Design und der Installation des „Desigo“-Gebäudeautomationssystems sowie des „Sinteso“-Brandschutzsystems beauftragt. Das System für die Gebäudeautomation besteht aus über 3600 Datenpunkten sowie einer zentralen Managementstation, über die sämtliche Regel- und Steueraufgaben für die untergeordneten Gewerke ausgeführt werden. Damit umfasst das System die Steuerung sämtlicher Heiz- und Kühltechnologien, der Klimaanlagen sowie der ins System der natürlichen Ventilation integrierten Fenster. Dazu kommen die Kontrolle von 180 Beleuchtungs-Kreisläufen sowie die Überwachung des Status der Niederspannungsschaltanlagen. Ebenso integriert sind weitere wichtige Gebäude- und Gefahrenmanagement-Systeme wie die Brandschutzanlage, Einbruchüberwachung und Zutrittskontrolle, UPS (unterbrechungsfreie Stromversorgung) mitsamt Dieselgenerator, Feldgeräte wie Regelantriebe und Wärmeverbrauchsmessgeräte, Kälte- und Befeuchtungsanlagen etc.





